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Architekten BKSP

Umbau und Neubau des Marienhospitals - 1. Preis

(c) Architekten BKSP
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News
16.05.2019
Realisierungswettbewerb mit gesetzten Teilnehmern
1. Preis
Städtebau
Der Gebäudebestand des Marienhospitals Osnabrück (im weiteren MHO) sowie des städtebaulichen Umfeldes ist geprägt von einer großen Heterogenität aus Nutzungen und Baukörperformen.
Am MHO wurden, beginnend mit dem Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg, im Laufe der Zeit nutzungsbedingt Gebäude mit unterschiedlichen Funktionen und Dimensionen aneinandergefügt, ergänzt und umstrukturiert, die mittlerweile funktional und städtebaulich an ihrer Leistungsgrenze angekommen sind. Darüber hinaus wurden weitere Gebäude im städtebaulichen Umgriff erworben und flankierende Funktionen angesiedelt.
Nachdem die Entscheidung für den Erhalt und die Konsolidierung des MHO an dieser Stelle in Innenstadtlage von Osnabrück getroffen wurde (in jüngerer Vergangenheit gestärkt durch Neubau des Christlichen Kinderhospitals Osnabrück (CKO), des Bettenhauses M sowie Neugestaltung der Magistrale), ist ein größerer Eingriff in den Gebäudebestand zur Neuordnung und Neustrukturierung des MHO unumgänglich.
Der vorliegende Entwurf orientiert sich städtebaulich/funktional an folgender Leitlinie:

Kompletter Erhalt der städtebaulichen Prägung des MHO in seinen Randbereichen, insbesondere im Umfeld der Johanniskirche - gleichzeitige Konsolidierung bzw. Optimierung der inneren Struktur

Die Bestandsgebäude an der Johannisfreiheit werden komplett erhalten und bilden damit weiterhin den historischen städtebaulich/architektonischen Rahmen für den Kirchhofbereich der Johanniskirche.

Die Bischofsstraße erhält durch Abriss von Haus H und Neubau des neuen Funktions- und Eingangsgebäudes eine deutliche Aufwertung – der Neubau prägt durch seine größere Präsenz das neue Bild des MHO mit städtebaulicher Strahlkraft in Richtung Hauptbahnhof.

Der Abriss des kleinen Gebäudes Karl-Bücher-Straße und die Neugestaltung des Areals Karl-Bücher-Straße/Niedersachsenstraße als großzügiger und angemessener Auftakt für das MHO stärken die stadträumliche Wirkung des MHO an dieser Stelle und heilen gleichzeitig die derzeit unbefriedigende städtebauliche Bestandssituation.
Durch Abriss der Häuser Ho und L und Neubau des Hauses M+ wird im 2.BA der Bereich im Umfeld der Holtstraße konsolidiert und die historisch gewachsene, sowohl städtebaulich als auch funktional unbefriedigende Situation bereinigt.

Neustrukturierung Klinikareal
Wie bereits im Abschnitt Städtebau beschrieben, ist die Struktur des MHO von einer großen Heterogenität aus Nutzungen und Baukörperformen geprägt. Damit einher gehen mehrere entscheidende Schwächen der Gebäudestruktur:
  1. Die Konzentration der Erschließung auf eine, sehr kurze Magistralenerschließung – fasst als sternförmige Erschließung von einem Mittelpunkt aus - mit dem Manko der Durchmischung von unterschiedlichsten Verkehrsströmen (gehfähige und liegendkranke Patienten, Personal, Besucher, Waren und Güter
  2. Zwangsläufig damit einhergehend die große Ferne und schlechte Erreichbarkeit (auch Durchgangsverkehr) von wichtigen Funktionseinheiten – am deutlichsten ablesbar in den randliegenden, aber wichtigen Nutzungen (u.A. Bettenstationen) in den Häusern D, E, F, G (und derzeit noch H)
  3.  Lage von Funktionseinheiten in unzureichenden Gebäudegrundrissen und -strukturen –deutlichste Beispiele hierfür sind der Zentral-OP mit völlig ungeordneten Funktionsstrukturen, die Intensivstation in Haus K2 mit u.A. unzureichenden Bettenzimmern sowie die NC-Stationen in den Häusern E, F und G
  4. Lage von Funktionseinheiten außerhalb des Kernbereiches – siehe Häuser Detmarstraße, Karl-Bücher-Straße, Pottgraben etc

Wichtigstes Ziel einer Neustrukturierung - Optimierung ist deshalb die Beseitigung bzw. Abmilderung dieser Strukturschwächen. Folgende Maßnahmen werden hierfür getroffen:

