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scape Landschaftsarchitekten

Neugestaltung L.- Fritz-Gruber-Platz, Köln

scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf

Burkhard Wand Lichtplanung, Hamburg

Fotografie
„Phos“ (gr.): Licht, Helligkeit
„Graphein“ (gr.): zeichnen, ritzen, malen, schreiben
„Alles kann durch das Licht verändert, deformiert oder eliminiert werden. Es ist genauso geschmeidig wie der Pinsel.“
Man Ray

Der L.-Fritz-Gruber-Platz ist wichtiger Knotenpunkt in der Platzfolge Neumarkt - Oper – Wallraff-Platz - Domplatz - Rhein. Er ist Eingangstor zur Kölner Altstadt und bildet das Umfeld des neuen Erzdiözesanmusems Kolumba. Die heutige Gestaltung wird diesem urbanen Anspruch jedoch nicht gerecht.

Das Konzept macht den L.-Fritz-Gruber-Platz zu einem eigenständigen Baustein im Stadtgefüge.

Als Hommage an den Namensgeber der Platzes interpretiert die Platzgestaltung das Thema „Licht und Schatten“ als wesentliches Ausdrucksmittel der Fotografie. Die bewußt zweidimensionale, flächige Platzgestaltung nimmt sich gegenüber den starken Platzkanten mit hochwertigen, z.T. denkmalgeschützten Fassaden der 1920er und 60er Jahre sowie dem prägenden Baumbestand zurück. Ein durchgehender Pflasterteppich aus ortstypischem Basalt-Kleinsteinpflaster im Bogenverband schafft eine Einheitlichkeit und Wiedererkennbarkeit des Stadtraumes und überwindet u.a. durch die ähnliche Farbigkeit optisch die asphaltierten Fahrspuren der Straßen.

Das Basaltpflaster ergänzt das vorhandene, für Kirchplätze in Köln typische Grauwacke-Kleinsteinpflaster vor dem Museum Kolumba, setzt sich aber von diesem außer durch die unterschiedliche Materialität durch die Verlegung in Segmentbögen ab.

Der Streifen aus Glasbausteinen entlang des westlich angrenzenden Gebäudes wird mit einem ca. 20 cm breiten Basaltplattenband neu gefasst und von unten beleuchtet. Er kann in einem zweiten Schritt unter Beteiligung der Eigentümer eine neue Materialität erhalten. Gegenüber dem Straßenraum wird die Platzfläche mit einem ca. 15 cm hohen Bordstein sowie halbtransparenten Pollern gegen wildes Parken und Befahren abgegrenzt. Anlieferung und Feuerwehrzufahrten werden durch herausnehmbare Poller an zwei Stellen gewährleistet.

Die Mitte des L.-Fritz-Gruber-Platz bildet ein eingelegtes Rechteck, das sich aus der Dynamik der städtebaulichen Nord-Süd-Ausrichtung entwickelt und die Platzmitte betont. Die Platzränder bilden offene boulevardartige Räume und dienen als Vorzonen und Nutzungsbereiche vor Geschäften, gastronomischen Einrichtungen und dem Museum. Das leere, 9 x 35 m große Rechteck aus hellen Muschelkalkplatten (72 x 48 cm) mit dem Seitenverhältnis 6:9 (Kleinbildformat) schafft eine Projektionsfläche für die auf die Platzfläche fallenden Schatten und verstärkt den Kontrast zwischen hellen und dunklen Bereichen. Die zufällig entstehenden Schattenspiele werden zur zweiten künstlerischen, sich stetig verändernden Textur in der Mitte des L.-Fritz-Gruber-Platzes. Sie erinnern an die Funktionsweise der Fotografie, ein dreidimensionales Bild auf einer zweidimensionales Fläche darzustellen. Ein ca. 1 m breites, dunkles Basaltplattenband rahmt die zentrale Platzfläche. Auf diesem Band sind drei kubischen ca. 4,50 m lange Holzbänke aufgestellt, die zum Beobachten, Sitzen und Verweilen einladen. Ein in den Rahmen als belagsbündige Edelstahlbuchstaben eingelassenes Zitat regt zur Auseinandersetzung mit dem Thema Fotografie an. Nachts zeichnet das Licht aus einer abgependelten Hohlkugel die rechteckige Platzmitte nach. Es fällt so auf den Platzbelag, dass die sich im Raum befindlichen Objekte als Schatten scharf abzeichnen.

Das Funktionsprinzip folgt dem eines Projektors:
Ein Hohlkörper mit mattschwarzer Innenoberfläche und punktförmiger Lichtquelle, dessen Öffnung nach unten hin so bemessen ist, dass die Brennpunktstrahlen exakt die Fläche des Platzes nachzeichnen. Für einen kurzen Augenblick wird der Passant, der den Platz quert, zum Mittelpunkt einer Szene, die vom Zufall bestimmt wird. Mit einem Durchmesser von ca. 1 m präsentiert sich die Leuchte als eigenständiges Objekt, das sich aber durch seine metallisch-spiegelnde Oberfläche, auf der sich die umliegenden Bäume und Gebäudefassaden widerspiegeln, zurücknimmt und in die Umgebung integriert. Die Lichtintensität passt sich der Umgebungshelligkeit an. Die Besonderheit der Beleuchtung liegt nicht in der Lichtmenge, die auf den Platz fällt, sondern vielmehr in der Exaktheit der Ausleuchtung und dem Licht- und Schattenwurf auf den Bodenplatten.

Das Konzept baut auf den vorhandenen Qualitäten auf und macht den L.-Fritz-Gruber-Platz zu einem spannenden Ort der Stadtgestalt. Er wird zu einem frei bespielbaren, öffentlichen Platz, dessen alltägliche Aufenthaltsqualität, Ausdruckskraft und Atmosphäre durch sich stets verändernde Licht- und Schattenatmosphären als künstlerische Reminiszenz an das Thema der Fotografie und das Lebenswerk L.-Fritz-Grubers gesteigert wird.