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E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten

Diakonie Bethanien

Photo Pablo Casals Aguirre
Photo Pablo Casals Aguirre
Ort
Zürich
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2016
Material Fassade
Beton
Ein Haus für die Stadt

Seit über hundert Jahren leistet die Diakonie Bethanien in Zürich soziale Dienste um Pflege und Betreuung Kranker und sozial Schwächerer. Der ursprünglich von einer Schwesternschaft gegründete Verein lässt den heute historischen Sitz am Zürichberg zurück und bricht zu neuen Ufern nach Altstetten auf. Mit der Verlagerung ihrer Aktivitäten in den grössten Zürcher Stadtkreis, der gegenwärtig ähnlich wie Oerlikon einen grund-legenden stadträumlichen Wandel durchläuft, möchte die Diakonie ihrer Satzung für soziale Leistungen an einer breiten Bevölkerung näherkommen und ihr Wirkungsfeld deutlich vergrössern.

Der Kontrast des neuen Ortes könnte nicht grösser sein. Leicht verborgen, in einem rückwertigen, dreiseitig umbauten Hof ragt eine schmale, rund vierzig Meter hohe Hochhausscheibe empor. Der industrielle, robuste und unmittelbare gewerbliche Charakter dominiert das Gegenüber und wird vereinzelt mit Dienstleistungs- und Wohnbauten durchsetzt. Während die Stadt in ihren zahlreichen Studien und neu entstehenden Über-bauungen mit gegenwärtig mehr als 2000 Wohnungen nach einer homogenisierten Stadtgestalt sucht und sich so zahlreiche Projekte als kleine Mikrokosmen mit insulär gestalteter Wirkung entwickeln, wirkt der kontrastreiche Ort fast befreiend, grossstädtisch und noch nicht restlos gesäubert.

Das neue Haus beherbergt eine Vielzahl von unterschiedlichen Nutzungen. Neben einer Palliativstation mit 32 Zimmern, entstehen Arztpraxen, Räumlichkeiten für Physiotherapie, Kinderkrippen, Verwaltungsflächen mit einem Mitarbeiterrestaurant und ein Hotel mit rund 90 Zimmern. Im Erdgeschoss befinden sich ein Publikumsrestaurant, ein Kongresszentrum und die Rezeption des Hauses.

Mit einem exzentrischen und linear angeordneten Kern wird das Gebäude stützenfrei mit tragender Fassade konzipiert. Kern und Aussenfassade bilden dabei ein primäres und robustes Raumsystem, das den teilweise spezifischen aber auch unvorhersehbaren Nutzungen eines „mixed use“ Gebäudes eine möglichst grosse Freiheit zugesteht. Ziel ist die Solidität des Hauses als Ausgangslage der später folgenden Ausbauten zu nutzen und sich damit von einer architektonischen Abhängigkeit des Ausbaus zu befreien. Die Konzentration auf die Betonarbeiten bildet dabei die Idee, diese als ausbaufertig zu konzipieren. Während die Kerne und Decken in Ortbeton erstellt wurden, hat man bei der Aussenfassade die innere Schale mit tragenden und vorgefertigten Elementen erstellt. Die äussere Schale wurde mit einer kreuzförmigen Stahlschalung und in selbstverdichtendem (SCC) Beton zeitlich etwas versetzt nachgezogen. Die inneren Elemente wurden typologische differenziert und ermöglichen in den Hotel- und Palliativgeschossen eine brüstungslose Aussicht aus der Höhe. In den übrigen Geschossen werden Elemente mit Brüstung und Sturz eingesetzt.

Die Fassade folgt einem ruhigen und gleichmässigen Raster und ermöglicht so, die Nutzungsdiversität kommender Ausbauten zu unterstützen. Das dabei entstehende Bild eines entspannten und sich eher zurücknehmenden Hauses ist für die städtebaulich verborgene Situation angemessen. Der Regelmässigkeit der Rasterfassade stehen 500 aussenliegende Schiebefenster entgegen, welche im geöffneten Zustand die Ordnung für sich „individualisieren“. Die in Rohaluminium gefertigten Rahmen werden mit Luftdruck gedichtet und ermöglichen es so, trotz der heutzutage hohen minergetischen Anforderungen an Dichtigkeit, ein Hochhaus mit Schiebefenstern natürlich zu lüften.

Bei den bisher gemachten Ausbauten wurden die Sichtbetonelemente mit einer einfachen Materialkombination aus Holzwerkstoffen, Textilien, Zementplatten und Leichtbauwänden in Lehmputz begegnet. Die Sichtbetonoberflächen kontextualisieren dabei kontinuierlich die übergeordnete Massivität des Hauses, während die Materialien des Ausbaus auf die Bedürfnisse von Beherbergung, Pflege, Betreuung, Verwaltung und Gastronomie reagieren.

Projektinformationen:
Nutzung: Hochhaus mit Hotel, Konferenz, Restaurants, Büros, Palliativstation,
KiTa und Ärztezentrum
Standort: Zürich
Bauherr: Diakonie Bethanien
Bauherrenvertretung: Blumergaignat AG, Küsnacht
Architekt: E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten ETH BSA SIA AG
Projektteam: Piet Eckert, Wim Eckert mit Mirko Akermann und Tânia Roque, Moisés García Alvarez, Anna Otz, Tobias Weise, Andrea Brandén, Dustin L. Bush, Behzad Farahmand, Kamil Hajji, Susana Loureiro, Valentino Sandri, Rafal Wójcik, Sven Löfvenberg.
Bauleitung/Baumanagement: Caretta+Weidmann AG, Zürich
Landschaft: Neuland ArchitekturLandschaft GmbH, Zürich
Bauingenieur: Urech Bärtschi Maurer AG, Zürich
Fassadenplaner: Feroplan Engineering AG, Zürich
HLK-Planer: Todt Gmür + Partner AG, Schlieren
Sanitärplanung: Neukom Engineering AG, Adliswil
Elektroplaner: R+B Engineering AG, Zürich
Bauphysik: Raumanzug GmbH, Zürich
Brandschutz: AFC Air Flow Consulting AG, Zürich
Gstroplanung: Axet GmbH, Embrach

Chronologie:
Wettbewerb: Direktauftrag
Planungszeit: 2011-2016
Bauzeit: 2013-2016

Kennwerte:
BGF nach SIA 416: 18'273 m2
BGV nach SIA 416: 61'778 m3
HNF: 9'489 m2
NF: 12'059 m2
Ökologiestandard: Minergie