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HOFRICHTER-RITTER Architekten

Der Urnenpark am Grazer Zentralfriedhof

Ort
Graz
Gebäudekategorie
Friedhöfe, Krematorien
Bauvorhaben
Neubau
Material Fassade
Beton
„Sich auf Augenhöhe begegnen oder aus der Vogelperspektive betrachten“ sind neben dem landschaftlichen Charakter die übergeordneten Grundgedanken des neuen Urnenparks am Zentralfriedhof, der westlich der zentralen baulichen Anlage (Kirche und Aufbahrungshalle) auf einer halbkreisförmigen Fläche errichtet wurde.

Wir geben hier ca. 1500 Menschen die letzte Ruhestätte. Die Verantwortung dafür einen geeigneten Rahmen  zu entwickeln ist groß.

Zählt man die Zahl der Hinterbliebenen dazu entsteht hier ein Ort an dem sich viele Menschen begegnen.

Friedhöfe sind auf Grund der wachsenden Städte von Anlagen außerhalb der Stadt zu Naherholungsgebieten in der Stadt geworden, zu Orten wo man Stille, Erholung und auch Kraft schöpfen kann.

Gemeinsam mit Herrn Propst Mag. Christian Leibnitz und seinem Team durften wir uns dieser Frage widmen. Wie kreieren wir einen pietätvollen Ort an dem sich so viele Menschen – mit ähnlicher Intention – begegnen? Und wie macht man diesen Ort neben einer stillen Einkehr auch zu einem Ort der Begegnung?

Der strukturelle Entwurfsansatz des Urnenparks wird erst in einer Perspektive sichtbar, die man als Besucher nicht einnehmen kann.

Das florale Strukturelement, das Dekorelementen der bestehenden Kirche entnommen ist, wird erst in einer Perspektive über dem Urnenpark sichtbar und gibt dem Ensemble neben seiner axialen Ausrichtung seinen kontextuellen Bezug. Eine übergeordnete Struktur ist spürbar, aber nicht sichtbar! Eine Ordnung, die wir aufs Erste nicht sehen, die aber da ist.

Durch die gewählten Formen der gekrümmten Sichtbetonelemente, deren organische Höhenentwicklung und ihre der Natur nachempfundene Anordnung werden zusammen mit den in ihrer Struktur abgestuften Wegen und unterstützt durch die fixe, in weiß und grün gehaltene Bepflanzung differenzierte räumliche Situationen geschaffen, die die notwendige Individualität für den einzelnen Urnenplatz erzeugt. Die farbliche Entwicklung der Abdeckungen für die Urnennischen aus Schmelzglas – jede Tafel ist Teil eines großen Farbverlaufes und daher einzig - unterstützt diese zusätzlich.

So können Angehörige für Ihre Verstorbenen nach Ihren Wünschen zwischen Orten innerhalb des Urnenparks mit mehr Belebung oder größerer Abgeschiedenheit wählen. Die Glastafeln haben einen fixen Platz – hier kann die konkrete Farbgestaltung der einzelnen Tafel und aus verschiedenen Formaten gewählt werden. Für den Grabschmuck, der für fünf zusammenfassbare Bereiche gemeinschaftlich realisiert wird, gibt es jeweils ein großes Beet, das jahreszeitlich wechselnd mit Blumen bepflanzt wird. Kerzen können den einzelnen Urnenplätzen zugeordnet in einem dafür vorbereiteten Kiesbett abgestellt werden.

Im Zentrum des Halbkreises anliegend an den Hauptweg bietet ein kleiner Platz des Gedenkens die Möglichkeit zu verweilen. Ein Glasobjekt, das das Kreuz als christliches Symbol enthält, ist als Fokus gemeint, in dem sich das Universum spiegelt.