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Zechner & Zechner ZT GmbH

Quadrill Tabakfabrik Linz

Landmark und urbaner Katalysator im historischen Industrieensemble der Tabakfabrik Linz
Pierer.net
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Ort
Linz
Gebäudekategorie
Sonstiges
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2026
Material Fassade
Metall
Mit der Fertigstellung des QUADRILL erhält die Tabakfabrik Linz einen markanten neuen Stadtbaustein. Zechner & Zechner Architekten ergänzen das denkmalgeschützte Industrieensemble von Peter Behrens und Alexander Popp um ein hybrides, gemischt genutztes Quartier, das historische Substanz, öffentliche Räume, Arbeitswelten, Wohnen, Hotel, Gastronomie und Freizeitangebote zu einer neuen urbanen Einheit verbindet.
Nach rund neun Jahren Entwicklungs-, Planungs- und Bauzeit ist das QUADRILL nun fertiggestellt und in Betrieb gegangen. Das Projekt, das von der BODNER-Gruppe aus Kufstein entwickelt wurde, markiert einen wesentlichen Schritt in der Transformation der Tabakfabrik Linz vom ehemals abgeschlossenen Produktionsstandort zu einem offenen, durchlässigen und vielschichtigen Stadtquartier.
Der 1935 realisierte Bau der Tabakfabrik Linz gilt als erstes Stahlskelettgebäude Österreichs und als bedeutendes Beispiel der Neuen Sachlichkeit. Seit dem Erwerb des rund 38.000 Quadratmeter großen Areals durch die Stadt Linz im Jahr 2010 entwickelte sich die Tabakfabrik sukzessive zu einem Zentrum für Kreativwirtschaft, Digitalisierung und Innovation. Mit dem QUADRILL wird diese Entwicklung räumlich, funktional und städtebaulich weitergeführt.
Städtebauliche Neuordnung und Öffnung des Areals
Das von Zechner & Zechner nach einem einstimmigen Wettbewerbsentscheid 2017 geplante Ensemble bildet den neuen Kopfbau der Tabakfabrik und fungiert als Schnittstelle zwischen historischem Bestand und Stadt. Die ehemals introvertierte Fabrikstruktur wird gezielt geöffnet und in einen durchlässigen urbanen Stadtbaustein überführt.
Entlang der Gruberstraße markiert ein großzügig ausgebildetes Entrée den neuen Zugang zum Quartier. Es fungiert als Verteiler, Ankunftsraum und städtebauliches Scharnier zwischen der Tabakfabrik, der Unteren Donaulände und dem umliegenden Stadtraum.
Die volumetrische Setzung reagiert sensibel auf den historischen Kontext: Niedrigere Baukörper vermitteln zum Bestand, während die Höhenentwicklung nach Nordwesten ansteigt und im 109 Meter hohen Quadrill Tower kulminiert. Als vertikales Pendant zum horizontal ausgedehnten Behrens-Trakt etabliert sich der Turm als weithin sichtbares neues Landmark im Stadtgefüge von Linz.
Zwei Ebenen, ein zusammenhängender Stadtraum
Ein zentrales Entwurfsmotiv des QUADRILL ist die Ausbildung eines durchgängigen öffentlichen Raumsystems auf zwei Ebenen. Neben dem Stadtniveau mit dem sogenannten Behrensplatz entsteht mit dem „Behrensband“ auf Ebene des ersten Obergeschoßes eine zweite, erhöhte Freiraumschicht.
Diese Dachlandschaft ist weit mehr als reine Erschließung. Sie verbindet die vier Baukörper miteinander, bindet den historischen Bestand räumlich ein und schafft einen öffentlich nutzbaren Aufenthaltsraum mit hoher Qualität. Treppenanlagen und tribünenartige Elemente verzahnen die Ebenen miteinander und erzeugen vielfältige Blick-, Bewegungs- und Nutzungsbeziehungen.
So entsteht ein vielschichtiger Stadtraum, der Erschließung, Aufenthalt und Programm nicht voneinander trennt, sondern zu einem zusammenhängenden urbanen Gefüge verbindet.
Hybride Nutzung als Modell zeitgenössischer Stadtentwicklung
QUADRILL steht für eine zeitgenössische, hybride Stadtstruktur. Anstelle monofunktionaler Zonierungen setzt das Projekt auf eine vertikale und horizontale Überlagerung unterschiedlicher Nutzungen. Rund 1.000 Arbeitsplätze und etwa 180 Wohnungen bilden gemeinsam mit Hotel, Gastronomie, Einzelhandel, Fitness- und Veranstaltungsflächen ein dichtes, gemischt genutztes Quartier.
Im Zentrum des Ensembles steht der Quadrill Tower, das höchste Büro- und Hotelgebäude Österreichs außerhalb Wiens. Der Turm umfasst 189 Hotelzimmer auf acht Ebenen, 15 Geschoße mit flexibel nutzbaren Büroflächen sowie ein öffentlich zugängliches Sky-Restaurant mit Bar und Terrasse. Von hier aus wird die Skyline von Linz unmittelbar erlebbar.
Die Innenraumgestaltung des Hotels unter der Leitung von Monika Breu ergänzt die architektonische Gesamtidee um eine präzise ausgearbeitete atmosphärische Ebene.