  • Die Verkehrserschließung wird entzerrt und neugeordnet – die Konzentration auf eine Magistrale wird durch Etablierung einer Netzstruktur abgemildert – zusätzliche Erschließungsachsen werden gebildet - Haus K, Haus M+ und Haus M sowie Neubau Bischofsstraße – Haus I, und Haus A/C
  • Die medizinischen Funktionen incl. der Ambulanzzentren werden neu etabliert, gebündelt und einander richtig zugeordnet
  • Die medizinischen Notfallstrukturen werden in einem 1. BA gebündelt
  • Die Pflegebereiche werden gebündelt und es werden Pflegestrukturen mit einheitlichen Großstationen in der Normalpflege gebildet
  • Dienende Funktionsbereiche (Krankenhausmanagement, Seelsorge und Sozialdienst) werden in der Peripherie in für medizinische Funktionen schlechter nutzbaren Strukturen zusammengezogen (Häuser D, E, F etc.)
  • Die derzeit sehr dezentral verteilten Nutzungen aus Detmarstraße, Karl-Bücher-Straße, Pottgraben etc. können u.A. in den Häusern D, E, F näher am MHO angeordnet werden

Äußere und Innere Erschließung
Äußere Erschließung
Der Haupteingang bleibt an der Bischofsstraße. Er wird neugestaltet und der derzeitigen Magistrale vorgelagert.
Die Notfallvorfahrt erfolgt von der Bischofsstraße und der Johannisfreiheit aus in den mit dem 1.BA neu gebildeten Innenhof. Hier ist ausreichend Platz für die überdachte Vorfahrt sowie Aufstellflächen für Notfallfahrzeuge. Auch der Nachtzugang zur NFA für gehfähige Patienten erfolgt über den Innenhof.
Das Hubschrauberlandedeck wird auf den 1.BA Neubau Bischofsstraße verlegt. Über den Aufzugskern werden NFA, Intensivpflege und OP-Zentrum erreicht. Das derzeitige Hubschrauberdeck auf dem Parkhaus wird nicht mehr benötigt.
Ver- und Entsorgung erfolgen weiterhin über den vorhandenen Lieferhof an der Bischofsstraße. Eine Verlegung des Lieferhofes wäre aus städtebaulich/architektonischer Sicht wünschenswert, aber mit großem Aufwand verbunden.

Innere Erschließung
Die Verkehrserschließung wird entzerrt und neugeordnet – die Konzentration auf eine Magistrale wird durch Etablierung einer Netzstruktur abgemildert. Es werden zusätzliche Achsen für internen Betrieb (Personal/Liegendkranke/ Ver- und Entsorgung) geschaffen:
  • Haus K - Haus M+ - Haus M
  • Neubau Bischofsstraße – Haus I - Haus A/C
Darüber hinaus wird der innere Verkehr prinzipiell in unterschiedliche Ebenen getrennt
  • Ebene 0 – Ver- und Entsorgung, Medienverteilung
  • Ebene 1 – Eingangsebene, gehfähige Patienten, Besucher, öffentliche Nutzungen
  • Ebene 2 – Wirkverbund Ambulanzzentren, Funktionsdiagnostik, Endoskopie, Tagesklinik
  • auch Ebene 2 – Wirkverbund Zentral-OP, Amb. OP, Tagesklinik, Anästhesie
  • Ebene 3-5 – liegendkranke Patienten
Direkt am Haupteingang bzw. in der Magistrale werden die unterschiedlichen Verkehrsströme getrennt – alle Ambulanzzentren (AAZ 1-6), die NFA, sämtliche Bettenstationen (Normalpflege und Intensivpflege) werden direkt ohne Durchgangsverkehr aus der Magistrale erschlossen.
Eine neutrale Querverbindung durch Haus I, Ebene 1 verbindet die dezentralen Nutzungen in den Häusern D, E, F, und G mit dem Haupteingang – dadurch wird die Radiologie in Haus A/C vom Durchgangsverkehr befreit.

Funktionskonzept
Neustrukturierung bzw. Optimierung der Betriebs- und Funktionsabläufe durch
Bündelung der medizinischen Notfallstrukturen im 1. BA – Neubau Bischofsstraße
Neubau und Bündelung aller notfallrelevanten Funktionseinheiten im optimalen Wirkverbund (NFA incl. Radiologie, AAZ 4, Unfallchirurgie, Intensivpflege, Zentral-OP, Hubschrauberlandedeck) mit modernen Funktionszuordnungen und optimalen Erschließungsstrukturen

Etablierung bzw. Neustrukturierung der Ambulanzzentren nach neuem Funktionskonzept
Die Ambulanzzentren 1, 2, 3 und 5 werden im Gebäudebestand im Haus A/C neu etabliert und direkt an die Magistrale angebunden. Die Arztdienste sowie die zugehörigen Funktionsdiagnostiken werden den Ambulanzzentren direkt zugeordnet. Das AAZ 6 – Augenheilkunde wird im Haus K1 angesiedelt.

