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KAWAHARA KRAUSE ARCHITECTS

MIGRATING BOOKS

"Migrating Books" ist eine architektonisch-literarische Installation, die Bücher auf einer denkwürdigen Reise von den Büchervernichtung zu Buchübersetzungen begleitet. Ausgehend von Micha Ullmans Mahnmal "Bibliothek", das an die Bücherverbrennung 1933 auf dem Berliner Opernplatz (heute Bebelplatz) erinnert, ist der Fokus von "Migrating Books" auf jene Bücher gerichtet, die seitdem zwischen den Ländern Deutschland und Israel Grenzen überwinden und somit Netze kultureller Verbundenheit schaffen.

In seinem Mahnmal “Bibliothek” erinnert Micha Ullman an die Bücherverbrennung der Nazis 1933 auf dem Bebelplatz in Berlin, indem er durch eine Glasscheibe im Boden den Blick frei gibt auf einen unterirdischen Raum mit leeren Bücherregalen, groß genug um die 20.000 an dieser Stelle verbrannten (jüdische und andere) Bücher aufzunehmen.

2015 markiert das 70 jährige Ende des Zweiten Weltkriegs und das 50 jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland; 50 Jahre in denen eine unvergleichbare Menge an Büchern aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt wurden und umgekehrt – so viele vielleicht, dass die leeren Bücherregale der “Bibliothek” wieder aufgefüllt werden könnten.

Während Ullmans Werk mit seinen leeren Bücherregalen an die Bücherverbrennungen als einschneidendes Moment der Geschichte mahnt, betont „Migrating Books“ die neuen, seither entstandenen kulturellen Verbindungen: Bücher als Teil eines sich ausweitenden kulturellen Netzwerks zwischen Israel und Deutschland. Die Installation feiert die gesellschaftliche Bedeutung der „migrierenden“ Bücher, deren Erzählungen und Geschichten durch ihre Übersetzung zu einem Teil der anderen Gesellschaft werden und so Verständnis und Verbindung zwischen zwei Völkern unterstützen.

Eine ausgewechselte Glassscheibe aus Ullmans “Bibliothek” ist Teil der Installation „Migrating Books“.
Von hier aus schaut man auf die sich dreiecksförmig ausweitende Struktur, deren Reihen mit Büchern sich scheinbar immer weiter ausdehnen.

Gezeigt wird eine Auswahl von Büchern, die in den letzten 50 Jahren aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt wurden. Zu einem späteren Zeitpunkt wird „Migrating Books“ in einer Ausstellung in Israel eine Auswahl von Büchern zeigen, die in den letzten 50 Jahren aus dem Deutschen ins Hebräische übersetzt wurden.

Aufgeschlagen liegen die Bücher in der Struktur und laden zum Lesen ein – der Besucher sucht sich seinen eigenen Weg durch die Installation und die in ihr enthaltenen Geschichten.

Gehalten werden die Bücher von einer räumlichen Struktur, die mit der Tiefe des Raumes spielt. Je nach Blickpunkt überlagern sich die Stäbe der Gitterstruktur zu einem klar verständlichen, rationalen Raster oder einer wolkigen Masse. Der scheinbare Wechsel zwischen Zwei- und Dreidimensionalität lässt die Struktur zwischen Einfachheit und Komplexität changieren.

Die Struktur besteht aus durchsichtigen Trinkhalmen aus dem Alltagsgebrauch, die mit Verbindungsknoten aus Acrylglas zusammengesteckt werden. So entsteht ein sehr leichtes und transparentes Netz, das den Büchern Halt im Raum gibt. Der Raum wird nicht beschränkt, er erhält keine Begrenzungen. Vielmehr deutet die Struktur auf die Tiefe eines offenen und fließenden Raumes hin.

Je nach Ansicht scheint die Struktur sich geradezu aufzulösen, die Bedeutung der Bücher wird betont. Ihre dreidimensionale Anordnung im Raum überlagert sich in immer neuen Konstellationen.

Die Installation „MIGRATING BOOKS“ wird aktuell im Rahmen der Ausstellung AGORA ARTES in der Akademie der Künste Berlin im Hanseatenweg gezeigt.

AGORA ARTES
Wechselspiel aller Künste
Werkpräsentationen der Stipendiaten 2014
Hanseatenweg 10, Halle 3
23.5. - 7.6.2015
Öffnungszeiten: Di - So 11 - 19 Uhr
Eintritt frei