Zurück zur Startseite
Gerber Architekten

Biologicum der Goethe-Universität, Frankfurt a.M.

In den 1970er Jahren wurde auf dem Riedberg im Nordwesten Frankfurts ein Gebäude für den Fachbereich Chemie der Goethe-Universität errichtet. Seitdem entwickelt sich der Campus, mit allem, was zum Forschen und Studieren an Infrastruktur und moderner Technik dazugehört. Im Dezember 2011 wurden drei weitere Neubauten eingeweiht. Das neue Biologicum, das Buchmann Institute for Molecular Life Sciences und das zentrale Hörsaalgebäude mit einer naturwissenschaftlichen Bibliothek, das Otto-Stern-Zentrum. Entwurf, Projektplanung und Ausführung aller drei Gebäude stammen von  Gerber Architekten, Dortmund.

Mit der Verlagerung der universitären Biowissenschaften und des Max-Planck-Instituts (MPI) auf den Campus Riedberg der Goethe-Universität wird eine synergetische Zusammenarbeit in Forschung und Lehre mit einem positiven Effekt für die Universität initiiert. Am Westrand des neuen Campus ist auch für die Biologen ein neuer Standort der Forschung und des Studiums entstanden, der die verschiedenen Institute nun unter einem Dach vereint. Die Forschungsaktivitäten des neuen Biologicums reichen von den klassischen Gebieten der Zoologie und Botanik bis hin zu den zellulären und molekularen Biowissenschaften. Entstanden sind hochwertige Laboreinrichtungen mit einem Tierhaus.

Das Biologicum gliedert sich in vier Riegel, die kammartig an eine Magistrale anschließen und auf etwa 10.000 Quadratmetern Hauptnutzfläche Platz für die zwölf forschenden Institute bieten. Zum Programm zählen zudem Hörsäle, Kursräume, Seminarzonen und eine Cafeteria. Das Tierhaus ist an der Ostseite des Gebäudes angegliedert.

Der Haupteingang liegt im Erdgeschoss des ersten Riegels an der Max-von-Laue-Straße. Nach dem Eintritt öffnet sich der Blick durch die Erschließungsachse nach Süden auf die Frankfurter Skyline, während sich an den Flurenden der einzelnen Institute  Ausblicke nach Westen zu den Bergen des Taunus bieten.
Durch die Kammstruktur bilden sich zudem drei Innenhöfe, die in der Bepflanzung unterschiedliche Themen der Botanik aufgreifen und mit Wegen und Sitzgelegenheiten gestaltet sind, die zum Verweilen und zum interdisziplinären Austausch einladen.
Der Lehrbereich im Biologicum ist von den abgeschlossenen Institutsbereichen getrennt. Die Riegel nehmen in den drei oberen Geschossen die Forschungsinstitute mit erhöhten Sicherheitsanforderungen auf. Sie sind zweibündig organisiert, mit Büros nach Süden und Laboren in Kombination mit vorgelagerten Nebenräumen gegenüberliegend nach Norden. Innerhalb dieser Grundeinheiten sind  flexible Anordnungen der Labore möglich, um auf aktuelle und zukünftige Bedarfe der Lehre und Forschung an Drittmittelprojekten reagieren zu können. Das Grundraster basiert auf dem für Laborgebäude gebräuchlichen Vorzugsraster von 1,20 m.

Vor dem Zugang der Institute an der Erschließungsachse befinden sich die Räume für die Masterstudierenden und Praktikumsräume, die einerseits direkte Verbindung zu den Instituten und andererseits im öffentlichen Studentenbereich so ihre sinnvolle Lage haben. Hier sind ebenfalls die über alle Geschosse gleich ausgebildeten Vertikalelemente wie Installationsschächte, Treppen und Aufzüge sowie die Instituts- zugehörigen WC-Anlagen angeordnet. Die gesamte vertikale Technikversorgung erfolgt über diese zentral angeordneten Schächte. Die Schächte verbinden die auf dem Dach angeordnete Technikzentrale mit der im 2. Untergeschoss, in der sich die allgemeinen Technikräume wie Sanitärzentrale, Heizzentrale, Gas- und Medienstation, sämtliche elektrotechnischen Versorgungsräume sowie die Lüftungszentrale für die Zuluft befinden.
Die Dachtechnikzentralen nehmen im Wesentlichen die Lüftungszentralen für Abluft und die Kältezentrale auf. Die Unterverteilung in den Geschossen selbst erfolgt als  freie und offene Leitungsführung unterhalb der Decken in den Laborzonen.
Die studentischen Lehr- und Übungsräume befinden sich im Erdgeschoss und werden unter Nutzung der nach Süden abfallenden Topografie in einem Untergeschoss weitergeführt.
Die Fassaden aus großformatigen Betonelementen mit betonten senkrechten Fugen vor den Laboren und Büros ziehen sich wie ein Band um das gesamte Gebäude und wirken mit wenigen stehenden Fensterformaten weitgehend geschlossen. Die introvertierten Bereiche zu den grünen Innenhöfen sind dagegen als verglaste Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgeführt. Insgesamt beträgt der Glasanteil der Außenwände weniger als 40 Prozent, so dass den heutigen energetischen Forderungen Rechnung getragen werden kann.

Die Magistrale ist nach Westen verglast, und die Höfe zwischen den Gebäuderiegeln sind vom Erd- bis zum Obergeschoss offen, so dass die Aussicht zum Taunus erlebbar bleibt. Im Untergeschoss sorgen dagegen transparent gestaltete Querriegel für eine unmittelbare Beziehung zu den Gartenhöfen.

Das Biologicum ist mit dem benachbarten Buchmann Institute for Molecular Life Sciences über eine gläserne Brücke im zweiten Obergeschoss verbunden.