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RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

IGS 2013

1.Preis Realisierungswettbewerb
"In 80 Gärten um die Welt"
Die Wettbewerbsaufgabe beinhaltete u.a. die Schaffung einer Parkanlage, die modernen Ansprüchen an Freizeit und Erholungsnutzungen gerecht wird, die Begegnungs- und Kommunikationsraum für die über 30 in Hamburg lebenden Nationalitäten schafft und für das Präsentationsjahr internationalen Standards entsprechende Flächen für Themengärten, Blumenschauen und Gastronomie integriert.
Diese Inhalte wurden mittels seines Mottos frei nach Jules Verne "In 80 Gärten um die Welt" in Form von Passagen umgesetzt. Die Passagen sind räumlich gestaltete Landengen, die sich aus dem Flächengefüge der Wettbewerbsfläche ergaben. Innerhalb der Passagen werden legendäre Reisepassagen, hier auch in Anlehnung an die Historie von Wilhelmsburg als Ausgangsort der Amerikapassagen, thematisiert und in Form einer Reise durch die Gärten der Welt umgesetzt. Die Passagen verbinden sich über Sequenzen zu einem Rundkurs, der das gesamte Gelände erschließt.
Ein von beiden Haupteingängen beginnender Rundweg, dem Kurs einer Schiffsroute angelehnt, verbindet, reiht auf und fügt die einzelnen Passagen innerhalb eines Tagespensums zu einem intensiven Park zusammen. Dieses Gefüge füllt die nutzbaren Räume auf, "umschifft", öffnet und integriert die Flächen der Kleingartenanlagen. Er verbindet Nord mit Süd, West mit Ost, bezieht das Bezirksrathaus, das Bürgerhaus, das BBZ, das Krankenhaus und den S-Bahnhof ein und folgt in weiten Teilen den Kanälen und Gräben; Aussichtstürme und Gebäude setzen den Kurs. Die Gestaltung der Passagen geht in ihrer landschaftsarchitektonischen Ausprägung auf das einzelne Reisethema ein und integriert so die internationalen Gärten in ein Passagenmotiv ein.
Der Eingangsbereich West integriert den Wasserturm als Merkzeichen; ihm angegliedert sind Kasse, Info, WC und Café. Der Platz und die Kanalterrassen bilden den Auftakt und übernehmen Verweil- und Treffpunktfunktion. Der Besucher betritt über "Landungsbrücken" das Gelände.
Der Eingangsbereich Ost wird akzentuiert durch die Verortung des Hallenschaugebäudes und der parallelen Fußgängerrampe. Der Gebäudekomplex dient als Kasse, Info, WC, Hallenschauen, Gastro- und Vortragsbereich. Das Ensemble der Hallen wird entlang der Erschließungsrampe Ost angeordnet wie Schiffe an Landungsstegen. Das Bild von anlegenden Schiffen wird durch hinter der Fassade sichtbare Stützen und durch die segelartige Dachstruktur transportiert.
Das zentrale Cafe am Teich bildet einen erhöhten Aussichtspunkt über der Uferlinie im Schnittbereich der durch die Passagen und Brücken gezogenen Spuren des Landschaftskonzepts. Die an eine segelförmige Wandscheibe angebundene Plattform schwebt über dem Wasser und lädt zum Verweilen ein.
Zwei weitere wichtige Gestaltungsbausteine des Entwurfes sind die Brückenbildung und die Minderung der Lärmimmission. Bis auf die temporäre Brücke an der Kreuzung Mengestraße/ Georg-Wilhelm-Straße/ Bei der Wollkämmerei wird die Verbindungsdichte in alle Himmelsrichtungen durch Dauerbrückenanlagen gestärkt. Sie bilden ein weiteres Gestaltungsmerkmal der Passagensequenzen.
Nach dem Ausstellungsjahr behält Wilhelmsburg eine zentrale Parkanlage die 90% ihrer Kleingartenanlage in ihrer Substanz gefestigt hat, die ihre identitätsstiftenden Wasserflächen integriert und erhalten hat und ihre wertvollen Biotopräume nicht geopfert hat, sondern sie weiter mit dem Außenraum vernetzen konnte.
Die neue Infrastruktur des Parks verknüpft verstärkt die angrenzenden Siedlungsräume mit dem Freiraum und hat die Vernetzung der Bedeutungsträger Wilhelmsburgs untereinander erreicht. Der Rundweg ist durch seine Unterteilung in schnelle und langsame Wegeseite sowohl für den Spaziergänger als auch für Skater und Biker gleichzeitig nutzbar. Das Gestaltungskonzept berücksichtigt die zu erwartende hohe Nutzerdiversität und ordnet sich nicht einer zur Zeit trendsettenden singulären Nutzergruppe unter. Die verschiedenen Passagenteilräume erfüllen verschiedene Passagierträume auch in der Dauernutzung.
Das Konzept der Passagen ermöglicht in seiner Nachnutzung einerseits die Reduzierung der aktivierten Passagenräume, ihre Reaktivierung zu einem späteren Zeitpunkt für zukünftige Nutzer, ihre dezentrale Positionierung und relative Kleinräumigkeit intendiert eine nachhaltige Nutzungs- und Pflegeübernahme durch angrenzende Interessengruppen, wie möglicherweise dem Sportcenter als Outdoorfläche, den Kleingartenvereinen als Soziale Mitte und öffentlichkeitswirksame Darstellungsfläche, den vorhandenen oder neuen Wohnsiedlungen als Stadtteilpark oder Spielbereich.