Zurück zum Profil
Franz&Sue

Preisträger: Neubau Verwaltungsgebäude für ESM und Luxemburger Staat

2. Preis, ARGE mit mit Dietrich | Untertrifaller und architecture + aménagement
News
05.05.2022
Wettbewerb
2. Preis
Das Kirchberg-Plateau in der Stadt Luxemburg ist Heimat für viele wichtige EU-Institutionen, wie etwa den Europäischen Gerichtshof, den Rechnungshof oder die Investitionsbank. In diesem dicht bebauten Gebiet, in dem sich ein Hochhaus an das nächste architektonische Wahrzeichen reiht, herrscht eine wilde, heterogene Atmosphäre. Mit unserem Entwurf brechen wir diese Struktur auf, errichten kein weiteres architektonisches Fragment, sondern erzeugen eine Ensemblewirkung und machen das Viertel für die BesucherInnen erlebbar.

In dem zerfransten Gebiet bilden fünf quadratische Volumen – unterschiedlich dimensioniert und hoch – unser Ensemble. Das höchste der fünf Gebäude, das Verwaltungsgebäude für den Europäischen Stabilitätsmechanismus, soll zu den bestehenden Hochhäusern rundum nicht in Konkurrenz treten, sondern vielmehr Ruhe und Luftigkeit ins Quartier bringen. Die vier weiteren Gebäude für den Luxemburger Staat nehmen die städtebaulichen Kanten auf, hier wird es dichter und lebendiger. Durch die Positionierung der fünf Bauwerke entsteht eine diagonale Achse, ein Weg durchs Quartier, welcher der Topografie des Grundstücks folgt und zu drei Plätzen führt: einen städtischen Park, einen zentralen, lebendigen Platz und einen begrünten Bereich als Puffer zum nördlichen Hochhaus. So ermöglichen wir eine Durchwegung des steigenden Geländes ohne harte Sprünge mit vielen Möglichkeiten zum Verweilen und einem lebendigen Erdgeschoß.

Aufgabe des Europäischen Stabilitätsmechanismus ist es, den Mitgliedsstaaten Hilfen zu ermöglichen, wenn diese Finanzierungsprobleme aufweisen. Er ist der dauerhafte Euro-Rettungsschirm. Dieses Bild von Stabilität und Gleichgewicht ist der Kern unseres Konzeptes für das ESM-Verwaltungsgebäude. Die oberen Bürogeschoße des Kubus sind statisch abgehängt und ermöglichen eine komplett transparente Konferenzebene im ersten Obergeschoß als Ausdruck der Öffentlichkeit dieser Institution. So scheint es, als würde der obere Bereich des Gebäudes schweben. Zusätzlich können die freien Ecken im Erdgeschoß die notwendigen, komplexen Sicherheitsvorgaben ohne zusätzliche Zaunanlage erfüllen. Sie beherbergen das Eingangsgebäude und garantieren einen vorgegebenen Sicherheitsperimeter. Im Inneren eröffnet sich eine helle Arbeitswelt mit Freiräumen, Kommunikationszonen und begrünten Höfen. Die Ministeriumsgebäude des Luxemburger Staates sind im ersten Obergeschoß durch Brücken miteinander verbunden, Freiraumterrassen sorgen für Austausch zwischen den MitarbeiterInnen und für Belichtung. Die Gebäude gruppieren sich um den zentralen Platz und dienen – anders als das private, gut geschützte ESM-Gebäude – auch der Öffentlichkeit. Die Menschen aus dem Quartier sind willkommen und finden in der belebten Erdgeschoßzone ein neues urbanes Zentrum.

Damit die fünf Gebäude trotz ihrer unterschiedlichen Funktionen und NutzerInnen auch als Ensemble wahrgenommen werden und augenscheinlich zusammenhalten, haben wir sie einheitlich als Holzbauten konzipiert. Auch die Fassade bewirkt Zusammengehörigkeitsgefühl – sie besteht aus horizontalen oder vertikalen Keramiklamellen und Fliesen in unterschiedlichen Ockertönen, wodurch sich die Gebäude voneinander unterscheiden und doch ähneln. Die Idee für diese Farbgebung kam uns durch einen Kirchturm im nahe gelegenen Frisingen, dessen Steinfassade so typisch für die historischen Gebäude in Luxemburg Stadt ist und nun auch im Neubauviertel ihren Platz finden soll.