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limbrock · tubbesing

Studentisches Wohnen Schellerdamm, Hamburg

Foto: Sebastian Glombik
Foto: Sebastian Glombik
Ort
Hamburg
Gebäudekategorie
Wohnheime
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2015
Architektenpreis
best architects 2017
Iconic Award
Nominierung Deutscher Bauherrenpreis
Besonderheit
Ziel beim Entwurf des Studentenwohnheims war es trotz der schwierigen Situation mit der bestehenden Quartiersgarage im Rücken dem „Fleethaus“ ein starkes und klares städtebauliches Gegenüber in Blockrandbebauung zu geben. Trotzdem wird auf einer Länge von fast 100 Metern keine hermetisch geschlossene Bebauung entstehen. Die Auftrennung der Großstruktur in einzelne Baukörper mit dazwischen liegenden Aussentreppen zum Schellerdamm gliedert die Strassenflucht, und reagiert sensibel auf die vorgefundene maritime Situation. Das spannende Innenleben des Gebäudes wird erkennbar.
Die Verbindung zwischen den aufgehenden Baukörpern mit jeweils einer Wohnung pro Geschoss wird über ein offenes Erschliessungssystem organisiert. Hierdurch entsteht zwischen den einzelnen Wohnungen eine kommunikative Struktur über alle Ebenen. Alle Wohnungen liegen mit ihrer direkt aus dem Aussenraum zu betretenden Küche entlang der Erschliessungsgänge. Der klassische, enge Wohnheimcharakter mit langen und dunklen Fluren wird vermieden. Weiterhin besteht für die Bewohner die Möglichkeit, die dadurch entstehenden, direkt zugeordneten Aussenräume individuell zu nutzen. Eine grosszügige, bodentiefe Verglasung zu beiden Seiten der Küche schafft ein gemeinschaftliches Ambiente und belebt die Erschliessungsbereiche atmosphärisch, vor allem in den Abendstunden. Durch jeweils direkt an die Küchenfenster angrenzende Einschnitte im Boden entstehen auch vertikale Blickbeziehungen die das Gebäude in seiner Höhenentwicklung erfassbar machen.
Diese offene Struktur und die reversiblen Grundrisse in den einzelnen Wohnungen machen das Haus einfach umnutzbar und unterstreichen neben den energetischen Aspekten den nachhaltigen Charakter der Planung.

Multi-Talentiertheit
Das Haus kann einen sehr realen Teil Kosmopolis schaffen. An der TU Harburg studieren ca. 900 internationale Studenten. Diese sind auch potentielle Bewohner. Anders als bei spezifischen kulturellen Einrichtungen wird kulturelle Vielfalt hier Teil des Alltags, und so des realen Lebens sein. Räumliche und soziale Barrieren werden überwunden.

Mit seiner städtebaulichen Setzung und der daraus resultierenden inneren Struktur stellt das Haus im Zusammenspiel mit den bisherigen Entwicklungen im „channel hamburg“ ein gutes Beispiel für die diversifizierte Nutzbarmachung ehemaliger Industrie- und Brachflächen dar. Es ist ein Baustein der neuen Metrozone Harburger Binnenhafen.

Mit einem Jahresprimärenergiebedarf und einem spezifischen Transmissionswärmeverlust von max. 70% gegenüber dem Referenzgebäude in der EnEV 2009 wird ein hoher Energiestandard erreicht.
Die einfache Umnutzbarkeit in der Zukunft sowohl was den Wohnbereich, als auch die Gewerbeeinheiten betrifft unterstreicht den ganzheitlichen Ansatz der Planung in Bezug auf den Umgang mit den Folgen des Klimawandels.

Strukturwirksamkeit

Die Errichtung eines Studentenwohnhauses mit 197 Plätzen am Schellerdamm/Veritaskai stärkt die Entwicklung des Harburger Binnenhafens hin zu einem urbanen Quartier mit einer lebendigen Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Neben hochpreisigerem Wohnen entsteht nun auch ein Haus, dass eine junge, internationale Bewohnerschaft bringt und über die differenzierten Ladengeschäfte und mögliche gastronomische Nutzungen im Erdgeschoss sowohl die Strassenzone belebt, als auch die notwendige Nahversorgung im Quartier weiterentwickelt.
Das Konzept des Hauses entlang des Schellerdamms, vis à vis zum denkmalgeschützten und restaurierten „Fleethaus“  mit seinen vielfältigen Nutzungen, integriert so als weiterer Meilenstein dieser Entwicklung die angestrebte Urbanität.