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Gedenkorte im Mühldorfer Hart, DE

Zusammenhänge verstehen - gegen das Vergessen
Gedenkort Mühldorfer Hart 2018 | © Nikolai Benner
Gedenkort Mühldorfer Hart 2018 | © Nikolai Benner
Ort
Mühldorfer Hart
Gebäudekategorie
Dokumentationszentren, Gedenkstätten
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2018
Architektenpreis
1. Preis im Einladungswettbewerb 2012
Die Bunkerbaustelle in dem Waldstück nahe der oberbayerischen Kleinstadt Mühldorf war das zweitgrößte Außenlager des KZ Dachau und forderte gegen Ende des II. Weltkrieges mehr als 5000 Menschenleben. Drei Gedenkorte, „Waldlager“, Massengrab“ und „Rüstungsbunker“ sollen stellvertretend für ein komplexes System aus Luft- und Schienenverkehr, Produktions- und Lagerstätten, Baubaracken, Häftlingslagern und Gräbern, an Zwangsarbeit, Überleben und Tod der Häftlinge erinnern.
Von den Alliierten gesprengt und vom Wald zurückerobert, sind die Reste dieser Vergangenheit ohne zusätzliche Information unverständlich. Durch die Überlagerung des Vorhandenen mit einer neuen abstrakten Ebene wird an das Vergangene erinnert und Unerklärliches verständlich gemacht. Das eigentliche Verstehen erfolgt über die bewusste Wahrnehmung des Gesehenen, einfacher räumlicher Interventionen und auf das Wesentliche reduzierter Sachinformation. Dabei verdeutlicht die Wiederholung von Elementen und Informationen die Austauschbarkeit der Orte in Bezug auf ihren historischen Kontext.
Folgerichtig sind die neuen Elemente keine Rekonstruktionen. Es sind Medien mit höchstem Anspruch an Ausprägung und Material. Sie verwenden bewusst die charakteristischen Materialien der Bunkerbaustelle: Beton und, eher reduziert für textliche Darstellungen, Stahl.

Alle drei Gedenkorte erzählen dieselbe Geschichte auf unterschiedliche Weise und sind Teil eines übergeordneten Netzes.

Der „Gedenkort Waldlager VI“ steht exemplarisch für mehrere Lager, in denen Häftlinge unter den unmenschlichsten Bedingungen leben mussten. Durch Entnahme von Bewuchs werden Hauptachsen und Grenzen wie auch die Erdhütten des Winterlagers sichtbar und vermitteln eine Ahnung von der großen Ausdehnung des Lagers. Erinnerungssteine markieren Wachtürme und Tore. Der Weg beginnt mit dem Informationsraum auf Höhe des alten Lagertors, verläuft zunächst auf der früheren Wegeachse, dann nach Süden abknickend zu den Erdhütten mit Latrine und nach Norden abknickend zum ehemaligen Appellplatz. Weiße Markierungen auf den Stämmen lassen den heute überwachsenen Appellplatz sichtbar werden.

Der „Gedenkort Massengrab“ umfasst zwei der wenigen noch ablesbaren Massengräber. Er liegt heute friedlich im Wald und steht doch für zahllose wahllos verscharrte Tote – eine Dimension, die kaum zu vermitteln ist. Eine Lichtung aus gekappten Bäumen entzaubert den Ort, konfrontiert den Besucher mit einem unerwarteten schockierenden Bild: Die 1,70 hohen Baumstümpfe stehen stellvertretend für die Opfer und den Wahnsinn eines verbrecherischen Systems.

Der „Gedenkort Rüstungsbunker“ ist noch nicht ausgeführt. Der nach der Sprengung stehengebliebene siebte Bunkerbogen ist das markanteste Relikt im Mühldorfer Hart. Ein auf den Resten des fünften Bogens aufgelagerter Stahlsteg soll nach Fertigstellung auch dieses Gedenkortes einen Überblick über die Dimensionen des Trümmerfeldes geben: ehemals zentraler Ort des geplanten Rüstungswerks und Anlass für Zwangsarbeit und Massensterben.

Planung und Realisierung der Teilabschnitte ‚Waldlager‘ und Massengräber‘: 2013 – 2018
Auftraggeber: Stiftung Bayerische Gedenkstätten
Gesamtfläche: 100 Hekta