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CROSS Architecture

Amtrium – Nachhaltiges Kongress- und Bürogebäude

Ort
Amsterdam
Gebäudekategorie
Büros, Banken
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2015
Material Fassade
Glas
Amsterdam

Das Amtrium ist die neueste Erweiterung des Messe- und Kongresszentrums Amsterdam RAI. In dem multifunktionalen Gebäude sind Büroräume, Kongresssäle und ein öffentlich zugängliches Restaurant untergebracht. Durch die Integration und Anwendung ökologischer Konzepte, wie etwa eine Klimazone mit Nutzpflanzen (Glashaus) an der Südfassade, ist das Amtrium das erste Kongressgebäude in den Niederlanden, das mit einem „BREEAM-NL Excellent“-Zertifikat ausgezeichnet wurde. Im Restaurant können demnächst Gerichte serviert werden, die mit den Gemüsen und Kräutern aus dem Glashaus zubereitet wurden.

Städtebauliches Konzept
Der Entwurf nimmt besondere Rücksicht auf den Anschluss des neuen Gebäudes an den bestehenden Komplex und stellt gleichzeitig eine Verbindung zum Scheldeplatz her. Durch die transparente Sockelzone schafft das Amtrium eine neue Wechselwirkung zwischen dem RAI-Komplex und dem daran angrenzenden Wohnviertel. Die Aufnahme eines hochwertigen öffentlichen Restaurants erhöht außerdem den Unterhaltungswert des Viertels und erweitert es um eine kulinarische Attraktion.
Das Amtrium besteht im Prinzip aus zwei verschiedenen Volumen: einer öffentlichen Sockelzone, die an den horizontal gegliederten Erdgeschossbereich des Europakomplexes anschließt, und dem darüber liegenden Bereich mit Bürogeschossen. Die Volumen werden durch das etwas zurückspringende 1. Obergeschoss deutlich voneinander getrennt. In diesem ersten Obergeschoss sind zusätzliche Räume für die Besucher und das Betriebsrestaurant untergebracht. Die Gliederung der Volumen wird verstärkt durch die unterschiedliche Formensprache der Betonrahmen im Sockelbereich und der schräg gestellten Fassadenelemente, die vor der Glasfassade der Bürogeschosse hängen. Diese Anordnung sorgt dafür, dass der charakteristische Europakomplex, bestehend aus der monumentalen Europahalle und zwei niedrigeren Flügeln, intakt bleibt.

Einteilung
Der Entwurf des Amtriums sorgt für eine Organisation der verschiedenen Funktionen innerhalb eines äußerst kompakten Volumens. Die Bündelung der Funktionen für Mitarbeiter und Besucher bietet viele Vorteile, wie eine Verdichtung des RAI-Komplexes, eine effiziente Logistik und eine zweifache Nutzung der Gebäudeinstallationen und Einrichtungen. Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Kongresssaal, der in zwei kleinere Räume unterteilt werden kann. Der Saal ist umgeben von einem geräumigen Foyer mit einem Eingang zum Vorplatz des RAI-Komplexes und einer direkten Verbindung zur Nordosthalle. Um den Besuchern im Erdgeschoss ein großzügiges Raumgefühl zu vermitteln, wurden Nebenfunktionen wie Technik, Garderobe und Sanitärgruppen im Keller untergebracht. In der Mitte des Foyers ist ein spektakulärer, 12 Meter hoher Luftraum ausgebildet, durch den die Rolltreppen die Besucher in das erste Obergeschoss bringen. Aus dem Atrium fällt Licht auf die Rolltreppen und die Wand des großen Saals, was die Sichtbarkeit erhöht und die Orientierung für die Besucher erleichtert.
Die Bürogeschosse sind 30 Meter tief. Dies ist ein Maß, das hervorragend für die Verwirklichung aller gebräuchlichen Bürokonzepte geeignet ist. Dieses Maß hält auch in Zukunft die Möglichkeit einer Nutzungsänderung offen, z. B. als Versammlungs- und Kongresszentrum. Über das Atrium in der Mitte des Gebäudes fällt Licht bis tief in die Bürogeschosse. So entstehen helle, großzügige Geschossflächen, die sowohl in traditionelle Büroräume eingeteilt als auch nach dem Prinzip des „neuen Arbeitens“ als offene Bürolandschaften gestaltet werden können.
An der Nordseite des Gebäudes wurde die untere Gebäudezone durchgezogen und diese Erweiterung dient als öffentlich zugängliches Restaurant direkt am Scheldeplatz. Das Restaurant besitzt im Obergeschoss eine Dachterrasse mit gutem Ausblick auf das rege Treiben am Scheldeplatz. Neben dem Betriebsrestaurant im ersten Bürogeschoss wurde auf dem Dach des öffentlichen Restaurants eine großzügige Dachterrasse angelegt. So konnte auch für die Mitarbeiter der RAI ein Aufenthaltsbereich im Freien realisiert werden. Diese zwei verschiedenen hoch gelegenen Terrassen sorgen für ein lebendiges Fassadenbild, das auch die Ausstrahlung des Scheldeplatzes positiv beeinflusst.

BREEAM-NL Excellent
Bei der Entwicklung des kompakten Gebäudes kamen sehr nachhaltige Technologien zur Anwendung. In der Klimazone mit Nutzpflanzen (Glashaus) wird die Frischluft durch die Sonne vorgewärmt, während die Abluft aus den Kongressräumen abgeführt wird. Regenwasser wird gesammelt und für die Bewässerung der Pflanzen verwendet. Alle Lifte, Installationen und Nottreppenhäuser sind in die Klimazone integriert. Das Atrium sorgt für die Entlüftung der Büros und ist mit der Klimazone in einem nachhaltigen Klimakonzept verbunden. Dabei werden Restwärmesysteme in Kombination mit einem Wärmespeicher und einer Kraft-Wärme-Kopplung genutzt. Im Sommer wird die überschüssige Wärme gespeichert und im Winter die Kälte. Restwärme wird in Elektrizität umgesetzt. Alle technischen Installationen sind äußerst energiesparend und nutzen so weit wie möglich nachhaltige Energiequellen.
Die Ausrichtung des Gebäudes, die Geometrie der Fassaden und das Atrium in der Mitte der Bürogeschosse sorgen dafür, dass so weit wie möglich Tageslicht als Beleuchtung eingesetzt werden kann. Das Atrium und andere wichtige vertikale Öffnungen (das Glashaus und ein Luftraum im Foyer) sorgen für eine räumlich großzügige Erfahrung, die zur gewünschten Ausstrahlung der Amsterdam RAI passt. Amtrium RAI hat bereits das „BREEAM-NL Excellent“-Entwurfszertifikat erhalten, ein Gütesiegel für die Nachhaltigkeit von Gebäuden, das vom niederländischen Green Building Council (DGBC) vergeben wird.

BGF 8.625 m²
Entwurfsverfasser Benthem Crouwel Architects