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LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei

Hessisches Staatstheater Darmstadt

Ort
Darmstadt
Gebäudekategorie
Theater, Opernhäuser, Konzertsäle, Kinos
Jahr der Fertigstellung
2006
Theaterprovisorium in der Tiefgarage 2003-2006

Um den Spielbetrieb während notwendiger Sanierungsmaßnahmen aufrecht zu erhalten, war zunächst an dessen Auslagerung an einen anderen Ort oder die Anmietung eines Theaterzelts gedacht.

Beim Nachdenken über die damit verbundenen Nachteile - verlorene Kosten und logistische Schwierigkeiten für Mitarbeiter und Besucher - kamen die Architekten auf den Gedanken, in Teilen der Tiefgarage und den unterirdischen Zufahrten eine provisorische Spielstätte einzurichten. Diese kann langfristig, wenn kleines und großes Haus im Jahre 2007 den Spielbetrieb wieder aufnehmen, als Werkstatttheater weiter genutzt werden.

Mit dem Einrichten des Provisoriums wurde nicht nur mehr Licht in die „verratzte“ Unterwelt der Garagenebene gebracht, vielmehr konnte die gesamte Eingangssituation mit Pforte und Mitarbeiterzugang aus dem Dunkel des Untergeschosses zur Straße hin verlegt und zusätzliche Lagerflächen bereitgestellt werden. (Wegen der Sanierung müssen bisherige Lagerräume im Innern des Theaters aufgegeben werden.)

Für diese Umnutzung durfte nur so viel Geld ausgeben werden wie für die Anmietung eines Theaterzeltes veranschlagt war. Es handelt sich also um ein „Low-Budget“-Projekt. Zwischen den Stützen und restlichen Wandscheiben wurde mit Leichtbetonsteinen ausgemauert, die aus licht- und schallschutztechnischen Gründen mit einer Schale aus Glasbausteinen außenseitig verkleidet wurden. Im Theaterraum wurden die Mauersteine aus akustischen Gründen sichtbar belassen. Ein umlaufender Beleuchtersteg ermöglicht den Spielbetrieb an allen Stellen des Raumes. Das Foyer wurde dunkelbraun lackiert, eine große Sitznische (Spitzname „Schweinebucht“) und ein verschließbarer Kassenraum wurden rosa herausgestrichen.

Unter Einbeziehung der bestehenden Treppenaufgänge wurde auf der alten Zwischenebene eine Bar eingebaut. Dieser Bereich ist zum doppelt hohen Foyer geöffnet und knallrot lackiert. Zur Ausleuchtung wurden drei Kronleuchter aus Roheisen gebastelt, unzweideutiger Teil der provisorischen Maßnahme.

Bauherr: Hessisches Baumanagement, Regionalniederlassung Süd, Zeughausstr. 2-4, 64283 Darmstadt

Architekten: Prof. Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir, Marc Oei, Kornbergstraße 36, 70176 Stuttgart

Mitarbeiter: Thilo Holzer, Björn Barkemeyer, Ulrike Hautau, Tania Ost, Matthias Schneider, Markus Schwarzbach, Andrea Stahl, Michael Müller, Katrin Merk, Wolfram Sponer

Projektmanagement: DU-Diederichs, Wuppertal

Baukosten (gesamt): 70 Mio Euro
Bauzeit: 2003-2006
Standort: Georg-Büchner-Platz 1, 64283 Darmstadt