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RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

Schloss Dyck

Über Jahrhunderte war das barocke Wasserschloss Dyck im Kreis Neuss der Sitz von Fürsten und Grafen, jetzt ist es ein Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur. Die Schönheit eines alten Schlossparks begegnet dort modernen Gartenräumen im Chinaschilf. Der Historische Schlosspark liegt wie eine Insel in der ansonsten freien und agrarisch genutzten Landschaft. Diese Qualität der vorhandenen Parkanlage nicht zu zerstören, keinen Konkurrenzpark ihm anzugliedern und dennoch einen innovativen und zeitgenössischen Neuen Park zu schaffen, ist der Entwurfansatz des Dycker Feldes. Großflächige Miscanthusflächen, rechtwinklig ausgerichtet an der Esskastanienallee, bilden die räumliche Struktur der 24 Hektar großen, ehemaligen Ackerfläche. Die flächige Anpflanzung von Miscanthus x giganteus erhält die landschaftliche und landwirtschaftliche Raumprägung und bewahrt die Solitärstellung des Schlossparks. Die Auswahl auf die Pflanze Miscanthus begründet sich in verschiedenen Facetten. Miscanthus x giganteus befindet sich als “Botanische Innovation” in der Entwicklung von einer ästhetischen Rezeption zur ökonomisch-öko-logischen Rezeption als Pflanze. Diesen Vorgang der Wahrnehmungsveränderung durch den Menschen durchfährt das Dycker Feld in konträrer Richtung. Die ökonomisch-ökologische Wahrnehmung als landwirtschaftliche Nutzfläche verändert sich in eine ästhetische Rezeption als landschaftsarchitektonisch gestaltete Parkanlage. Miscanthus als nachwachsender Rohstoff, der neben seiner potentiellen Verwendung als Baustoffzuschlag, Dämmmaterial, Siliziumlieferant für die Chip-, Motoren- oder Raumfahrtindustrie auch in der energetischen Verwertung eingesetzt wird, steht damit in einer besonderen inhaltlichen Beziehung zur Energie- und Braunkohleregion im Kreis Neuss. Die Miscanthuskörper korrespondieren mit den neuen axialen Rasenbahnen, die Schloss und Schlosspark mit den Zielpunkten Kloster und Dycker Weinhaus verbinden. Geradlinige Bänder aus großformatigen anthrazit-farbigen Platten von 1,50 Meter Breite stärken und lenken die Sichtachsen. Die historische Allee ist zugleich Rückgrat und Kulisse des Neuen Parks. In dem im Laufe der Vegetationsperiode auf rund vier Meter Höhe heranwachsenden Chinaschilf liegen 24 Gartenräume. Im Frühjahr, nach der Ernte des Miscanthus, wie bei einer landwirtschaftlichen Fläche, bilden sie positive Raumkörper auf dem Feld. Im Jahresverlauf und zunehmender Wuchshöhe des Miscanthus verändern sich Raumstruktur und -wirkung und die Gärten "versinken" im Schilfmeer. Hierdurch verändern sich Wahrnehmung und Eindruck der Parkfläche kontinuierlich, quasi wöchentlich. Diese starke Form der Anzeige der Jahreszeiten erhalten seine Präsenz als landwirtschaftliche Nutzfläche im Kontext zur Agrarlandschaft. Der Miscanthus verstärkt seine Wirkung, seinen Reiz im Verlauf des Sommers. Das geschieht optisch - durch sein intensives Grün bis zur Blüte, und akustisch - durch das Rauschen der Halme und Blätter im Wind. Hinzu kommt die räumlich stark wirksame Präsenz dieser in Ziergärten als Solitär eingesetzten Pflanze, deren einzelne Flächen wie Raumkörper oder Skulpturen wirken. Die innere Struktur des Dycker Feldes variiert mit den unterschiedlichsten Raumeindrücken. So erfährt der Besucher den Park zum Beispiel als Freie Fläche im Frühling; Weite, Unendlichkeit und Sehnsucht nimmt er auf den axialen Rasenbahnen wahr oder Enge und Labyrinthhaftigkeit zwischen engstehenden hohen Miscanthusskulpturen.