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Baumschlager Eberle Architekten

IXCAMPUS - Innovation und Angemessenheit

Forschung, Lehre und Produktion in Saint-Germain-en-Laye
Cyrille Weiner
Cyrille Weiner
Ort
Saint-Germain-en-Laye
Gebäudekategorie
Hochschulen
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2026
Material Fassade
Holz
Die Qualifikation im Holzbau und die Neuinterpretation von Typologien zählt zu den besonderen Fähigkeiten von Baumschlager Eberle Architekten. Eine Synthese von Produktionsexperiment und inhaltlicher Neuauslegung ist mit dem Projekt IXCAMPUS in Saint-Germain-en Laye nahe Paris erreicht. Vom Auftraggeber des Wettbewerbes, Foncière Château Saint Léger, waren zwei Neubauten gewünscht: Die langgestreckte „Grande Orangerie“ mit 8.572 m² Nutzfläche bietet nun Platz für Forschung und Lehre, im kreuzförmigen „Incubateur“ (3.102 m² Nutzfläche) befinden sich Start-up-Unternehmen, die konkret am Ort produzieren.
Typologisch waren bis dato Produktionsstätten meist von Einrichtungen für Lehre und Forschung getrennt, hier am IXCAMPUS sind sie an einem Ort vereint. Diese Neuinterpretation der Campus-Idee für rund 1.200 Menschen führt zum gegenseitigen Austausch von Theorie und Praxis, die allen Beteiligten zugutekommt. Aus einer Cité de sciences wurde eine cité de synergies inklusive cross fertilization. Mit den Inhalten definiert, haben Baumschlager Eberle Architekten ein Rahmenwerk aus Architektur, Holzbau und Landschaftsgestaltung geschaffen – als Angebot für die Menschen am Campus.
Bereits am Entrée bildet der „Incubateur“ den Auftakt für das Ensemble. Seine Kreuzarme bilden ein gemeinsame Kante mit dem Bestand und der Schmalseite der „Grande Orangerie“, die in die Tiefe des Areals führt. Tiefe ist wörtlich zu nehmen, weil zwischen den Bauten eine Senke abgegraben wurde, um als Agora für die Anwesenden zu dienen. Wenn Adolf Loos, Raum als Beziehung zwischen Dingen gesehen hat, ist es hier am IXCAMPUS die Beziehung zwischen den Menschen, die durch die Bauten orchestriert wird. Außen wie Innen werden Räume der Kommunikation auf verschiedenen Ebenen angeboten.
Die Beziehung zwischen den Menschen ist ein wesentlicher Aspekt des Entwurfs, die Beziehung zur Umgebung der andere. Das Areal zeigt sich als Landschaftspark, den Baumschlager Eberle Architekten unter der Prämisse der Angemessenheit in Dialog zu den Gebäuden setzt. Die vertikalen Lamellen der „Grande Orangerie“ stellen die Reihung, das Infinite der menschlichen Arbeit dem gewachsenen Baumbestand gegenüber, die Absenkung der Agora lässt das Gebäude niedriger erscheinen. Der „Incubateur“ setzt auf die strukturelle Ausdruckskraft von addierten Holzrahmen, die das Prinzip des Seriellen durch die Schichtung in die Tiefe ersetzt. Beide Fassaden-Systeme sind auf die städtebauliche Disposition der Bauten abgestimmt und finden dank ihrer Materialität die haptische und visuelle Nähe zum Holz der Bäume. Außerdem spenden sie jenen notwendigen Schatten, den wir heute mehr denn je brauchen.
Holz ist heute ohne Zweifel ein bewährter Sympathieträger, speziell im Inneren. Seine Produktion und Verwendung eröffnet immer noch ein Fenster für Experimente. Am IXCAMPUS haben Baumschlager Eberle Architekten gemeinsam mit den Tragwerksplanern von Bollinger+Grohmann Holzrahmenelemente aus französischer Douglasie entwickelt, die rasch, geräuscharm und kostenbewusst bei laufenden Betrieb des Campus‘ montiert werden konnten. Orientiert am Passivhausstandard wurde auch die Dämmung ökologisch verträglich mit Holzwolle und Stroh ausgeführt. Die Langlebigkeit der neuen Bauten wird auch strukturell unterstützt. Nutzungsneutrale Flächen ermöglichen es, Änderungen im Gebrauch rasch und kostenbewusst zu realisieren.
Dieses bewährte Konzept, die neue Interpretation der Campus-Idee und das Produktionsexperiment mit Holz sind in Saint-Germain-en-Laye von Baumschlager Eberle Architekten gesamtheitlich umgesetzt worden. Darin liegt letztendlich die besondere Stärke des Projekts, das als Ergebnis einen Ort der vielschichtigen Nachhaltigkeit definiert.