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wittfoht architekten

Parkhaus Coulinstrasse, Wiesbaden

News
07.12.2012
Wettbewerb
Entwurfsplanung: 02.2011

Der Entwurf für das Parkgebäude Coulinstrasse entsteht durch die Auseinandersetzung mit zwei inhaltlichen Schwerpunkten. Zum einen geht es um die optimale Funktion des vorgeschlagenen Parksystems. Zum anderen geht es um die Einfügung des Funktionsgebäudes in die besondere stadträumliche Situation.
Optimale Funktion heißt Klarheit und Übersichtlichkeit der Wegführung, Freundlichkeit und Offenheit des Baukörpers, Farbgebung und Lichtführung in den Ebenen. Mit anderen Worten geht es um eine positive räumliche Gesamtatmosphäre.
Die außergewöhnliche Lage des Wettbewerbsgebietes im Spannungsfeld zwischen der Fußgängerzone der Altstadt Wiesbadens und dem topografisch exponierten Schulberg bilden die städtebaulichen Rahmenbedingungen.
Die vorhandenen Straßen und Wege werden aufgenommen und gestärkt. Die Umgestaltung des stadträumlichen Umfeldes trägt wesentlich zur Akzeptanz des neuen Parkhauses bei.

Die Erschließung des Parkhauses erfolgt von der Coulinstrasse, auf der der Innenstadt abgewandten Seite. Da man auf „halber Höhe“ ein- bzw. ausfährt, werden die oberen Ebenen gegen und die unteren Ebenen im Uhrzeigersinn erschlossen. Verlassen wird das Gebäude in gegenläufiger Richtung. Fahr- und Fußgängerverkehr werden weitestgehend voneinander getrennt.

Architektonisches Ziel ist die Entwicklung eines originären Typus, der der speziellen Aufgabe entspricht und sie nicht verschleiert. Die Baumasse wird in zwei  Gebäudeteile gegliedert: der untere Teil, der sich in Höhe, Farbgebung und Proportion mit der umgebenden Bebauung auseinandersetzt und ein oberer Teil, der sich vom Sockel löst und als „fünfte Ansicht“ fungiert. Das Parken erfolgt im Split-Level-System. Es werden horizontale und vertikale Elemente eingefügt und mit den Gebäudeteilen verwoben. Der offene Lichthof schiebt sich als dreidimensional erlebbarer Raum zwischen die Fassade an der Schützenhofstraße und die Parkebenen. Zwei zentral gelegene Treppenhäuser mit jeweils einem Aufzug, erschließen den Neubau. Sie dienen auch als Fluchttreppenhäuser.

Gleich einer Karosserie legt sich die Fassade um die nach Außen gewandten Seiten des unteren Baukörpers. Sie akzentuiert und vermittelt gleichermaßen und nimmt damit die unterschiedlichen Bedingungen am Ort auf. Durch ihre offene, geometrische Struktur, entstehen Schichtungen in die Tiefe. Wechselnde Lichtverhältnisse lassen immer neue Eindrücke und Bilder entstehen. Bei Nacht gleicht das beleuchtete Parkhaus einem leuchtenden „Stadtlampion“.
Im oberen Gebäudeteil unterscheidet sich die Fassadengestaltung. Sie ist offen gehalten, mit einem Rankgerüst aus Spannseilen und teilweise vorgeblendeten Holzlamellen. Diese dienen als Unterbau für  die „Hängenden Gärten“.
Eine leichte Dachkonstruktion auf dem südlichen Gebäudeflügel  bildet den oberen, baukörperlichen Abschluss. Hier kann eine Photovoltaikanlage zur Energiegewinnung installiert werden.

In den Haupteingangsbereichen im Erdgeschoß befinden sich die Kassenautomaten. Wandscheiben und Blickbezüge verzahnen diese Bereiche mit dem Stadtraum. Die Nähe der Laden- und Gastronomieflächen unterstützt diesen öffentlichen Charakter.  
Die Parkhausaufsicht liegt organisatorisch optimal zwischen Ein- und Ausfahrtszone.

Das im Grundriss rechteckige Parkhaus besteht aus zwei Parkgassen, die direkt aneinander grenzen. Die Parkgassen sind durch Umfahrtsrampen miteinander verbunden.
Die Planung weist ca. 420 Stellplätze, ca. 22 Motorradstellplätze und eine Fahrradverleihstation aus. Die Stellplätze sind rechtwinklig auf beiden Seiten der Fahrwege angeordnet. Sie sind 5,00m lang und 2,50m breit. Die Fahrgasse hat eine Breite von 6,00m. Die Parkgassen sind frei überspannt, so dass das Rangieren und  Gehen zwischen den Fahrzeugen nicht durch Stützen gestört wird. Gleichzeitig gewinnt die Garage hierdurch erheblich an Übersichtlichkeit, was zum Sicherheitsgefühl und zur Akzeptanz durch die Nutzer beiträgt.
In der Nähe der mit einem Aufzug bestückten Haupttreppenhäuser werden Plätze für Behinderte ausgewiesen. Auf die Ausweisung von Frauenparkplätzen kann verzichtet werden, da alle Plätze den besonderen Ansprüchen von Frauenparkplätzen genügen.

Auf den Parkstraßen wird der Fußgänger durch spezielle Bodenmarkierungen, Beschilderungen und besondere Ausleuchtung zu den Treppenhäusern geführt.
Die Ausgänge sind so angeordnet, dass die nach GarVO für offene Parkhäuser maximal erlaubte Fluchtwegentfernung von 50m eingehalten wird.
Sämtliche tragende Bauteile der Rahmenkonstruktion sind feuerbeständig. Die Basis des Bausystems besteht aus 16,00m breiten Parkelementen. Das Maß ergibt sich aus der Addition der Fahrbahnbreite plus zweier Stellplatztiefen. Ein 16,00m-Element ist 2,50m breit und entspricht damit den Maßen eines Stellplatzes. Die Elemente werden zu Parkebenen aneinandergereiht. An den vier Eckpunkten eines jeden Elementes befinden sich außen angeordnete Stützen. Durch diese Konstruktion ergibt sich eine völlig stützenfreie und somit benutzerfreundliche Parkebene. Die Geschosshöhe beträgt 2,70m.  Die schlanken Stahlstützen werden durch horizontale Stahlträger ergänzt. Sie dienen als Grundkonstruktion für die gefaltete Lochblechfassade. Die Faltung der Bleche und der hohe Lochanteil sichern ein hohes Maß an Transparenz und Durchlässigkeit. Hülle und Unterkonstruktion werden in hellen, freundlichen Farben lackiert.  

Fazit:
Unser Entwurf drückt in seiner Anlage – vom Grundriss bis in die einzelnen Gegenstände hinein – eine formale Einfachheit in Raumgestaltung und Material aus. Das Gebäude nimmt sich zurück, schafft dabei neue räumliche Zusammenhänge und stärkt hierdurch die Bedeutung des Ortes.