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ARCHITECTS COLLECTIVE

Weingut Nett

Japan trifft Wien in der Pfalz
© photos Rui Camilo / © Architects Collective
© photos Rui Camilo / © Architects Collective
Ort
Neustadt an der Weinstraße
Gebäudekategorie
Gewerbebetriebe, Produktionsgebäude, Lagerhallen
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2018
Material Fassade
Holz
Leicht, modern, großzügig und repräsentativ liegt der Bau für das Weingut Bergdolt-Reif & Nett in der Pfalz: Zwei langgestreckte Hallen verbunden durch eine überdachte Passage wirken wie ein geometrischer Rochen, der sich über der Landschaft entfaltet. In dessen Inneren reifen auf 4.500 m² die Weine des erfolgreichen deutschen Weingutes. Mit Anspruch an höchste Qualität beauftragten die Winzer Christian und Katja Nett einen kompletten Neubau, in dem sowohl die gesamte Produktion als auch Verkauf, Lager, Büro und Wohnraum untergebracht sein würden. In Architects Collective aus Wien fanden sie die Partner, die ihre Vision eines Weingutes der Zukunft effizient,
ökologisch und anspruchsvoll planten und umsetzten.

Innovativer Neubau aus Holz
Die Aufgabe war ein Neubau mit erstaunlichen Ausmaßen von 60 Mal 80 Metern, der die gesamten Produktionsabläufe des Weinguts mit Lager, Verkaufsbereich sowie Büro samt Wohnung für die Winzerfamilie unter einem Dach beherbergen soll. Werden traditionellerweise Weinkeller in massiven Gemäuern vergraben oder – wie in den letzten Jahrzehnten – als industrielle Stahlhalle errichtet, haben die Architekten bei diesem Projekt die Vorzüge beider Ansätze verbunden: Eine in Leichtbau ausgeführte Außenhülle aus Holz umspannt hier einen massiven Innenausbau aus Bims-Beton. Der Einsatz dieser ökologisch hochwertigen Baumaterialien nimmt Bezug auf die erlesenen Lebensmittel, die hier produziert werden, und wirkt sich darüber hinaus nachhaltig auf den Lebenszyklus des Gebäudes aus.

Japanisches Teehaus trifft Wiener Moderne
Das in eine Kulturlandschaft aus Weingärten, Acker- und Wiesenflächen eingebettete Weingut erscheint auf den ersten Blick minimalistisch auf seine Materialien bezogen. Mit den drei markanten Sheds am Dach, die Licht und Luft ins Innere lassen, lehnt sich die Gebäudeform an einem japanischen Teepavillon an, der unverhofft auf die Wiener Moderne trifft. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die sehr spezielle Behandlung der großflächigen Holzaußenwände in Shou-Sugi-Ban, einer jahrtausendealten japanischen Holztechnik, bei der die Oberfläche durch Ankohlen geschützt wird. Die durch Bürsten und Ölen weiterentwickelte Holzbehandlung macht die bis zu fünf Meter langen Bohlen äußerst beständig und verleiht ihnen eine imposante Oberflächenästhetik.

Produktion und Typologie
Diese außergewöhnliche Architektur hat eine sehr pragmatische Funktion – sie stülpt sich über das eigentliche Herzstück des Weingutes: Den typologischen Ablauf der Weinproduktion im Winzerjahreskreis. Der exakt darauf zugeschnittene Grundriss des Gebäudes erfasst alle Produktionsabläufe in zwei langgestreckten Hallen und einer dazwischenliegenden, überdachten Passage. Die westliche Halle besteht aus dem Verkaufs- und Bürobereich, der sowohl Einblicke in den Fassraum als auch einen Panorama-Ausblick in Richtung Mandelberg freigibt. Direkt angrenzend befinden sich der Holzfassraum und die Weintankhalle und in Richtung Süden der Wohnbereich der Winzerfamilie. Die östliche Halle besteht aus Flaschenlagern und anderen Lagerbereichen. Dazwischen befindet sich die multifunktional nutzbare Passage, in der temporär saisonale Arbeiten wie Pressen, Maischegärung, Vorklärung oder mobile Abfüllung stattfinden können.

Konstruktion
Die Tragstruktur der Hallen besteht aus 32 Stück Brettschichtholzträgern, die sich stützenfrei in Spannweiten von bis zu 25 Metern über den riesigen Komplex erstrecken, sodass alle Flächen völlig frei gehalten werden. So ist auch in Zukunft eine flexible Raumgestaltung bei geänderter Nutzung möglich.
Über alles stülpt sich eine Hülle aus hochwärmegedämmten Dach- und Wandelementen aus Holz. Im Zusammenspiel mit dem nichttragenden Bims-Beton als klimatischer Speicher wird ein ausgezeichneter Energiestandard erreicht. Die in Richtung Süden und Norden großzügig auskragenden Vordächer ermöglichen, dass darüber hinaus auch Arbeiten draußen – bei jeder Wetterlage – geschützt verrichtet werden können.

Projektdaten
Bruttogeschossfläche 4.500 m²
Umbauter Raum 30.000 m³
Bauwerkskosten € 3.000.000
Rebfläche 37 ha
Flaschen 400.000
Planung 2014 – 2015
Bauzeit 2016 – 2017
Bauherr Weingut Bergdolt-Reif und Nett
Dudostrasse 24, D-67435 Duttweiler
www.weingut-brn.de
Architektur Architects Collective ZT-GmbH
Ungargasse 59 - 61, A-1030 Wien
www.ac.co.at

Objektüberwachung Frigo Construction GmbH /www.frigo-construction.de
Holzsystem-Bau WIEHAG GmbH / www.wiehag.com
Rohbau Burgey Bau GmbH /www.burgey.d