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Anderhalten Architekten

Kindertagesstätte Fürstenberger Straße, Berlin

Foto: Werner Huthmacher
Foto: Werner Huthmacher
Ort
Berlin
Gebäudekategorie
Kitas, Kindergärten
Bauvorhaben
Umbau/Sanierung
Erweiterung und energetische Sanierung einer Kindertagesstätte für 180 Kinder   

Der Erweiterungsbau der Kindertagesstätte wandelt den gesichtslosen Altbau zu einem signifikanten, besonderen Baukörper. Der sich parallel zur Grundstücksgrenze in den Blockinnenbereich erstreckende Neubau tritt an der Fürstenberger Straße als  auskragendes Volumen in Erscheinung und bildet hier eine eindeutige Eingangssituation. Die zurückliegende zweigeschossige Bebauung wird hier in der Bauflucht des Blockrandes verankert und ist im Straßenraum weithin erkennbar.
Alt- und Neubau  verbinden sich zu einer  winkelförmigen Baustruktur, die sich nach Süd-Osten öffnet und den begrünten Freibereich einfasst. Die neue Kindertagesstätte vermag das zu leisten, was eine Kita in der Innenstadt Berlins ausmacht: Die Vermittlung zwischen dem Gefahrenpotenzial und der Dynamik der Straße und den großzügigen, ruhigen Grünflächen im Herzen der Blockstruktur.
Die Architektur holt die Kinder an der Straße ab, das Spielgeschehen ist ausschließlich auf den beschützenden Garten ausgerichtet.
Als Schnittstelle zwischen Straße und Garten fungiert ein großzügiges, lichtdurchflutetes Foyer, das gleichzeitig den räumlichen Bezug zum Altbau wie zum Obergeschoss herstellt. Über diesen räumlich- funktionalen Schwerpunkt werden sämtliche Räume linear erschlossen. Die breiten Spielflure regen zum gruppenübergreifenden Arbeiten an. Großräumige Glasausschnitte in den Innentüren erlauben es den Kindern, sich zu orientieren und eigenständig das Geschehen in der Kita zu entdecken. Die erforderlichen Gruppen- und Funktionsräume sind jeweils als flexibel nutzbare Einheit mit direkter Zuordnung der Nebenfunktionen konzipiert. Die räumliche Anordnung der einzelnen Betreuungsgruppen prägt das gartenseitige Erscheinungsbild der Kindertagesstätte. Die Rhythmisierung der Baumassen in vor- und zurücktretende Körper wie das Wechselspiel zwischen Gruppenraum und Terrasse im Obergeschoss des Neubaus erleichtern die Orientierung und dienen der Identifikation der einzelnen Betreuungseinheiten.
Farben wurden bewusst reduziert eingesetzt. Die Böden sind grau, die Wände und Decken weiß. Lediglich die Innentüren und Treppengeländer setzten einen farblichen Akzent in grün. Die Farbe Grün setzt sich im Außenbereich fort, dort wird sie einerseits von der üppigen Vegetation des Gartens aufgenommen und andererseits von dem grünen Terrassenbelag im ersten Obergeschoss.  

Konstruktion und Material (Neubau)

Der Erweiterungsbau wird als nichtunterkellerter, zweigeschossiger Baukörper ausgeführt. Die Rohbaukonstruktion erfolgt als rationelle Stahlbetonkonstruktion. Die Bodenplatte wird auf Streifenfundamenten gegründet, die Decken sind mit akustisch wirksamen Abhangdecken verkleidet. Sämtliche Wände werden als tragende Scheiben aus Blähtonelementen gemauert.
Die Außenwände werden mineralisch und mit farbigen, witterungsbeständigen Paneelen bekleidet. Das Obergeschoss erhält eine kontrastierende Verschalung aus Lärchenholz. Sämtliche Fenster werden isolierverglast in Holzrahmen ausgeführt. Die Terrassen erhalten einen Plattenbelag. Die aus den umliegenden Wohnungen einsehbaren Dachflächen werden extensiv begrünt. Sämtliche Einbaumöbel werden als lasierte Schichtholzbauteile ausgeführt. Innentüren, die zu von den Kindern genutzten Räumen führen, sind hellgrün, die restlichen Innentüren sind weiß. Die Böden aller Gruppen-, Funktionsräume und Flur sind mit Linoleum belegt.
Die notwendige Verschattung erfolgt über einen außenliegenden Sonnenschutz.


Umbaumaßnahmen (Altbau)

Der Altbau wird in seiner tragenden Grundstruktur erhalten, lediglich die Treppe und der Aufzug werden neu organisiert. Die Außenwände werden durch eine zusätzliche außenliegende Mineralwolledämmung an die Anforderungen der geltenden Energiesparverordnung angepasst. Die Oberfläche wird mit einem mineralischen Glattputz versehen. Die Fenster werden analog zum Neubau ausgeführt. Die Wahl der Boden- und Wandoberflächen folgt wie die der Einbaumöbel und Türen der Materialpalette des Neubaus.


