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TRU ARCHITEKTEN

Raum der Information am Ehrenmal der Bundeswehr

Foto: Werner Huthmacher
Foto: Werner Huthmacher
Ort
Berlin
Gebäudekategorie
Museen, Galerien, Kunsthallen, Dokumentationszentren
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2018
Material Fassade
Beton
Raum der Information am Ehrenmal der Bundeswehr
 
Der Raum der Information ergänzt als eigenständiges Gebäude das Ehrenmal der Bundeswehr, das  2009 auf dem Gelände des Bundesministeriums der Verteidigung als Gedenkort für die in Ausübung ihres Dienstes verstorbenen militärischen und zivilen Angehörigen der Bundeswehr errichtet wurde.
 
Im Raum der Information werden einzelne Todesfälle und Todesumstände im Kontext der Geschichte der Bundeswehr und ihrer Aufgaben dargestellt.  Die Besucher werden an unterschiedliche Formen des Gedenkens seit der Gründung der Bundeswehr herangeführt. An Hörstationen kommen Hinterbliebene und Angehörige der Bundeswehr zu Wort, sie sprechen über Verlust und Trauer.
 
Das Gebäude
Der Raum der Information ist als städtebauliche und architektonische Ergänzung zum Ehrenmal der Bundeswehr konzipiert. Das Gebäude wahrt zwar räumlichen Abstand zum Ehrenmal, nimmt jedoch die Gebäudetiefe und die Materialität des Ehrenmals auf und schafft so mit dem Ehrenmal ein Ensemble, das Gedenken und Information architektonisch verbindet.
 
Während das hohe Ehrenmal mit seiner perforierten Metallfassade eine transparente Wirkung hat, wirkt der eingeschossige Raum der Information monolithisch und dank seiner geschlossenen Wandflächen aus fein strukturiertem Sichtbeton in seiner äußeren Gestalt zurückhaltend. Eine Dachträgerstruktur aus weißen Sheddächern überspannt den Ausstellungsraum. Außerhalb des Dachs sind zwei Innenhöfe eingeschnitten: der wahlweise zur Straße oder zum Paradeplatz hin offene Eingangshof und der am anderen Ende des Bauwerks gelegene Innenhof.
 
Der Eingangshof bildet den Übergang vom öffentlichen Raum zum Ausstellungsgebäude. Von hier eröffnet sich den Besuchern eine neue Perspektive auf das Ehrenmal,  bevor sie den Raum der Information betreten. Der Ausstellungsraum wird durch zwei quergestellte Einbauten in drei Bereiche gegliedert. Im Eingangsbereich führen Zitate unterschiedlicher Personen zur gesellschaftlichen Bedeutung des Ehrenmals an die Thematik der Ausstellung heran. Im Hauptraum wird auf hinterleuchteten Glasbändern in den beiden Längswänden - dem „Zeitstrahl“ -  ein chronologischer Abriss zu den Themenbereichen „Geschichte“, „Tod und Unglück“ und „Gedenken“ vermittelt. Eingestellt in diesen Raum sind vier Sitzelemente mit integrierten Vitrinen für am Ehrenmal hinterlegte Objekte. Der dritte Raum enthält Hörstationen mit Stimmen von Familienangehörigen, Kameraden und Freunden. Der Blick auf eine mehrstämmige Hainbuche im Innenhof lädt zum stillen Verweilen ein. Hier finden die Besucher einen Ort für ihre persönlichen Gedanken über Tod, Unglück und Trauer.
 
Konstruktion und Materialien
Der Baukörper besteht aus einschaligen Sichtbetonwänden mit glatter, feiner Oberflächenqualität, zwischen denen Dachträger in Form freitragender Sheddach-Elemente aus Stahl spannen. Die Dachkonstruktion konnte mit insgesamt 10 cm Aufbauhöhe extrem flach ausgeführt werden, so dass eine filigrane Anmutung mit einer gleichmäßigen Lichtsituation für den Ausstellungsbereich entsteht. Zehn Millimeter dicker Flachstahl wurde oberseitig mit einer Polyurethan-Beschichtung abgedichtet und unterseitig mit einer aufgespritzten Dämmung versehen. Zum Innenraum ist die Konstruktion mit einer raumakustisch wirksamen mikroperforierten Metalldecke verkleidet. Im Innenraum entsteht über die verglasten Sheddächer eine gleichmäßige Lichtsituation für den Ausstellungsbereich. Wenn das Tageslicht abnimmt, wird über verdeckt liegende LED-Leisten in den Sheddächern künstliches Licht zugeschaltet.
 
In die auf beiden Längsseiten bündig eingelassenen und hinterleuchteten Ausstellungsflächen des Zeitstrahls sind Bildschirme integriert, auf denen Ausstellungsinhalte als Slideshows und Animationen präsentiert werden. Der Verzicht auf Heizung und Klimatisierung stellt eine besondere  technische Herausforderung für das Ausstellungsgebäude dar. Dafür ist ein sehr spezifisches bauphysikalisches Konzept mit einer natürlichen Belüftung des Zeitstrahls und automatisch gesteuerten Lamellenfenstern zur Raumbelüftung über die Sheddach-Verglasungen entwickelt worden.
Der Boden ist als heller Terrazzo ausgeführt, die eingestellten Raumteiler sind mit Eichenholzfurnier belegt und geben dem Raum Struktur und Wärme. Der Eingangshof kann über zwei Tore wechselseitig zur Hildebrandstraße oder zum Paradeplatz geöffnet werden. Die Tore sind in Anlehnung an das Metallkleid des Ehrenmals mit Baubronze belegt und wurden in einem besonderen Stanz-Verfahren  mit dem Eisernen Kreuz der Bundeswehr versehen.