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Charles de Picciotto Architekt BDA

Ferienhaus Ulsnis, Schleswig-Holstein

Foto: Klaus Frahm
Foto: Klaus Frahm
Ort
Ulsnis
Gebäudekategorie
Hotels, Jugendherbergen, Ferienhäuser
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2018
Material Fassade
Putz
Schon im Rahmen der ersten Ortsbesichtigung des gerade erworbenen 2,5 Hektar großen Wassergrundstücks mit der Eigentümerin, wurde die komplexe Lage des Bauplatzes offenbar. Die Lage des Grundstücks an der Schlei prädestinierte in der Theorie eine Hauptfassade zur Förde und eine rückwärtige Nebenfassade auf das ansteigende Weideland des sich weit in den Nordwesten erstreckenden Grundstücks. Eine Begehung des Dachbodens der zu diesem Zeitpunkt noch stehenden alten Scheune offenbarte jedoch, dass aus dem zukünftigen Obergeschoss auch das Gunnebyer Noor (Nebenarm der Schlei) im Nordwesten als Panorama zu sehen ist.

Im Gegensatz zu einem Wassergrundstück am Meer mit frontal vor dem Betrachter liegendem Panorama, wurde zudem deutlich, dass der Blick aus dem Haus am Fluss spannender in Flussrichtung ist, als nur „über“ den Fluss auf die gegenüberliegende Uferseite. Auf Grund dieser Herausforderungen wurde der Entwurf des Hauses angefertigt, und die Bewegung in die Dachgauben des Obergeschosses initiiert. Mit den Bauherren waren schon einige andere Bauvorhaben gemeinsam entstanden, die Zusammenarbeit war erprobt und von gegenseitigen Respekt und Vertrauen geprägt. Das Entwurfskonzept sah vor, dass das Gebäude – bis auf die Gründung und Sohlplatte – soweit wie möglich aus nachwachsenden Ressourcen in der Kulturlandschaft der Schlei entstehen sollte, es sollte sich über die Jahre eine natürliche Patina durch den Alterungsprozess entwickeln, die eine Einheit zwischen Natur und Baukultur entstehen lassen würde.

Aus diesem Wunsch wurde die Konstruktion in Holzbauweise gewählt, massive vorgefertigte Holzwände, Holzbalkendecken, Dämmung aus Holzfasern und Zelluloseflocken, sowie eine sägerauhe unbehandelte Fassadenverschalung für Wand- und Dachflächen. Auch die Fenster wurden unbehandelt erstellt, so dass auch diese Bauteile in Würde altern können.

Im Innenraum wurde nach gleichem Konzept verfahren, alle Oberflächen der Wände und Decken verblieben als unbehandelte Holzflächen, sowie sämtliche Einbaumöbel, Küchenschränke, Regale, Treppen und Türen. Das Holzhaus hat es nicht einfach sich gegen die Witterung an der Schlei zu behaupten, stemmt sich jedoch seit der Fertigstellung tapfer gegen den starken Seewind, der die Regenmassen während der Herbststürme meist unerbittlich horizontal gegen die Fassaden- und Fensterflächen trommelt. Nach der ersten Orkanperiode konnte festgestellt werden, an welchen Bauteilen die DIN Vorschriften den aufgekommenen Wind- und Orkanstärken nicht genügen, so dass entsprechende Ertüchtigungen vorgenommen werden konnten. Gemeinsames Ziel der Architekten und Bauherren war es, ein Bauwerk zu kreieren, das über seine Lebenszeit immer stärker mit dem Ort verschmilzt, um schließlich als eine Skulptur aus Schwemmholz – sozusagen aus der Schlei geboren – zeitlos ans Ufer geschwemmt erscheint, und als ein Teil dieser wunderschönen rauen Typologie verstanden wird.

Hamburg, den 10.03.2018