Maßnahmen zu Energie- und Wasserkonzept

Heizung
Im Zuge der Erweiterung der Kindertagesstätte wird die Gebäudeheizung und -energieversorgung neu konzipiert. Die Kindertagesstätte wird durch eine Fußboden-Flächenheizung beheizt, welche durch eine Sole/Wasser-Wärmepumpe versorgt wird. In einem hocheffizienten Verfahren wird dem Erdreich über einen Solekreislauf (Erdlanzen) Wärme entzogen und anschließend mit einer Wärmepumpe auf ein verwertbares Temperaturniveau von 35°C/28°C angehoben. Ein zusätzlicher Raum für die Wärmepumpen wird im Keller zur Verfügung gestellt.
Es werden von der erforderlichen Heizlast ca. 60 % durch die Wärmepumpe als Heizleistung bereitgestellt. Dabei werden ca. 90 % der jährlich erforderlichen Wärmeenergie erzeugt. Die vorhandene Kesselanlage wird zur Deckung der Spitzenlast im Winterfall, sowie im Sommer zur Erzeugung von Warmwasser benutzt und bleibt daher erhalten. Hierdurch wird neben der außergewöhnlichen Energieeffizienz durch hohe Wirkungsgrade im Hinblick auf den Primärenergieeinsatz, auch eine hohe Wirtschaftlichkeit der Investitionskosten bezüglich der Betriebskosten erreicht.
Es kommen 8 vertikale Lanzen von je 100 m Tiefe zum Einsatz, die unter Berücksichtigung der Freiflächengeometrie im Garten verteilt wurden.

Regenwassernutzung
Die Dachflächen werden teilweise begrünt. Da anfallende Regenwasser wird in Zisternen gesammelt und über eine separate Leitung für die Spülung der WCs genutzt (Grauwasser). Hierdurch lässt sich der Wasserverbrauch erheblich reduzieren.  


Freiflächenkonzeption

Die Grundstruktur des Außenraums der Kindertagesstätte Fürstenberger Straße mit der großen Wiese und dem parkartigen Baumbestand wird bewahrt. Wiese und Bäume werden als freiräumliche und raumbildende Strukturen in dem Entwurf gestärkt und herausgearbeitet. Die große, offene Wiese ist die ruhige zentrale Fläche des Grundstücks; belebt durch die Aktionen der Kinder und die Feste der Gemeinschaft. Ein Rundweg mit einem modellierten Fahrparcour rahmt und akzentuiert das Grün. Die Rasenfläche setzt sich deutlich zu den Randbereichen ab. Dort befinden sich wie in einer zweiten Schale die kammerartigen Sonderflächen mit Sand, Felsen und Wasserspiel, die Experimentierfläche zum Bauen und Graben sowie die grünen Zimmer vor den Gruppenräumen des Neubaus. Rückzugs- und Ruhebereiche rhythmisieren diese Zone. Wälle trennen die auf unterschiedlichen Niveaus gelegenen Sonderflächen und schaffen eine bewegte Spiellandschaft.

Den im Winkel stehenden Gebäuden ordnet sich als äußere Verbindungszone zwischen den Gruppenräumen eine durchgehende Terrasse zu. Vor dem Altbau mit den Gruppenräumen für die älteren Kinder schließt unmittelbar der Parcour an den Terrassenbereich an. Die grünen Zimmer der Kleinkindgruppen besitzen geschwungene Bänke und Hochbeete für kindgerechte Pflanzaktionen.

Der Eingangsbereich ist funktional organisiert: Neben dem Entree befinden sich Fahrradstellplätze, der jetzige Haupteingang des Altbaus dient der Anlieferung und über ein Tor in der Ostecke des Grundstücks wird die Müllentsorgung abgewickelt. Zur Straße wird das Gelände durch einen Zaun begrenzt.

Die Farbigkeit der Materialien ist zurückhaltend und abgestimmt auf das Grün des Gartens. Der Tartanbelag des Rundweges setzt einen kräftigen Akzent und nimmt die Farbe des Terrassenbelags im Obergeschoss des Neubaus auf. Die ineinandergreifende Anordnung der Spielkammern fördert den Spielfluss und die Interaktion. Die Flächen sind so organisiert, dass sich das Sandspiel der Kleinkinder dem Neubau zuordnet und der Parcour dort an den Terrassenbereich andockt, wo die älteren Kinder mit ihren Rädern einen unmittelbaren Zugang haben.

Bauherr: Kindergärten City, Eigenbetrieb von Berlin
Planungs- und Bauzeit: 2009-2011
HNF 1.250 m2
BGF 2.390m²
Baukosten: 3,35 Mio €
LPH 2-9

Eröffnung 29. August 2011
Kapazität 180 Betreuungsplätze

Entwurf:
Prof. Claus Anderhalten
Anna-Katharina Neff

Projektleiter:
Wolfgang Schöning

Projektteam:
Anna-Katharina Neff
Marek Sander

Bauleitung:
Marek Sander