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WES LandschaftsArchitektur

Gedenkstätte Esterwegen

Ort
Esterwegeb
Gebäudekategorie
Dokumentationszentren, Gedenkstätten
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2011
„Das Geheimnis der Erlösung ist die Erinnerung.“ (Talmud)

Am 31. Oktober 2011 wurde die Gedenkstätte auf dem Gelände des früheren Konzentrations- und Strafgefangenenlagers Esterwegen im Emsland eröffnet. Der Festakt begann um 10.00 Uhr mit einem Gebet und der Kranzniederlegung.

Das im August 1933 errichtete Konzentrationslager Esterwegen gehörte mit den Lagern Börgermoor und Neusustrum zu den frühen Konzentrationslagern in Deutschland. Auf dem Gelände ist ein „Lernort“, ein Ort des „aktiven Erinnerns“, in Verbindung mit einem Dokumentations- und Informationszentrum enstanden, der an die Geschichte der insgesamt 15 Emslandlager und ihrer Opfer erinnert. Die Entwürfe für die Gedenkstätte stammen von den Landschaftsarchitekten WES & Partner in Zusammenarbeit mit Hans-Hermann Krafft.

Vordergründig werden die Dimensionen des Lagers und seine Wirkung im Raum interpretierend und andeutend visualisiert. Zugleich wird an die Härte, die Unmenschlichkeit und an die Isoliertheit und das Verlorensein der Häftlinge erinnert, ohne dabei in ein falsches oder irritierendes Pathos abzugleiten.  
Darüber hinaus weisen die Landschaftsarchitekten aus Hamburg und Berlin mit Ihrem Entwurf auf die wichtigen landschaftsräumlichen und historisch bedeutenden Verbindungen hin.  

Alle Elemente des ehemaligen Lagerbetriebes werden erhalten und durch Sichtfenster verdeutlicht. Gehölze, auch die zur Bundeswehrzeit gepflanzten Bäume werden in das Konzept weitestgehend mit einbezogen. Die verschiedenen Lagerphasen werden durch Elemente wie Stahlstreifen im Boden, leichte Niveausprünge und Böschungsaufschüttungen visualisiert.

Es werden keine Bauwerke rekonstruiert. Abstrakte, den Landschaftsraum brechende Elemente aus Stahlscheiben, in einfacher und sich jedweder beruhigenden und abschließenden Interpretation verweigernder Formensprache bilden das Grundthema. „Im Stahl fanden wir das geeignete Material für die baulichen Elemente, lässt er doch eine Vielzahl an stimmigen Assoziationen zu. Insbesondere aber entfaltet sich im Alterungsprozess des Rostens ein ganz eigener Ausdruck von Zeit und Vergänglichkeit.

Jede gestalterische Maßnahme ist in ihrer Zurückhaltung kalkuliert und entwickelt sich kompromisslos aus dem Ort.“ erläutert der Berliner Architekt Hans-Hermann Krafft.

Die unterschiedliche Behandlung der Geländeoberflächen stellt das Umfeld und den als Wildrasen belassenen Wachmannschaftsbereich in einen harten Kontrast zum überschotterten Häftlingsbereich.

Das topografische Prinzip zur Visualisierung der Barackenstandorte ist wie folgt umgesetzt:
Schotter wird im Häftlingsbereich für den Bereich als SS-Konzentrationslager bis 1936 und der Erweiterung ab 1937 auf die vorhandenen Geländetopografie aufgetragen. Die Barackenstandorte werden davon ausgenommen. Es entstehen angeböschte „Zeitfenster“ („Fußabdrücke“, Gräben, Kuhlen). Der Schotterauftrag endet an der inneren ehemaligen Stacheldrahtbegrenzung und verdeutlicht mit einer leichten Höhendifferenz ein umlaufendes Zeitfenster des Todesstreifens.

Neben der Unterscheidung in der Oberfläche werden die Häftlingsbaracken durch den geschnittenen und auf den jeweiligen Barackenstandort reduzierten Baumbestand von Roteichen, aus der Bundeswehrzeit zu einem, auch in seiner Monotonie räumlich und sinnlich prägenden Element von Enge und Weite.
    
Die Erschließung erfolgt über die Nordseite. Zwischen den ehemaligen Bundeswehrhallen spannt sich als neues Element, vom Eingang zwischen den Hallen, bis zur Lagestraße und nach Norden weiterführend bis in das Moor, ein Stahlsteg. Sein Verlauf entwickelt sich aus der Bodenbündigkeit im Eingangsbereich, zu einem eigenen, über dem Gelände schwebenden Erschließungselement.

Der „Raum der Stille“, bisher noch nicht realisiert, wurde für alle 15 Emslandlager als integrativer Ausstellungsbestandteil konzipiert: Ein Kubus mit ca. 6,00 Meter Kantenlänge an den vier Ecken mit schmalen Zugangsschlitzen, als inszenatorischer Raum. Wände und Decke bestehen aus Holzregalen in denen gepresste Torfziegel gestapelt sind. Den Boden bilden dunkle Presstorfziegel/Kork.