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Barkow Leibinger

TRUMPF Ausbildungszentrum, Ditzingen

Simon Menges & Nino Tugushi, Berlin
Simon Menges & Nino Tugushi, Berlin
Ort
Ditzingen
Gebäudekategorie
Labor-, Forschungsgebäude
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2023
Material Fassade
Holz
Architektenpreis
Deutscher Holzbaupreis 2025
Anerkennung
In direkter Nachbarschaft zum 2008 eröffneten Betriebsrestaurant ‚Blautopf‘ wurde Anfang 2024 das neue TRUMPF-Ausbildungszentrum auf dem Ditzinger Firmencampus fertiggestellt. Beiden Gebäuden gemeinsam sind ihre polygonale Form und ihre Holz-Hybridkonstruktion ebenso wie ihre Funktion als soziales Zentrum für die Mitarbeitenden. Die neue Lernwerkstatt umfasst Schulungs-, Besprechungs- und Sozialräume sowie Werkstätten und Maschinenhallen für den Unterricht. Im Neubau werden bis zu 100 Nachwuchskräfte in die gesamte Prozesskette des Hochtechnologieunternehmens eingeführt und erlernen die Grundlagen des Werkzeugmaschinenbaus. Herzstück des Gebäudes ist ein Auditorium, das als Veranstaltungsraum bis zu 400 Personen fasst.

Mit großformatigen Verglasungen öffnet sich das Ausbildungszentrum zum umliegenden Campus, in dessen Parklandschaft es eingebettet ist. Der neu gestaltete Vorplatz verbindet den nördlichen Eingang mit dem Dienstleistungszentrum, während ein terrassierter Garten im Nordwesten als Übergang zum etwas höher gelegenen Betriebsrestaurant dient. Dieser Garten ist direkt mit einem außen liegenden Pausenbereich verbunden, der teilweise durch Dachüberstände geschützt ist. Neben einer Tischtennisplatte bietet dieser Bereich auch Raum für Lehr- und Arbeitsaktivitäten.

Die Grundrissfigur des Ausbildungszentrums entspricht einem Sechseck mit sechs wabenförmigen Raum-Modulen, die um das zentrale, ebenfalls hexagonale Auditorium gruppiert sind. Der doppelgeschossige Veranstaltungsraum kann für Unterricht, Pausen und firmeninterne Events genutzt werden. Die Sitztreppen schaffen eine Verbindung zwischen Erd- und Obergeschoss. Über Vorhänge lässt sich das Auditorium, das über unterschiedliche Fensteröffnungen Blickbeziehungen in die Umgebung ermöglicht, vollständig vom Außenraum abtrennen. Im Oberlicht, das im Auge der Dachkonstruktion sitzt, filtert eine kristallin geformte, textile Diffusor-Konstruktion das einfallende Tageslicht und sorgt für eine angenehme Lichtstimmung.

Die sechs Waben sind als ein- oder zweigeschossige Volumen ausgebildet, deren Raumhöhe je nach Nutzung variiert: Während die Werkstätten doppelgeschossig angelegt sind, bleiben Lehrräume und Empfangsbereich eingeschossig. Das Foyer dient als zentrale Verteilerzone und Ausstellungsfläche und geht fließend in den Vorplatz über. Die angrenzende Teeküche mit direkter Verbindung zum Außenbereich dient den Auszubildenden zur Erholung. Für größere Veranstaltungen steht ein großzügiger Garderobenbereich zur Verfügung. Die Umkleideräume der Auszubildenden befinden sich im Untergeschoss, wo auch der Zugang zum unterirdischen Tunnelsystem des Campus liegt. Dieses ermöglicht einen einfachen und geschützten Weg zu Büros und Produktionsanlagen – selbst bei widrigen Wetterbedingungen.

Im Obergeschoss befinden sich großzügige und flexibel nutzbare Seminarräume, die miteinander vernetzt sind. Durch Vorhänge lassen sich einzelnen Zonen je nach Bedarf für unterschiedliche Nutzungsszenarien verbinden oder abtrennen. Neben den Arbeitsbereichen gibt es auch Schulungsräume, darunter einen Bandproberaum, die von den Auszubildenden selbst mitgestaltet wurden. Die naturbelassenen Holzoberflächen tragen im gesamten Gebäude zu einer warmen und angenehmen Arbeitsatmosphäre bei.

Alle Holzbauteile wurden vom ausführenden Holzbauunternehmen vorgefertigt und in kurzer Zeit vor Ort montiert. Stützen, Unterzüge und Dachträger bestehen aus Brettschichtholz, die Außenwände wurden in Holztafelbauweise und teilweise als Fachwerkkonstruktion ausgeführt. Die Zwischendecken in den zweigeschossigen Waben wurden als Holz-Beton-Verbundkonstruktion realisiert. Auch die Tribünenkonstruktion im Auditorium besteht aus Brettsperrholzelementen. Besonderes Augenmerk galt der Dachkonstruktion und den Dachträgern, die radial auf das zentrale Oberlicht zulaufen. Sie lagern auf den Außenwänden und den Innenstützen auf und kragen bis zum Oberlicht weit ins Auditorium hinein. Die Innenstützen, die kranzförmg um das Auditorium gestellt wurden, dienen als Drehpunkt für die unterschiedlichen Winkel, die durch das Auffächern/ den Twist der Balkenkonstruktion entstehen. Das Oberlicht versorgt den Raum nicht nur mit natürlichem Licht, sondern diente während der Bauphase auch als zentraler Kranstandort.

Die Außenfassade umschließt den Bau als kristallin anmutende Hülle, deren sechs Stirnseiten als große, vollverglaste Schaufenster ausgebildet sind. Zwischen ihnen liegen V-förmige Wandscheiben, auf denen das Holzdach aus strahlenförmig angeordneten Holzträgern aufliegt. In den Bereichen der doppelgeschossigen Werkstätten löst sich die tragende Konstruktion in ein Holzfachwerk auf, wodurch noch mehr Tageslicht ins Innere strömt. Zusätzliche Leichtigkeit geht von transluzenten Profilgläsern aus, die vor den Wandscheiben liegen.

Team: Frank Barkow, Regine Leibinger, Tobias Wenz (Mitglied der Geschäftsleitung), Robert Tzscheutschler, Frederic Lilja, Annette Wagner
Programm: Ausbildung, Veranstaltung
Größe: 3.700 qm
Bauherr: TRUMPF GmbH + Co. KG, Ditzingen
Bauleitung & Haustechnikplanung: Drees & Sommer, Stuttgart
Tragwerksplanung: sbp schlaich bergermann partner, Berlin
Tiefbauplanung: Breinlinger Ingenieure,Tuttlingen
Brandschutz: Peter Stanek, Berlin
Bauphysik: Horstmann + Berger, Altensteig
Elektroplanung: P&H Hönes, Pforzheim
Lichtplanung: Licht Licht Studio Dinnebier, Berlin
Fassadenplanung: Kucharzak Fassaden Engineering, Berlin
Holzbau: Holzbau Amann, Weilheim-Bannholz
Landschaftsarchitektur: capattistaubach, Berlin