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Anderhalten Architekten

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin

Ort
Berlin
Gebäudekategorie
Bildung und Forschung
Bauvorhaben
Umbau/Sanierung
Jahr der Fertigstellung
2002
Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften ist in einem Gebäudekomplex in direkter Nachbarschaft zum Gendarmenmarkt angesiedelt. Das älteste Gebäude dieser Anlage wurde 1902 als 4-geschossiges Wohn - und Geschäftshaus der ehemaligen Preußischen Seehandelsbank erbaut. In diesem ehemaligen Bankhaus liegt der heute von der Akademie der Wissenschaften für Veranstaltungen genutzte Bereich.

Das Zentrum des alten Bankgebäudes bildete ein Innenhof im ersten Obergeschoss, der mit einer verglasten Eisenkonstruktion überwölbt war und als zentrale Kassenhalle diente. Diese 300 qm große, langgestreckte Kassenhalle stand, in den Randbereichen mit Sandsteinbögen kolonnadenartig ausgeformt, in direkter räumlicher Verbindung mit den umlaufenden Arbeitsbereichen des Bankpersonals, so dass sich diese erste Etage als zusammenhängender Großraum darstellte.

Nach Kriegszerstörungen wurde das Hallendach entfernt und in den 50er Jahren durch eine provisorische, geschlossene Notdachkonstruktion ersetzt. Das ursprünglich offene Raumgefüge wurde zerstört, als die Sandsteinbögen vermauert und die ehemalige Kassenhalle in zwei Räume unterteilt wurde, um diese als Versammlungsräume zu nutzen. Die umlaufenden Räume wurden durch einen Flur vom Saal abgetrennt, um sie als Schulungsräume und Casino umzufunktionieren.

Das Entwurfskonzept sah eine Rückführung des Veranstaltungsbereich auf die ursprünglichen offenen Strukturen. Der Halleraum wurde von Einbauten der Nachkriegszeit befreit und mit einem zweischaligen Glasdach versehen, das ein Maximum an Tageslichteinfall garantiert. Der lichte, transparente Saal steht somit wieder in direkter räumlicher Beziehung zu Schauspielhaus und Gendarmenmarkt. Die unmittelbar an den Saal angrenzenden Seminarräume und das Casino werden durch raumhohe Glasschiebeelemente vom Plenarsaal abgetrennt. Die neu hinzugefügten Materialien und die reduzierte Ausformung der Details kontrastieren mit den Resten der historischen Sandsteinarkaden, deren Kriegsschäden bewusst nicht retuschiert wurden, sondern wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzeptes sind.

Die technische Ausrüstung des Plenarsaales wurde den Anforderungen an einen zeitgemäßen Kongressbereich angepasst. Dabei ist ein offenes und exklusives Raumgefüge entstanden. Die unbefriedigende Raumsituation der innenliegenden Räume, in die nach den Einbauten der Nachkriegszeit kein Tageslicht mehr gelangen konnte, ist überholt. Saal, Flur und Seminarräume sind erstmals wieder als Ganzes wahrnehmbar und auf der gesamten ersten Etage können heute wieder großzügige Veranstaltungen durchgeführt werden.