Zurück zum Profil
Franz&Sue

Justizgebäude Salzburg gewinnt Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit 2019

© klimaaktiv / Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus/APA-Fotoservice/Schedl
© klimaaktiv / Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus/APA-Fotoservice/Schedl
News
05.10.2019
Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit 2019
Am Montag, den 30. September wurde im Wiener Odeon Theater zum 6. Mal der Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit an anspruchsvolle Architekturprojekte mit ressourcenschonender Bauweise verliehen. Das Wiener Architekturbüro Franz&Sue erhielt die renommierte Auszeichnung für den Umbau und die Sanierung des Justizgebäudes Salzburg.

„Das Justizgebäude ist für uns ein Herzensprojekt, mit dem wir uns sechs Jahre lang intensiv auseinandergesetzt haben. Unsere zentrale Maßnahme, den hundert Jahre alten, labyrinthartigen Gebäudekomplex am Rande der Salzburger Altstadt zu öffnen, ist eine wesentliche städtebauliche Geste. Der nun freigelegte Innenhof ist erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich, ein verglaster Neubau ermöglicht die selbstbestimmte Orientierung. Wir haben ein niederschwelliges, bürgernahes Haus realisiert, das dem Justizsystem einer modernen Demokratie entspricht.“, so Franz&Sue Partner Christian Ambos.

Das anspruchsvolle Projekt, das die Architekten 2012 bei einem von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) ausgeschriebenen, EU-weiten Wettbewerb für sich entscheiden konnten, wurde 2018 nach 6 Jahren Planung und Bauzeit fertiggestellt.

„Wir als BIG verstehen Nachhaltigkeit ganzheitlich. Wir haben uns entschlossen, die über 100 Jahre im Haus befindlichen Gefangenenbereiche zu verlegen, und das Landesgericht, immerhin das zweitgrößte Österreichs, bürgernahe inmitten der Stadt zu belassen. Seit der Erbauung 1908 war der denkmalgeschützte Häuserblock ein kafkaesker Koloss, nun öffnet er sich erstmals und wird für die Salzburger zum Teil ihrer Stadt.“, freut sich BIG Geschäftsführer Wolfgang Gleissner über die gelungene Metamorphose.

Das Herzstück des neuen Justizgebäudes ist ein Y-förmiger, transparenter Neubau, der eine Brücke zwischen den beiden Längsseiten des Bestands spannt und das Zirkulieren im gesamten Gebäude ermöglicht. Eine der größten Herausforderungen für die Architekten war es, den denkmalgeschützten Bestand ins 21. Jahrhundert zu überführen und dabei ein zeitgemäßes Ganzes zu erreichen.

„Nachhaltigkeit bedeutet für uns, Gutes weiter zu nutzen, wenig Überzeugendes zu schärfen und wo erforderlich mit Neuem zu ergänzen. Alle zeitgemäßen technischen Aufrüstungen haben wir unspektakulär und robust integriert.“, fasst Franz&Sue Architekt Norbert Peller zusammen.

„Noch viel mehr als die Transparenzsymbolik der Glasfassaden ist es dieses architekturgewordene Verständnis von Gericht als öffentlichem Raum, das den Justizpalast aus der Monarchie in der Demokratie und Gegenwart ankommen lässt. Das auch für Besucherinnen und Besucher zugängliche Dachcafé mit Blick auf die Festung ist da nur noch das Schlagobershäubchen obendrauf.“, argumentiert Roland Gnaiger die Entscheidung der Jury.

„Franz&Sue arbeiten im Team, auf Augenhöhe. Dabei zählt die beste Idee. Je komplexer das Thema, desto simpler muss für uns die Lösung sein.“, sagt das Architekturbüro zu ihrer Erfolgsstrategie. Derzeit arbeitet das 50-köpfige Team an sechs Bildungseinrichtungen, acht Wohnbauprojekten und sieben öffentlichen Bauten.

Im Herbst 2019 erscheint „Öffentlichkeit erwünscht“, das Buch zum Umbau und der Erweiterung des Justizgebäudes Salzburg, bei Park Books. Die Buchpräsentation mit Podiumsdiskussion findet am 4. November im Wiener Architekturzentrum statt.