Zurück zum Profil
STUDIO SF

Neubau eines Verwaltungsgebäudes in Holz-Hybrid Bauweise für Kyocera Fineceramics

Ben Van Skyhawk
Ben Van Skyhawk
Ort
Mannheim
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2025
Material Fassade
Holz
Für die Kyocera Fineceramics Europe GmbH wurde auf einem gewachsenen Industrieareal ein neues Verwaltungsgebäude in Holz-Hybridbauweise realisiert. Der Neubau führt Büro-, Verwaltungs- und Kommunikationsfunktionen in einem nachhaltigen und langfristig anpassungsfähigen Gebäudetypus zusammen und bildet den organisatorischen sowie architektonischen Mittelpunkt des Standorts.
Ausgangspunkt der Planung waren der zusätzliche Flächenbedarf eines international wachsenden Unternehmens und das Entwicklungspotenzial des bestehenden Areals. Im Rahmen einer übergeordneten Standortplanung wurde das Gelände als Campus neu organisiert. Bestehende Gebäude wurden in die neue Struktur eingebunden, während zugleich die Voraussetzungen für zukünftige Erweiterungen geschaffen wurden. Kurze und direkte Wege verbinden die unterschiedlichen Nutzungsbereiche und ermöglichen eine flexible Weiterentwicklung des Standorts.
Die Maßnahme umfasste neben den Neubauten auch eine umfassende Neuerschließung des Areals mit neuer Infrastruktur, Verkehrsflächen und Außenanlagen. Sämtliche neuen Gebäude wurden in Holzbauweise errichtet. Das Verwaltungsgebäude übernimmt innerhalb des Ensembles eine exemplarische Rolle als Holz-Hybridbau und verbindet die Vorteile des nachwachsenden Baustoffs mit den konstruktiven und funktionalen Anforderungen eines modernen Bürogebäudes.
 
Der viergeschossige, kompakte Baukörper besitzt einen nahezu quadratischen Grundriss und setzt mit seiner klaren Gliederung einen präzisen architektonischen Akzent innerhalb des industriell geprägten Umfelds. Das Erdgeschoss bildet die Adresse des Unternehmens. Hier befinden sich der zentrale Eingang, der Empfang, administrative Bereiche sowie Besprechungs- und Konferenzräume. Als kommunikative Schnittstelle verbindet diese Ebene die unterschiedlichen Unternehmensbereiche und schafft einen repräsentativen Ankunftsort für Mitarbeitende, Gäste und Geschäftspartner.
In den Obergeschossen sind die Büroflächen U-förmig um eine zentrale Erschließungs- und Funktionszone angeordnet. Diese kompakte Organisation ermöglicht kurze Wege zwischen den Arbeitsbereichen und eine wirtschaftliche Nutzung der Flächen. Ein durchgängiges, optimiertes Planungs- und Ausbauraster bestimmt die Grundrissstruktur und setzt sich in der Gliederung der Fassaden fort. Dadurch lassen sich unterschiedliche Büroformen realisieren und die Räume langfristig an veränderte Arbeitsweisen und betriebliche Anforderungen anpassen.
Das Tragwerk ist als Holz-Hybridkonstruktion ausgebildet. Über einem Erdgeschoss aus Stahlbeton erheben sich drei Obergeschosse aus vorgefertigten Holzelementen. Brettstapelwände und Holz-Beton-Verbunddecken bilden die wesentlichen konstruktiven Elemente. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglichte eine präzise Ausführung und einen effizienten Bauablauf. Gleichzeitig reduziert der Einsatz von Holz den Anteil ressourcenintensiver Baustoffe und trägt zur langfristigen Bindung von Kohlenstoff im Gebäude bei.
 
Die Konstruktion bleibt in weiten Teilen sichtbar und prägt gemeinsam mit großzügigen Raumhöhen und natürlichen Materialien die Atmosphäre der Innenräume. Die offene Ablesbarkeit des Tragwerks vermittelt die Konstruktionsweise unmittelbar und schafft eine warme, hochwertige Arbeitsumgebung. Trotz der vergleichsweise leichten Bauweise wird durch eine speziell entwickelte Masse-Feder-Masse-Konstruktion ein hoher Schallschutz zwischen den Nutzungseinheiten erreicht.
 
Die Fassaden greifen das konstruktive und funktionale Raster des Gebäudes auf. Versetzt angeordnete Wandscheiben aus Holz und horizontal verlaufende Stahlrandträger strukturieren die Gebäudehülle und verleihen dem kompakten Baukörper eine ruhige, differenzierte Erscheinung. Die klare Fassadengliederung verbindet die industrielle Präzision des Unternehmens mit der Materialität und Ausdruckskraft des Holzbaus.
Ergänzend zum Gebäude wurden die Außenanlagen des Campus neu gestaltet. Versiegelte Flächen wurden reduziert, Retentionsbereiche zur Rückhaltung und Versickerung von Niederschlagswasser integriert und neue Aufenthaltsbereiche für die Mitarbeitenden geschaffen. Die Freiraumgestaltung unterstützt die klare Orientierung auf dem Gelände und verbindet die unterschiedlichen Gebäude zu einem zusammenhängenden Ensemble.
 
Mit dem neuen Verwaltungsgebäude erhält der Standort eine identitätsstiftende Mitte. Architektur, Konstruktion, Freiraum und Erschließung greifen ineinander und bilden eine robuste Grundlage für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Der Neubau zeigt, wie sich die Anforderungen eines international tätigen Industrieunternehmens mit einer ressourcenschonenden Bauweise, flexiblen Arbeitswelten und einer präzisen architektonischen Gestaltung verbinden lassen.