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CIP Generalplaner

Motorworld Köln

Die Motorworld Köln im historischen Flughafengelände Butzweilerhof
HG Esch
HG Esch
Ort
Köln
Gebäudekategorie
Ausstellung, Installation
Bauvorhaben
Sanierung
Jahr der Fertigstellung
2019
Material Fassade
Putz
Am Butzweilerhof in Köln drehte sich fast ein Jahrhundert lang alles um die zivile oder militärische Luftfahrt. Durch die Motorworld Group, der bekannte Investor und Projektentwickler für automobile Erlebniszentren mit integrierten V8 Hotels, erfährt der Butzweilerhof seit einem Jahr eine Umnutzung. Nach der denkmalgerechten Umbau- und Erweiterungsmaßnahme durch CIP Architekten steht in dem Architektur-Ensemble aus den 1940er Jahren und dem Hotel-Neubau das Automobil im Fokus.

In den Jahren 1911/12 auf dem Bauernhof Butzweiler zunächst als Fliegerstation angelegt, wo schon der Offizier und Jagdflieger Manfred Freiherr von Richthofen alias „Roter Baron“ 1915 seine Fliegerkarriere begann, entwickelte sich der erste zivile Kölner Flughafen schnell zum „Luftkreuz des Westens“. Bereits in den 1920er und 1930er Jahren stand die Bedeutung des Butzweilerhof als Luftverkehrsknotenpunkt Deutschlands an zweiter Stelle hinter Berlin-Tempelhof. Die berühmten Zeppeline der Friedrichshafener Luftschiffbau Zeppelin GmbH und auch die ersten Linienflugzeuge, die Berlin, Köln und Paris verbanden, hatten dort ihren Start- und Landeplatz. Nach Gründung der Deutschen Lufthansa 1926 nahm die rasante Entwicklung des Flughafens ihren Lauf.

Zur Schaffung höheren Komforts für den zivilen Luftverkehr bauten verschiedene Architekten 1935/36 ein Gebäude-Ensemble, das aus einem langgestreckten zweigeschossigen Hauptgebäude mit Empfangs- und Abfertigungshalle, einem eingeschossigen U-förmigen Betriebshof, zwei nahezu baugleichen Hangars mit Flächen von 34,8 mal 68,4 Metern und kleineren Nebengebäuden besteht. Die beiden als Ziegelbauten errichteten Hangars, deren Hallen mit Stahlfachwerkkonstruktionen überspannt sind, stehen in einem 90°-Winkel zueinander. Angegliedert an den an der Nordwestachse des Ensembles verorteten Hangar erhebt sich ein fünfgeschossiger Tower mit Glaskanzel im Dachgeschoss. Zusammen mit dem Rollfeld mit seiner 20 cm starken, nach dem Vorbild der Reichsautobahnen konstruierten Betondecke umfasst die Flughafenanlage 30.000 Quadratmeter Fläche.

Denkmalgeschützte Bestandsbauten zu erlebbarem Gebäudekontinuum zusammengefasst

Mit einer denkmalgerechten Umbau- und Erweiterungsmaßnahme erfuhr das jahrelang leerstehende, seit 1988 denkmalgeschützte Ensemble nun eine Umnutzung. Nach der Vorgabe der Motorworld fassten CIP Architekten die Bestandsbauen zu einem erlebbaren Gebäudekontinuum zusammen, das ein von der Motorworld betriebenes autoaffines Dienstleistungs-, Event- und Erlebniszentrum rund um das Automobil aufnimmt. Ein auf die Mauern des ehemaligen Betriebshofs aufgesetzter Neubau mit Atrium ergänzt die Motorworld Köln zudem um ein Hotel mit Themenzimmern, in denen sich selbstverständlich ebenfalls alles um das Automobil dreht.

Durch moderne eingeschossige Bauteile mit unter raumgreifenden schwarzen Stahldächern zurückgesetzten Glasfassaden ergänzen die Architekten die dominante strenge Architektur der klassischen Moderne und geben den vier verschiedenen Gebäuden nun einen Zusammenhalt. Die flachen monolithischen Dächer schieben sich unter die Regenrinnen der Bestandsbauten und unterstützen damit deren Primärfunktion und Mächtigkeit innerhalb der architektonischen Hierarchie. Die neuen Bauteile kontrastieren die einfachen weiß verputzten Baukörper und die Basaltelemente, mit welchen deren Sockel ausgebildet sind.

Filigrane Glasfassaden ersetzen die Stahltor-Fassaden der Hangars

Den Auftakt in die Motorworld bildet der die Gebäudeachse abschließende Hangar mit angegliedertem Tower, denn hier finden sich ein großes Oldtimer-Zentrum und die größte Ausstellung mit Original-Exponaten von Michael Schumacher. Die stählernen Schiebetore sind nach dem Krieg durch Rolltore ersetzt worden. Da sie somit nicht Bestandteil des Originalzustands des Gebäudes waren, konnten sie bei der Umbaumaßnahme in Abstimmung mit dem Denkmalamt entfernt werden. Die Architekten ersetzen die Fassade durch eine filigrane Glasfassade, deren Gliederung nach dem Vorbild der Fassadenteilung durch die nicht mehr vorhandenen originalen Tore erfolgte. An der neuen Fassade nimmt der Baukörper nun auf drei Etagen gläserne Einstellboxen auf, in denen wertvolle Sammlerfahrzeuge aufbewahrt und ausgestellt werden können. Eine neu errichtete zweite Ebene, die an drei Seiten als Galerie ausgebildet wurde und sich von der rückwärtigen Fassade zentral in den Hangar schiebt, schafft Raum für die Ausbildung gläserner Werkstätten im Erdgeschoss. Die Galerie selbst ist Ausstellungsort für die Michael Schumacher Private Collection, die auf knapp 1.000 Quadratmetern dessen Original-Rennfahrzeuge, Pokale und Motorsport-Accessoires zeigt.

Der um 90° versetzt stehende Hangar wurde in vergleichbarer Intervention ebenfalls mit einer filigranen Glasfassade versehen. Hier waren die originären Stahlschiebetore, mit denen sich der Hangar komplett zu einer lichten Weite von 57,5 Metern hatte öffnen lassen, noch vorhanden.
Dazu waren die Tore in die dafür vorgesehenen Parktaschen an den Gebäudeseiten verschoben worden. Diese Vorrichtung machten sich CIP Architekten beim Umbau der Gebäudestirn zunutze, indem sie den Toren Permanent-Parkplätze zuwiesen. Damit konnte ein wesentliches Element der Gebäudetypologie erhalten werden.

Dieser zweite Hangar, dessen Innenraum beim Umbau mit all seiner Patina der letzten 80 Jahre, mit seinen Backsteinwänden und dem Stahltragwerk komplett im Originalzustand erhalten blieb, wird als Eventfläche für eine Maximalbelegung mit 4.000 Personen genutzt. Hier hat die Moderne einzig in Form modernster Technik Einzug gehalten. Durch die Bestandswände geschobene, abschließend mit Glasscheiben versehene stählerne Kuben trennen im ersten Obergeschoss einen Vip-Bereich von der Halle ab und schaffen gleichzeitig Transparenz.

Der denkmalgeschützte Butzweilerhof mit angrenzendem städtischen Park stellt heute das Zentrum eines städtebaulich neu erschlossenen Gebiets mit Reihenhäusern und Geschosswohnungsbau sowie Gewerbeeinheiten dar. Mit dem Umbau in die Motorworld ist es gelungen, eine 30 Jahre lang ungenutzte historische Gebäudeanlage inmitten einer neuen Wohnlandschaft zu revitalisieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Petra Lasar