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Franz&Sue

Zuhause auf Zeit

Ort
Gemeinde Hollabrunn
Jahr der Fertigstellung
2015
EU-weit offener Wettbewerb, 1. Preis

Soll eine schwierige Reise enden, braucht es zum Ankommen geschützte Räume der Geborgenheit. Jugendliche aus schwierigen familiären Verhältnissen ziehen hierher, wenn das Zuhause keines mehr ist: Ein Übergangs- und Schonraum, in dem man Wertschätzung und Sicherheit erfährt, aber auch einen Bereich, in dem man mit anderen lebt, sich in Ruhe persönlich und beruflich entwickeln kann.

„Den BewohnerInnen Raum für ihre unterschiedlichsten Stimmungen geben, den Wechsel aus Arbeit und Freizeit erleben.“

Die Vielfalt eines jungen Lebens unter einem Dach auf Zeit fassen: intime, semi-öffentliche und exponierte Momente, das war unsere selbst gestellte Herausforderung. Bis zu 60 – meist weibliche- Jugendliche aus Niederösterreich leben und arbeiten hier. Manche halten sich hier 24 Stunden lang auf, sogar an den Wochenenden. Wenn ein Bursche keine Übernachtungsmöglichkeit hat, darf auch er bleiben.

Neue Landschaft im Ahornhain
Dem gewachsenen Ensemble des Landesjugendheims mit Verwaltungsgebäude (1890), Schule, Kapelle (Sechziger Jahre) und Wirtschaftsgebäude, das den modernen Anforderungen gemäß von den Architekten adaptiert, neu gegliedert und vergrößert wurde, wurde ein mäandrierende – bis zu zwei Stock hoher – 93,30 Meter langer Baukörper zugefügt.

Er nimmt die abschüssige Topographie auf und gliedert die – bisher kaum beachtete – wunderschöne Grünfläche, in einen südlichen intimen Park mit alten Ahornbäumen und einen nördlichen Bereich mit den Wirtschafts- und Lehrgärten.

Geborgenheit in der Gemeinschaft
Die Wohn- und Arbeitsbereiche sind räumlich und organisatorisch klein strukturiert, gut überschaubar und haben eine persönliche, vertrauens- und beziehungsfördernde Atmosphäre. Die hellen Wohngruppen mit warmen Parkettboden und Ein- und Zweibettzimmern, eigener Küche, Wohnzimmer und Terrasse geben Rückzug und Halt, „ein angenehmer, überhaupt nicht selbstverständlicher Luxus“, so die BewohnerInnen.

„Uns war wichtig, dass die Jugendlichen die Möglichkeit haben, in ihr eigenes Haus zu gehen.“

Ruhe und Helligkeit
An den geschützten Innenhöfen liegen ebenerdig die Lehrwerkstätten, wie Küche, Wäscherei und Friseur, die von KundInnen aus der Ortschaft besucht werden. Ein großer Speisesaal für etwa 100 Personen, in dem Kaffee und Kuchen auch für Gäste angeboten wird, liegt stirnseitig, einladend öffnet er sich zum älteren Bestand.

Das satte Grün der Umgebung ist in alle Räumen durch die großen Fassadenfenster erlebbar, schafft Ruhe und Helligkeit: Ankommen und Zuhause sein – hier auf Zeit und im Leben draußen hoffentlich für immer.

Projektdetails
Auftragsart EU-weit offener, zweistufiger Wettbewerb
Auftragsumfang Gesamte Planung und ÖBA
Auszeichnung Goldene Kelle 2014, best architects 2016, Österreichischer Fassadenpreis 2015 – Anerkennung, Vorbildlicher Bau in Niederösterreich 2016, Niederösterreichischer Baupreis 2016 - Sonderpreis
Auftraggeber CLIVUS Grundstückvermietungsgesellschaft m.b.h.
Ort Hollabrunn, Niederösterreich
Planung 2010 - 2014
Realisierung 2012 - 2015
Status Realisiert
NGF 4.090 m²
BGF 5.100 m²
Baukosten 9,1 Mio. €
MitarbeiterInnen Corinna Toell (PL), Sonja Mitsch (PL), Wolfgang Fischer

Kooperation
Statik DI Wolfgang Engel
Bauphysik Schöberl & Pöll GmbH
Gebäudetechnik TK11 Gebäudetechnik e.U.
Brandschutzplanung stb Sicherheitstechnisches Büro GmbH
Fotografie Kurt Kuball, Lisa Rastl