Etablierung der Ebene 2 als medizinischer Zentralbereich
Wie bereits beschrieben, werden hier die medizinischen Zentralnutzungen in engen Verbindungen organisiert:
  • Wirkverbund Ambulanzzentren, Funktionsdiagnostik, Endoskopie, Tagesklinik
  • Wirkverbund Zentral-OP, Amb. OP, Tagesklinik, Anästhesie
Neubau bzw. Bündelung der Pflegebereiche
Die Pflegebereiche werden in den Häusern M und K sowie Neubau Bischofsstraße gebündelt und direkt an die Magistrale angebunden
Für die Normalpflege werden einheitliche Pflegestrukturen mit Großstationen mit jeweils 68 Betten im Neubau Bischofsstraße sowie in Haus M gebildet
Die Intensivpflege wird auf Ebene 3 in den Häusern Neubau Bischofsstraße sowie K angeordnet
  • 1.BA Neubau Bischofsstraße: 17 IMC-Betten, 26 Intensivbetten
  • K3: 20 IMC-Betten
Dienende Funktionsbereiche
Dienende Funktionsbereiche wie Krankenhausmanagement, Seelsorge und Sozialdienst etc. werden in der Peripherie in für medizinische Funktionen schlechter nutzbaren Strukturen zusammengezogen (Häuser D, E, F etc.)

Haustechnisches Konzept
Die wesentlichen Effizienzkriterien für das Haustechnische Konzept sind:
  • Hochwärmegedämmte, luftdichte Gebäudehülle mit optimiertem Öffnungsanteil
  • Nutzen von Speichermassen für Wärme und Feuchte
  • Reduzierung des Kühlbedarfs z.B. durch energetisch optimierte Medizin- und Anlagentechnik
  • Bauteilaktivierung in den Bereichen ohne Abhangdecke
  • Hocheffiziente Wärme- und Kälterückgewinnung und Nutzung adiabatischer Kühlung
  • Sicherung des hygienisch notwendigen Mindestluftwechsels
Die Wärmeversorgung wird über das vorhandene Kesselhaus abgedeckt.
Die Kälteerzeugung über kann über Geothermie + Wärmepumpentechnik erfolgen. Spitzenlasterzeuger zur Abdeckung des Wärme- und Kältebedarfs.
Die Lüftungszentrale für den 1.BA ist im 6.Obergeschoss unterhalb des Hubschrauberlandedecks angeordnet. Kanalstrecken zu den Geschossen sind kurz und ermöglichen einen wirtschaftlichen Betrieb.
Die Außenluft wird in einem zentralen Wärme- und Kälterückgewinnungsgerät (Hochleistungs- Kreislaufverbundsystem mit adiabater Kühlung) durch die Abluft erwärmt oder gekühlt. Die Kühlung der Außenluft im Sommer erfolgt durch die Adiabate Befeuchtung der Abluft.
Die nachgeschalteten Zonenlüftungsgeräte be- und entlüften Raumgruppen und Abteilungen mit denselben Anforderungen an die Raumkonditionen. Geplant ist es z.B., die Intensivstationen und die IMC-Station über ein Zonengerät zu versorgen. In den Zonengeräten wird die Luft entsprechend den Anforderungen weiter behandelt.
Die Stromversorgung des neuen Bauabschnittes wird aus dem Netz des Energieversorgers über eine eigene Mittelspannungszentrale erfolgen. Die Zentrale wird im Untergeschoss des Gebäudes installiert. Bei Netzausfall wird das Krankenhaus über eine Netzersatzanlage gem. Konzept MHO versorgt. Nach Bedarf oder Forderung MHO wird eine ZSV (BSV)-Anlage für die Versorgung bestimmter Bereiche und Anlagen vorgesehen. Zusätzlich für die Versorgung von OP-Leuchten wird eine batteriegestützte ZSV-Anlage vorgesehen.
Zur Versorgung der einzelnen Geschosse und Bereiche werden Unterverteiler installiert. Die Versorgung der Unterverteiler erfolgt direkt von der Niederspannungs-Hauptverteilung über vertikale Kabeltrassen.
Zur Versorgung der Räume der Anwendungsgruppe 2 (OP-Räume, Aufwachraum und dergleichen) werden spezielle IT-Netz-Verteiler mit Trenntransformatoren und Umschalteinrichtung installiert.
Für den Schutz des Krankenhauses im Brandfall wird eine flächendeckende Brandmeldeanlage mit direkter Aufschaltung zur Feuerwehr vorgesehen. Zusätzlich kann notwendig sein, eine ELA-Alarmanlage und eine BOS-Funkanlage zu installieren.