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Berufskolleg Kaufmannschule Krefeld

Foto: Andreas Wiese, Düsseldorf
Foto: Andreas Wiese, Düsseldorf
Ort
Krefeld
Gebäudekategorie
Schulen
Bauvorhaben
Umbau
Jahr der Fertigstellung
2004
Material Fassade
Mauerwerk
Das “Berufskolleg Kaufmannsschule“ liegt im Nord-Westen Krefelds an der Nahtstelle zwischen innerstädtischer Blockstruktur und verdichteter Solitärbebauung. Die hier verlaufende Westparkstraße stellt als Verlängerung des Nordwalls eine Hauptader der städtebaulichen Entwicklung Krefelds in nord-westlicher Richtung dar. Parks und Alleen kennzeichnen auch in diesem Stadtviertel das für Krefeld charakteristische Bild durchgrünter Stadträume. Solide, wohlproportionierte und differenziert gegliederte Bauten prägen die Vielfältigkeit der bestehenden Straßenrandbebauung.

Eine Ausnahme hinsichtlich ihrer stadträumlichen Anordnung stellten die Bauten des Berufskollegs Kaufmannsschule dar. Der städtebaulichen Auffassung der 60er Jahre folgend wurde der vorhandene Schulbau deutlich von der Ecksituation Westparkstraße / Neuer Weg zurückgesetzt.

Das Bauvolumen war zunächst in zwei massive Solitäre mit Verbindungsgang gegliedert.
In den 70er und 80er Jahren wurde der Schulkomplex um zwei Pavillonbauten entlang der Westparkstraße provisorisch erweitert.

Die Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen für das Berufskolleg Kaufmannsschule ergaben nun die Chance, ein städtebauliches Gesamtkonzept zu entwickeln, dass Erweiterungen in Teilabschnitten ermöglicht und die Stadtstruktur sinnvoll ergänzt.

Ziel der Planung war es, Konzeption und architektonische Gestaltung aus dem Kontext der Örtlichkeit abzuleiten und gleichzeitig eine städtebauliche und architektonische Präsenz für das Berufskolleg zu schaffen.

Das formulierte Raumprogramm forderte eine Differenzierung von zunächst zwei Erweiterungsmaßnahmen in einen Ganztagsbereich und einen Klassentrakt.


Der Ganztagsbereich – Cafeteria und Seminarbereiche

Die beiden vorhandenen, vom Straßenraum zurückgesetzten, solitären Baukörper aus den 60er Jahren wurden durch einen weiteren Solitär entlang des Neuen Weg ergänzt.

Das neue Gebäude betont den bestehenden Haupteingang der Schule und bildet gleichzeitig einen räumlichen Abschluss des Schulhofs zum Neuen Weg. Eine verglaste Brücke im ersten Obergeschoss schafft eine Verbindung zwischen dem Lehrerbereich des bestehenden Bauteils A und den neuen Seminar- und Arbeitsräumen. Im Erdgeschoss bietet eine Cafeteria mit überdachter Terrasse durch ihre exponierte Lage im Haupteingangsbereich die Möglichkeit zu einem kommunikativen Austausch für Lehrer und Schüler.


Der Klassentrakt - Neue Unterrichtsformen in Kompetenzzentren

Entlang der Westparkstraße wurde zunächst der kleinere nord-östliche Pavillon abgerissen und durch einen neuen Klassentrakt ersetzt. Die Entfernung des zweiten Pavillons ermöglicht den Straßenraum Westparkstraße und den Schulhof durch einen linearen, zusammenhängenden Baukörper räumlich neu zu fassen.

Mit seiner Höhenentwicklung und Materialität nimmt der Baukörper Bezug auf Vorhandenes. Zwei durch eine Wandscheibe voneinander getrennte Pultdächer markieren das Besondere des Bautypus und bilden bewusst eine Abweichung von Dachformen angrenzender Wohnbauten.

Solide gemauerte Fassaden verweisen auf gewachsene Strukturen und Traditionen.
Das Spiel mit unterschiedlich großen Fensteröffnungen soll die Straßenfassade spannungsvoll gliedern und Ausdruck der sich hinter ihr verbergenden unterschiedlichen Funktionen sein. Mit dem kalkulierten Wechsel von Transparenz und Massivität soll die Neugier auf Inhalte geweckt werden.

Diese Inhalte beziehen sich auch auf die Visualisierung einer progressiven, dynamischen und offenen Unterrichtsgestaltung, der mit der inneren Raumkonzeption Gestalt verliehen werden soll.

Als zentrales Gestaltungselement signalisiert eine geschwungene, zweifarbige Sichtmauerwerkwand im Eingangsbereich den Auftakt zu einer besonderen räumlichen Konzeption im Schulbau. Sie begleitet Lernende und Lehrende durch das gesamte Gebäude und versucht durch ihre dynamische, heitere Präsenz zu einem positiven Lernprozess beizutragen. In den sogenannten Kompetenzzentren, in denen wesentliche Ergebnisse des Lernprozesses zusammengetragen und fachübergreifend bearbeitet werden, wird die Nähe zum praxisorientierten Arbeiten für die Lernenden erfahrbar. Die Architektur entfaltet hier ihre gesamte Dynamik und umspannt den Raum mit einem offenen Bogen.


ORT:
Neuer Weg 121, 47803 Krefeld

GEBÄUDEKATEGORIE:
Schul- und Bildungsbauten

BAUVORHABEN:
Seminar- und Cafeteria-Gebäude:
Umbau und Erweiterung, Umbau des Lehrerbereiches,
Neubau eines Seminar- und Cafeteria-Gebäudes
Klassentrakt und Kompetenzzentrum:
Neubau eines Klassentraktes mit zehn Unterrichtsräumen und zwei multifunktionalen Kompetenzzentren

JAHR DER FERTIGSTELLUNG:
2004

BAUHERR:
Fachbereich Schule und pädagogischer Dienst der Stadt Krefeld

LEISTUNGEN:
Architektur, Freianlagen / Entwurf, Planung Realisierung  (LPH 1-9)

GRÖSSE:
Ca. 2.600,00 qm gesamt

BAUKOSTEN:
10,1 Mio. EUR

FOTOS:
Hans-Jörg Thelen, Düsseldorf