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Lechner & Lechner Architects

Wohn- & Atlierhaus Lechner

Die europäische Stadt als Lebensmodell
Julian Höck
Julian Höck
Ort
Salzburg
Gebäudekategorie
Wohn-, Geschäftshäuser
Bauvorhaben
Erweiterung
Jahr der Fertigstellung
2010
Material Fassade
Putz
Architektenpreis
Architekturpreis Land Salzburg 2010
Das Wohn- und Atelierhaus Lechner liegt auf einem nur rund 130 m² großen Grundstück im dicht bebauten historischen Zentrum Salzburgs. Das Projekt versteht die europäische Stadt als Lebensmodell und untersucht, wie sich die Qualitäten eines privaten Hauses – Licht, Freiraum, Garten und Rückzug – mit urbaner Dichte und Nutzungsmischung verbinden lassen. Anstatt Wohnen, Arbeiten und Erholung räumlich voneinander zu trennen, werden diese Funktionen innerhalb eines einzigen Gebäudes vertikal organisiert.

Ausgangspunkt war eine ehemalige Motorradwerkstätte, die bereits in den 1990er-Jahren zu einem Architekturbüro umgebaut worden war. Sie blieb als gewerblich genutzter Sockel erhalten und wurde in den Neubau integriert. Die bestehende industrielle Struktur mit Stahlträgern und massiven Wänden prägt weiterhin den Charakter des Ateliers. Von den vorhandenen Trägern abgehängte, verschiebbare Planschränke gliedern den offenen Raum und ermöglichen unterschiedliche Nutzungen – vom täglichen Bürobetrieb über Besprechungen bis hin zu Ausstellungen und Veranstaltungen.

Der private Wohnbereich entwickelt sich darüber in die Höhe. Mit jedem Geschoss nimmt die Privatheit zu, während gezielt gesetzte Öffnungen immer wieder Bezüge zur umgebenden Altstadt herstellen. Ein wesentliches Entwurfsmotiv ist der Umgang mit dem Außenraum. Trotz des äußerst knappen Grundstücks wurde bewusst darauf verzichtet, die maximal mögliche Geschossfläche auszunutzen. Stattdessen entstanden auf der zentralen Wohnebene großzügige Terrassen, ein intensiv begrünter Dachgarten und Wasserflächen. Das Gebäude lässt sich auf dieser Ebene nahezu vollständig umrunden – eine räumliche Qualität, die gewöhnlich mit einem freistehenden Haus verbunden wird.

Raumhohe Verglasungen und weit zu öffnende Schiebeelemente verbinden Wohnraum und Garten. Im Sommer verschwimmt die Grenze zwischen innen und außen; Vegetation, Wasser, Licht und die umgebenden Dächer werden Teil des Wohnraums. Die Bepflanzung übernimmt dabei nicht nur eine gestalterische Funktion. Bäume, Kletterpflanzen, Pflanztröge und der Dachgarten schaffen Sichtschutz und Privatheit und entwickeln sich über die Jahreszeiten zu einem kleinen urbanen Lebensraum mitten in der dichten Altstadt.

Auch die Materialisierung vermittelt zwischen zeitgenössischer Architektur und historischem Kontext, ohne historische Formen zu imitieren. Helle, mineralische Kalkoberflächen nehmen Bezug auf die Putzfassaden der Salzburger Altstadt; Sichtbeton, Stahl, Holz und Glas werden weitgehend unverkleidet und in ihrer jeweiligen Materialität eingesetzt. Der helle, kompakte Baukörper fügt sich in die bestehende Straßenflucht ein und bleibt zugleich als zeitgenössischer Eingriff ablesbar.

Das Energiekonzept ist integraler Bestandteil dieses Ansatzes. Rund 35 m² Photovoltaikflächen erzeugen über das Jahr bilanziell mehr elektrische Energie, als für Heizung, Haushaltsgeräte und Beleuchtung benötigt wird. Ergänzt wird das System durch eine erdgekoppelte Wärmepumpe und eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Die Verbindung von kompakter Bauweise, bestehender innerstädtischer Infrastruktur, Nutzungsmischung, Begrünung und erneuerbarer Energie versteht das Projekt als Modell für ein ressourcenschonendes Weiterbauen der bestehenden Stadt.

Das Wohn- und Atelierhaus verbindet damit zwei scheinbar gegensätzliche Vorstellungen: die Dichte und Nähe der europäischen Stadt mit den Freiraumqualitäten eines Hauses im Grünen. Nicht das Verlassen der Stadt, sondern die Weiterentwicklung ihrer vorhandenen Strukturen bildet die Grundlage für ein urbanes Wohnen mit kurzen Wegen, Natur, Privatheit und hoher räumlicher Qualität.