Zurück zum Profil
KAWAHARA KRAUSE ARCHITECTS

EUROPAN 12

Offener Wettbewerb, Anerkennung

Mannheim | Rethinking the City Gateway

KAWAHARA KRAUSE ARCHITECTS
Inverse Boulevard

Mannheim ist eine Patchwork-Stadt, in der Gebiete mit unterschiedlichen Charakteristiken und Typologien nebeneinander angeordnet sind. Unserer Meinung nach liegt das Problem des Wettbewerbsgebiets nicht in den unterschiedlichen Charakteristiken der Gebiete nördlich und südlich der B38. Wir halten diese unterschiedlichen „Flicken“ (patches)  - die offensichtlich gut funktionieren - viel eher für charakteristisch für Mannheim und beabsichtigen daher nicht, sie einander anzugleichen, um sie so miteinander zu verbinden.
Das Problem des Wettbewerbsgebiets ist vielmehr die extreme Trennung durch die Autobahn-ähnliche Straße B38, die die Flicken voneinander trennt wie einen zerrissenen Stoff. Statt die Flicken zu trennen sollte die Straße ein verbindendes Element sein, das die Flicken zusammennäht.

Verringerung der Verkehrsgeschwindigkeit | Ein neuer Stadteingang
Die hohe Geschwindigkeit der Autos auf der B38 ist ein Hauptfaktor der Trennung der Gebiete nördlich und südlich der Straße. Die hohe Geschwindigkeit erlaubt kein Kreuzen oder Überqueren auf Straßenniveau, weder für Fußgänger noch Fahrradfahrer und nicht einmal für Autos. Die hohe Geschwindigkeit der Autos verhindert zudem, dass die Autofahrer den Stadteingang bemerken. Das Gebiet erscheint als namenloses Industriegebiet, durch das man nur hindurch fährt und das man im nächsten Moment schon wieder vergisst.
Unser Ziel ist, den Stadteingang weiter nach außen zu verlegen und ihm gleichzeitig eine starke Identität zu geben, die Mannheims Wirtschaftstärke in den Ingenieurs- und Technologiebereichen ebenso wie seine Lebens- und Wohnqualitäten widerspiegelt. Der Stadteingang soll ein neues Wahrzeichen werden, das den Ruf der Stadt fördert.
Die Verringerung der Verkehrsgeschwindigkeit macht den Stadteingang besser wahrnehmbar, reduziert den Lärm in den angrenzenden Gebieten und erlaubt ein Überqueren auf Straßenniveau.

Reduktion der überdimensionierten Straße | Trennung der Richtungen zugunsten einer reduzierten Grenzwirkung   2 x 3 ? 6
Ein anderer Grund der Trennwirkung ist die enorme Breite der Straße. Gebaut nur für den Komfort der Autofahrer, verstärkt die große Anzahl an Spuren die Grenzwirkung der Straße.
Durch eine Reduzierung der Spuren auf die wirklich notwendige Anzahl bei einer gleichzeitigen Trennung der Richtungen erhoffen wir uns das Kreuzen der Straße zu erleichtern und die Gebiete nördlich und südlich davon miteinander zu verbinden.

Anpassung der Gebäudestrukturen für den neuen Stadteingang | inverse boulevard
Um die B38 von einer Transitstraße in einen städtischen Boulevard zu verwandeln, der als „Ingenieursmeile“ zu einem neuen, repräsentativen Stadteingang werden soll, ist eine neue Gebäudestruktur notwendig.
Normalerweise ist ein Boulevard eine breite Straße in einem dichten, städtischen Gebiet, in dem mehrstöckige Gebäude eine klare Kante auf beiden Seiten der Straße definieren. Bäume entlang der Straße und ein Grünstreifen zwischen den Spuren (auch oft mit Bäumen) geben ihm einen großzügigen und repräsentativen Charakter.
Entlang der B38 sind keine Gebäudetypologien zu finden, die das Bild eines klassischen Boulevards erzeugen würden. Die Gebiete auf beiden Seiten der B38 sind durch eine verstreute, offene Gebäudestruktur mit einem hohen Grünanteil gekennzeichnet, der für eine hohe Lebensqualität sorgt.
Um die Eigenschaften der umgebenden Gebiete zu erhalten, aber gleichzeitig einen neuen, repräsentativen Stadteingang zu schaffen, schlagen wir einen umgekehrten Boulevard - inverse boulevard - vor. Anstatt eine klare Kante auf beiden Seiten der Straße zu schaffen, wird eine dichte, städtische Gebäudestruktur zwischen den Spuren eingefügt. Auf beiden Seiten behalten die offenen Strukturen und grünen Gebiete ihren Charakter und werden durch den inverse boulevard zusammengehalten.

Durchlässigkeit | Straßenquerung auf der gesamten Länge
Die neue Gebäudestruktur des inverse boulevard wird durch eine nach Norden und Süden durchlässige Anordnung charakterisiert, die zum Queren der Straße anregt und somit die beiden Seiten der Straße miteinander verbindet. Das Queren der B38 auf Straßenniveau wird durch die Trennung der Richtungsspuren erleichtert. Durch ein neues Signalsystem, das normale Ampeln ersetzt, können Fußgänger und Fahrradfahrer die Straße nun auf der gesamten Länge der „Inseln“ überqueren, die als Mitte des inverse boulevard geschaffen wurden.

Öffentliche Stadträume zwischen hybriden Gebäuden und neue, öffentliche Gebäude als Anziehungspunkte
Der inverse boulevard weist hybride Gebäude auf. Nutzungen mit einem Fokus auf Wirtschaftszweige, die die „Ingenieursmeile“ repräsentieren werden durch eine Vielfalt an öffentlichen und kommerziellen Nutzungen vor allem in den Erdgeschossbereichen ergänzt, um eine Lebendigkeit der öffentlichen Stadträume zu erzeugen. 
Eine Reihe neuer, öffentlicher Gebäude auf beiden Seiten der Straße zieht Bewohner der Gebiete nördlich und südlich der Straße an und regt zum Überqueren der Straße an. Die Gebiete beidseits der Straße werden so miteinander verbunden.


Die Patchwork-Stadt