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Knoche Architekten

Aufstockung Kontorhaus

Roland Halbe
Roland Halbe
Ort
Leipzig
Gebäudekategorie
Produktion, Lager
Bauvorhaben
Umbau/Sanierung
Jahr der Fertigstellung
2017
Material Fassade
Beton
Aufstockung eines gründerzeitlichen Industriedenkmals

BESTAND
Das bestehende Gebäude wurde im Jahr 1896 als Celluloid-Fabrik an der Ecke Holbeinstraße / Stieglitzstraße errichtet. Das Gebäude ist unterkellert und besteht aus einem hochgesetzten Erdgeschoss und einem Obergeschoss. Es wurde in massiver Bauweise mit tragenden Innen- und Außenwänden errichtet, die Fassade ist als Lochfassade gebaut und wird an den beiden Straßenseiten durch regelmäßig angeordnete Holzfenster strukturiert. Die Fenster auf den beiden Hofseiten sind unregelmäßig angeordnet. Die Fassade wurde durch eine horizontal gegliederte und stark reliefierte, zweifarbige Ziegelvorsatzschale bekleidet und ist ungedämmt. Das Gebäude ist als Industriedenkmal in die Landesdenkmalliste eingetragen und wird als Bürogebäude genutzt.

AUFSTOCKUNG
Das bestehende Gebäude wurde saniert und um ein weiteres Geschoß für zwei Wohneinheiten aufgestockt. Die Grundkonstruktion wurde als Massivbau mit Ziegelmontagedecken und Mauerwerkswänden konstruiert, die Lasten werden über Stahlträger in die tragenden Außen- und Innenwände eingeleitet. Die Anordnung der Fenster erfolgte in unregelmäßiger Abfolge, dabei wurden aber die vertikalen Kanten der Bestandsfenster aufgenommen. Das Dach ist als Flachdach ausgebildet.
Das bestehende Holztreppenhaus wurde durch eine Stahlkonstruktion ersetzt, gleichzeitig wurde ein Personenaufzug zur barrierefreien Erschließung aller Ebenen eingebaut.

ÄUSSERE GESTALTUNG
Die Aufstockung ergänzt den massiven Bestand durch ein ebenfalls massives Volumen, das die bestehende Gebäudekontur ohne Rücksprung übernimmt. So entsteht eine städtebaulich markante Kubatur, in der die Aufstockung ablesbar bleibt, die aber die wesentlichen Elemente aus dem Bestand aufgreift und weiterführt. Auf Vorsprünge oder Balkone wird wie im Bestand verzichtet, die kleine Wohnung erhält statt dessen eine eingeschnittene Loggia, die große Wohnung einen innenliegenden Patio. Nur der Hofseitige Vorbau des Bestandes wird oben als Austritt vor die Fassade genutzt, hier verläuft die Kontur der Aufstockung geradlinig durch.
Im Bereich des Dachrandes wird die horizontale Gliederung des Bestandes aufgegriffen, während die Außenwände mit ihren handwerklich ausgeführten, horizontal reliefierten Putzflächen die Rauhigkeit des Ziegelmauerwerks neu formulieren. So wird, auch durch die natürliche Farbigkeit der Außenwandflächen, der architektonische Ausdruck des Bestandes zum Leitmotiv für eine dennoch sehr eigenständige Ergänzung.

INNERE STRUKTUR
Die seitliche Lage des bestehenden Haupteingangs und somit auch des Treppenhauses bestimmen Struktur und Erschließung der beiden Wohnungen. Hier werden jeweils um die Loggia / den Patio großzügige Wohn- und Aufenthaltsbereiche gruppiert, während die Schlaf- und Nebenräume peripher liegen und enger geschnitten sind.