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limbrock · tubbesing

Wettbewerb Bauhaus Museum, Dessau

Fabrik, Warenhaus, Schule, Museum... :


Die Topoi der Ausstellungskonzeption zeigen auf, was der Museumsneubau am Standort schaffen soll: einen Ort zur Interaktion.

Gebraucht wird hierfür ein offenes Haus, das über die Programmerfüllung hinaus
- ähnlich einer Probebühne - die Aneignung durch Stadt und Nutzer in seiner Konzeption impliziert.

Gesucht wird hierfür die möglichst einfache städtebauliche Figur, aus der sich als offener Rahmen für das Programm ein ebenso einfaches Gebäude generiert.

Städtebau
Neben der unmittelbaren Erschließung des Museumsgrundstücks über die  flankierenden Straßenläufe der Friedrich- und Kavalierstraße, sowie der aus Osten auf das Grundstück zulaufenden Rathausgasse mit dem Parkeingang vis á vis des Rathaus-Center werden die Antoinetten- und Fritz-Hesse-Straße im Norden als wichtige Anbindungen analysiert. Als alleeartige Straßenräume verbinden die Antoinetten- und Fritz-Hesse-Straße den Stadtpark mit dem Friedensplatz und dem Anhaltischen Theater und im weiteren Verlauf mit dem Hauptbahnhof und den Bauhausbauten in Dessau-Roßlau.

Der Museumsneubau nimmt diese Bewegungsrichtung auf und positioniert sich im Baufeld parallel zur Antoinetten- und Fritz-Hesse-Straße. Der so entstehende Gebäuderiegel wird an den Parkkanten mit dem Verlauf von Friedrich- und Kavalierstraße gekappt, wodurch zwei markante städtebauliche Spitzen entstehen, die die Parkeingänge markieren, wovon insbesondere der Zugang Südpark an der Kavalierstraße profitiert und eine prägnante Aufwertung erfährt.
Die Straßenräume der Friedrich- und Kavalierstraße erhalten durch die fragmentierte straßenbegleitende Bebauung die fehlende räumliche Fassung.

Weiterhin generiert die städtebauliche Setzung zwei für Gebäude und Nutzung wichtige Außenräume: während die geplante Bebauung im Süd-Westen zum Stadtpark eine klare Parkkante definiert, entsteht im Nord-Osten ein großzügiger städtischer Platz, der flankiert von Friedrich- und Kavalierstraße das Entree zum Museum bildet.

Erschließung

Der Museumsbau wird über den Museumsplatz mit Haupt- und Gruppeneingang erschlossen. Gegenüber zu den stadtseitigen Zugängen gelegen erhält das Museum auf der Parkseite zwei weitere, gleichwertige Zugänge. Das Foyer wird so gleichwertig zur Öffentlichkeit der Außenräume behandelt und kann zwischen Platz und Park ohne Besuch der Ausstellung durchwegt werden.
Die kommerziellen Nutzungen von Shop (am Platz) und Café (am Park) sind jeweils zwischen den Zugängen angeordnet und werden so Teil der Durchwegung des Gebäudes.

Die Vertikalerschließungen sind als eingestellte Körper jeweils im Rücken von Shop und Café organisiert. Hierdurch entsteht in der Foyermitte ein Raum, der Ticketing und Garderobe aufnimmt und den Weg des Besuchers  in die Ausstellung im Obergeschoss leitet. Für größere Besuchergruppen stehen separate Garderoben im Untergeschoss zur Verfügung, die vom Gruppeneingang aus unmittelbar erreicht werden.

Museumspädagogik (Park) und Veranstaltungsraum (Platz) liegen im Erdgeschoss nah zum Café und können zu einem großen Saal zusammengeschaltet werden.

Logistik und Verwaltung sind im nördlichen Gebäudeteil untergebracht, die Logistikflächen des Außenraums liegen innerhalb der Kubatur. Die Verwaltung öffnet sich zum Platz.

Ausstellung
Die Ausstellungsflächen sind als Hallenraum im Obergeschoss konzipiert. Im Sinne einer fließenden Raumkonzeption werden die Ausstellungsbereiche mittels vom offenen Dachtragwerk abgehängten Präsentationstafeln räumlich organisiert und geändert. Die Ausstellungshalle wird dabei in ihrer Materialannmutung roh belassen: Tragwerk und haustechnische Installation werden offen gezeigt; das Maximum an Intervention ist möglich.

Architektur
Die äußere Gestaltung des Baukörpers wird von der Verwendung von Sichtmauerwerk mit Schlämmputz bestimmt. Dieses assoziiert im Sinne einer analogen Architektur den Gedanken an ein „found as“, das durch das Museum in Benutzung genommen wird. Die robuste Gestaltung erlaubt die Aneignung des Bauwerks bis hin zur Gebäudehülle:

Ganz in der Tradition der am historischen Bauhaus wichtigen Reklameabteilung weisen wechselnde plakative Beschriftungen auf die jeweils aktuellen Ausstellungsinhalte hin und schaffen so einen sich auch im Stadtbild stetig ändernden Ort.

Wirtschaftlichkeit
Im Entwurf wurde explizit darauf geachtet eine einfache Gebäudeform zu entwickeln, die insbesondere im Bereich Dachgestaltung und Tragwerk ohne kostspielige Detailführungen zu realisieren ist. Das inhaltlich begründete Netto-Konzept der Ausstellungsräume lässt vergleichsweise niedrige Ausbaukosten erwarten.