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Lederer Ragnarsdóttir Oei

Stadtmuseum Stuttgart im Wilhelmspalais

Foto: Roland Halbe, Stuttgart
Foto: Roland Halbe, Stuttgart
Ort
Stuttgart
Gebäudekategorie
Museen, Galerien, Kunsthallen, Dokumentationszentren
Bauvorhaben
Umbau/Sanierung
Jahr der Fertigstellung
2017
Material Fassade
Werkstein
Giovanni Salucci hatte den Grundriss und Schnitt des Wilhelmspalais vielschichtig geplant. Es handelte sich um zwei rechteckige, sich überschneidende Körper, die insbesondere in der Mittelzone den Raum durch frei stehende Stützen und Pfeiler mehrfach gliederten. Konsequent lagen die Treppen jeweils rechts und links der durchgehenden Symmetrieachse. Damit gelang ihm, die räumliche Achse zwischen neuem und altem Schloss aufzunehmen, und durch das Haus hindurchzuführen. Zudem nahm die Lage des Baukörpers, mit der breiten Hauptfront zur Straße hin, einen direkten Bezug zur Konrad-Adenauer-Straße. Das Palais wurde zum Dreh- und Angelpunkt des Stadtgrundrisses.

Die geniale Einheit von städtebaulicher und innenräumlicher Idee wurde nach dem Krieg, zugunsten einer für die Bibliotheksnutzung korrekt liegenden Treppenanlage, aufgegeben. Mit dem Umbau des Hauses zum Stadtmuseum konnte dieser funktionelle Zwang wieder aufgehoben werden. Aus diesem Grund wollten wir den schönen und immer noch durchaus modernen Entwurfsgedanken Saluccis dem Gebäude wieder zurückgeben. Dies bezog sich auch auf die Vielschichtigkeit der räumlichen Konzeption, ohne jedoch dem Wunsch einer simplen Rekonstruktion zu verfallen. Die Annäherung an die alten Raumsequenzen wurde durch die Überlegung Tiedjes erleichtert, der die Konstruktion unabhängig der alten, sich selbst tragenden Fassaden geplant hatte.
Unabdingbar erschien uns auch die Anforderung den alten Stadtgrundriss ins Gedächtnis zu rufen, um die verlorene Achse, die Planie, zwischen dem Wilhelmspalais und dem Standort des ehemaligen Kronprinzenpalais wieder herzustellen.

Im Zentrum des Palais konnten wir Dank der Herausnahme der alten/neuen Konstruktion, die der sechziger Jahre, zwei zentrale doppelgeschossige Hallen einfügen. Nicht, wie im wirklich alten Bau für die Töchter, aber dem Gedanken der zentralen Betonung des palladianischen Grundrisssystems folgend. Unten bildet sie den Kern der Eingangshalle, im oberen Geschoss einen Oberlichtsaal, dessen Lichtöffnungen durch Klappen geschlossen werden können.
Die Errichtung der gesamten Stahlbetonkonstruktion, selbstragend, bedingte die nicht ganz einfache Sicherung der alten Fassade. Imponierend diese ingenieurtechnische Leistung zu sehen, solange die Außenwände, einer leeren Schachtel gleich, warteten um wieder mit Räumen gefüllt zu werden. Aufgrund der Einfügung eines zusätzlichen Geschosses musste die gesamte Haustechnik, Leitungen und Geräte, im Zwischenraum der Salucci-Fassade und dem inneren Raumabschluss geführt werden. Deshalb entschieden wir uns für einen leichten Raumabschluss als Holzkonstruktion, die wie eine Schatulle aus Birke die Innenräume begrenzt. Dieses Material bestimmt den farblichen Eindruck des Hauses. Die Fenster geben über die tiefen Laibungen den Blick auf die Stadt frei. Sie sind wie Vitrinen in die Schatulle eingeschnitten.

Bauherr:
Landeshauptstadt Stuttgart
vertreten durch das Technische Referat, Hochbauamt

Nutzer:
Landeshauptstadt Stuttgart, Kulturamt

Architekten:
Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten, Stuttgart

Projektsteuerung:
DU Diederichs, München

Ausstellungsplanung:
jangled nerves, Stuttgart

Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Knippers Helbig, Stuttgart

Wettbewerb:
2010 – 1. Preis

Bauzeit:
2014 – 2017

BGF:
9.250 m2

BRI:
36.550 m3

Nutzfläche:
7.350 m2

Standort:
Konrad-Adenauer-Straße 2, 70173 Stuttgart

Fotos
Roland Halbe, Stuttgart