Die Erdgeschoße und ersten Obergeschoße sind mit erhöhten Raumhöhen konzipiert und ermöglichen langfristige Nutzungsflexibilität. Die bewusste Gliederung des Gesamtvolumens in einzelne Baukörper unterstützt diese Adaptierbarkeit und erleichtert unterschiedliche Nutzungsszenarien über den gesamten Lebenszyklus des Projekts.
Neue Arbeits- und Wohnwelten
Die Arbeitsbereiche im QUADRILL folgen einem offenen, vernetzten Konzept. Terrassen, Outdoor-Arbeitsplätze und gemeinschaftlich nutzbare Flächen erweitern klassische Bürostrukturen und schaffen neue Formen des Arbeitens im urbanen Kontext.
Gastronomie-, Freizeit- und Fitnessangebote ergänzen die Arbeitswelten und sorgen für eine Belebung des Quartiers über den gesamten Tagesverlauf hinweg. Damit entsteht ein räumliches und funktionales Angebot, das Arbeiten, Kommunikation, Erholung und Öffentlichkeit eng miteinander verknüpft.
Parallel dazu integriert das Projekt Wohnnutzungen in unmittelbarer Nähe zu Arbeitsplätzen und urbaner Infrastruktur. Die überwiegend kompakten Wohneinheiten reagieren auf veränderte Lebensrealitäten und ermöglichen kurze Wege zwischen Wohnen, Arbeiten und Freizeit. QUADRILL formuliert damit eine bewusste Abkehr von funktional getrennten Stadtstrukturen und zeigt ein zeitgemäßes Modell urbaner Nutzungsmischung.
Architektonischer Ausdruck und Materialität
Die Neubauten treten bewusst nicht in Konkurrenz zum denkmalgeschützten Bestand. Der Sockelbereich nimmt mit seiner Klinkerfassade Bezug auf die Materialität der historischen Gebäude und schafft eine verbindende Ebene zwischen Alt und Neu.
Der Turm entwickelt demgegenüber eine eigenständige, differenzierte Fassadentektonik. Die zweischaligen Fassadenelemente sind im unteren Bereich plastisch aufgefaltet und verjüngen sich mit zunehmender Höhe. Nach oben hin werden die Fassadenfugen reduziert, wodurch sich die Gebäudehülle zunehmend glättet und beruhigt.
So entsteht ein subtiler Übergang von plastischer Präsenz zu abstrakter Vertikalität. Der Quadrill Tower behauptet sich als neues Hochhaus im Stadtraum, ohne die architektonische Eigenständigkeit des historischen Behrens-Baus zu überlagern.
Dachlandschaften als erweiterter Stadtraum
Die intensive Nutzung der Dachflächen ist integraler Bestandteil des Entwurfskonzepts. Neben dem öffentlich zugänglichen Behrensband dienen die Dächer der niedrigeren Baukörper als Spiel-, Sport- und Aufenthaltsflächen.
Die vom Landschaftsarchitekturbüro Korbwurf geplanten Freiräume sind als eigenständige Aktivitätszonen ausgebildet und erweitern den Stadtraum in die Vertikale. Sie ergänzen das Quartier um Orte der Bewegung, des Austauschs und der informellen Aneignung.
Die öffentlich zugängliche oberste Ebene des Towers komplettiert diese Strategie und macht die vertikale Dimension des Projekts auch für die Stadtöffentlichkeit erfahrbar.
Nachhaltigkeit als integraler Entwurfsansatz
Die nachhaltige Konzeption des QUADRILL folgt einem ganzheitlichen Ansatz. Die Energieversorgung basiert primär auf Grundwassernutzung mittels Wärmepumpen, ergänzt durch Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen. Fernwärme und Fernkälte dienen lediglich der Spitzenlastabdeckung. Ein eigener Brunnen gewährleistet die Bewässerung der Grünflächen.
Zertifizierungen nach ÖGNI und klimaaktiv unterstreichen den ökologischen Anspruch des Projekts. Gleichzeitig verbindet das Energiekonzept ökologische Performance mit ökonomischer Effizienz. Niedrige Betriebskosten sind ein direktes Ergebnis der optimierten Energie- und Gebäudekonzepte.
Nachhaltigkeit wird im QUADRILL jedoch nicht ausschließlich technisch verstanden. Auch langfristige Nutzbarkeit, Flexibilität und Identitätsbildung sind zentrale Bestandteile des Entwurfs. In dieser Hinsicht knüpft das Projekt bewusst an die Qualitäten des historischen Bestands an: Die von Behrens konzipierten Gebäude funktionieren auch nach mehr als acht Jahrzehnten aufgrund ihrer räumlichen Großzügigkeit und Anpassungsfähigkeit. Das neue Ensemble schreibt diesen Anspruch zeitgemäß fort.
Ein neuer Stadtbaustein für Linz
Mit dem QUADRILL wird die Tabakfabrik Linz endgültig vom industriellen Produktionsstandort zum offenen, gemischt genutzten Stadtquartier weiterentwickelt. Das Projekt verbindet historische Substanz mit zeitgenössischer Architektur, verdichtet urbane Funktionen und schafft einen neuen identitätsstiftenden Ort im Gefüge der Stadt.
Zechner & Zechner Architekten setzen damit ein Projekt um, das gleichermaßen als Landmark, Stadtreparatur und urbaner Katalysator wirkt — ein Quartier, das die Geschichte der Tabakfabrik fortschreibt und zugleich neue Perspektiven für die Entwicklung von Linz eröffnet.