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Baumschlager Eberle Architekten

View

Bürohaus an der Porte des Lilas, Paris
archphotoinc., (c) Baumschlager Eberle Architekten
archphotoinc., (c) Baumschlager Eberle Architekten
Ort
Paris
Gebäudekategorie
Büros, Verwaltungsbauten, Banken
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2018
Material Fassade
Metall
Bürohaus View an der Porte des Lilas, Paris von Baumschlager Eberle Architekten

Die Libelle ist gelandet

Ein schimmerndes Band im Stadtraum, sanft ausschwingend. Im Grundriss einer Libelle ähnlich, symmetrisch und leicht in der Höhe steigend. In seiner Funktion als Büro genützt. Das neue Gebäude nahe dem akustischen Epizentrum des Boulevard Périphérique muss sehr viel leisten. Mit seinen beiden „Flügeln“ und dem gemeinsamen, verbindenden Auditorium wirkt das Haus wie ein Solitär, seine Form schwingt allerdings frei im Kontext einer sehr rauen Umgebung. Deren Aufwertung ist daher angesagt. Gute Architektur kann das. Und noch mehr: Die Büroflächen sind nutzungsneutral um die Kerne arrangiert, begrünte Innenhöfe verweisen auf ein Leben fern der Pariser Peripherie.

Ins Innere der Libelle gelangt man von der Rue Paul Meurice aus über zwei quer verlaufende Eingangshallen. Große Öffnungen im Erdgeschoss stellen eine starke Verbindung zwischen dem Außen- und Innenbereich her. Die Erdgeschosszone präsentiert sich lebhaft, offen und geschäftig. Ebenfalls sofort wahrnehmbar: die beiden Innenhöfe zeigen sich als grüne Oasen. Sie strukturieren den Ort und verleihen ihm eine helle und angenehme Atmosphäre. Die Primärstruktur und Verkehrswege sind auf maximale Flexibilität ausgelegt. Dabei wird allen Räumen die gleiche Bedeutung eingeräumt. So ist es kein Zufall, dass alle BenutzerInnen des Hauses von einer ähnlichen Sicht nach außen und der gleicher Entfernung zu den Innenhöfen profitieren. Es ist eben diese homogene Büroatmosphäre, welche von den BenutzerInnen geschätzt wird.

Das Projekt setzt auf ein ausgewogenes Verhältnis aus ökonomischen und ökologischen Aspekten, die einander logisch ergänzen. So überzeugen die kompakten Baukörper ebenso durch ihre Wirtschaftlichkeit wie durch ihre Energieeffizienz. Durch die Einrichtung neutraler und freier Flächen zwischen den Fassaden und Verkehrswegen ist die langfristige Nutzung des Objektes gewährleistet. Die äußerst reaktionsträge Hülle des Gebäudes spielt sowohl bei der Wärmedämmung als auch beim Schallschutz eine wichtige Rolle. Das Dach ist durchgehend mit leicht geneigten Photovoltaik-Modulen bestückt, wodurch die fünfte Fassade ein homogenes Bild abgibt. Die Neigung der Module betont den dynamischen Charakter des Gebäudes noch zusätzlich.

Im Außenbereich erzeugt das Spiel aus gläsernen Fassaden und metallischen Elementen eine nahezu vibrierende Oberfläche, deren Wirkung sich über den Tag und mit dem Sonnenstand verändert. Die Stadt und der Verkehr auf der angrenzenden Autobahn, dem Boulevard périphérique, fügen dem noch ihr eigenes Farbenspiel hinzu. Dieser grafische Effekt wird durch den schwingenden Verlauf der Gebäude-„Flügel“ zusätzlich verstärkt.

Während die Libelle als Reflektor für die kontinuierlichen Verkehrsflüsse der Autobahn fungiert, präsentiert sie sich dem Fußgänger auf der Rue Paul Meurice sehr maßstabsbezogen und räumlich differenziert. Der schwingende Solitär mutiert zum starken Rückgrat in der Straße mit einer Ecklösung, die geschickt aus dem Verschieben der unterschiedlichen Etagen entwickelt wird. Die Leistungsfähigkeit der Architektur als Gesamtlösung in einem heterogenen Kontext lässt ihre Fähigkeit zur Qualitätsfindung an diesem Punkt kulminieren. Eben weil, sich die Ecklösung aus dem Gesamtkonzept ohne Aufregung, ohne große Geste, sehr subtil und dennoch wahrnehmbar ableiten lässt. Die Libelle ist gelandet.