DBCO
Klimaerlebniswelt
Patrick Johannsen
Die Klimaerlebniswelt in Oerlinghausen steht exemplarisch für einen Bildungsbau, der ökologische Verantwortung, räumliche Prägnanz und Vermittlungsanspruch in Einklang bringt. Eingebettet in die Hanglage am nördlichen Rand des Freibads und als Bindeglied zwischen Archäologischem Freilichtmuseum und dem Naturschutzgroßprojekt Senne und Teutoburger Wald reagiert das Ensemble sensibel auf Topografie, Landschaft und Programm. Fünf wabenartige Baukörper, gestaffelt in Höhe, Richtung und Geometrie, gliedern den eingeschossigen Neubau zu einem differenzierten Gefüge, das sich in das Naturpanorama einschreibt, statt sich über es zu erheben.
Konzeptioneller Ausgangspunkt ist das Bild der Zelle: Fünf Waben übersetzen das Raumprogramm in eigenständige Körper. Foyer mit Shop und Garderobe, Verwaltung mit Servicetheke und aufgesetztem Technikgeschoss sowie drei Ausstellungsräume 'Mission', 'Globus' und 'Spiele' bilden eine klare programmatische Reihung. Jede Wabe besitzt ihre eigene Raumhöhe, Ausrichtung und Lichtführung. Das Durchschreiten wird zur Abfolge unterschiedlicher räumlicher Eindrücke. Eine vorgelagerte Bodenplatte bleibt als Terrasse zunächst Außenraum und hält die spätere Erweiterung um ein Kompetenzzentrum baulich offen.
Die Räume sind seriell entwickelt und zugleich präzise auf ihre Aufgabe abgestimmt. Das überhöhte Foyer empfängt in hellem Holz, der niedrigste Körper, Raum 1 'Mission', öffnet sich über raumhohe Verglasungen nach Nord und Süd und zieht die Landschaft als lichtdurchfluteten Innenraum ins Gebäude. Die wabenartige Decke wirkt wie ein Blätterwerk über den Besuchenden. Die Räume 'Globus' und 'Spiele' nehmen sich dagegen bewusst zurück schwarze Oberflächen, akustisch aktivierte Wände und stellen die Projektionen im immersiven Ausstellungsbereich in den Vordergrund. Ein durchgehender Hohlraumboden ermöglicht es, die Ausstellung sortenrein umzubauen, ohne in die Konstruktion einzugreifen. Alle Bereiche sind nach den Kriterien 'Reisen für Alle' barrierefrei erschlossen.
Konstruktiv folgt das Gebäude einem konsequenten Low-Tech-Prinzip: massiver Sockel, leichter Aufbau. Streifenfundamente und Bodenplatte sind in Recyclingbeton ausgeführt, die erdberührenden Flächen mit Schaumglasschotter und Schaumglasplatten aus Altglas gedämmt. Darüber steht ein Holzrahmenbau, dessen Außenwände mit Zellulose aus Altpapier verfüllt und mit einer äußeren Holzfaserdämmung ergänzt sind. Die Dächer sind als Holzbalkendecken konstruiert. Über Raum 1 spannt eine Stahl-Holz-Verbunddecke in wabenartiger Geometrie. Im Inneren ersetzen Strohbauplatten die üblichen Gipskartonbekleidungen, Sanitärwände sind in rezyklierbaren Altglaskeramikplatten ausgeführt. Der reduzierte Materialkanon ist nicht nur ökologische Setzung, sondern atmosphärische Grundlage: roh, ruhig, lesbar.
Prägend ist die Fassade aus Weißtanne, deren Bretter nach der traditionellen japanischen Yakisugi-Methode oberflächlich verkohlt werden und so ohne chemische Beschichtung dauerhaft witterungsbeständig bleiben. Im Eingangsbereich zieht sich diese Schalung in unbehandelter Form bis in den Windfang, sodass Außen und Innen ineinanderübergehen. Schräge Traufkanten folgen den Entwässerungsrichtungen, unterschiedliche Begrünungen extensiv und intensiv setzen die topografische Bewegung des Grundstücks auf den Dächern fort. So wird die Gebäudehülle zum Manifest des Programms: das Bauwerk zeigt, woraus es besteht.
Die Energieversorgung kombiniert eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, Fernwärme aus dem Holz-Heizkraftwerk Oerlinghausen und eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher auf dem Dach. Geheizt und gekühlt wird über eine Fußbodenheizung im Hohlraumboden, eine mechanische Lufttechnik ergänzt die natürliche Belüftung der Büroräume. Eine Zisterne sammelt Regenwasser für Bewässerung und Toilettenspülung. Hitzeresistente Bepflanzung, Sandmagerrasen und Wildblumenwiesen bilden den Freiraum aus und verbessern das Mikroklima. Was im Inneren ausgestellt wird Anpassung an den Klimawandel ist am Gebäude selbst ablesbar.
Entstanden ist die Klimaerlebniswelt im Auftrag des Kreises Lippe als bundesweit erste Einrichtung, die sich der Klimafolgeanpassung widmet, und als Teil des Regionale-2022-Projekts 'UrLand'. Auf einer Bruttogrundfläche von rund 700 Quadratmetern verzahnen sich auf eingeschossigem Niveau Bildungsort, Schlechtwetterangebot und Landschaftsstation zu einem einzigen Gebäude. Die Klimaerlebniswelt zeigt, wie sich aus konsequent gewählten Materialien, einer präzisen räumlichen Setzung und einem klaren technischen Konzept ein Bau ergeben kann, der seinen Inhalt nicht illustriert, sondern verkörpert ein Lehrstück im Maßstab des Hauses.
Konzeptioneller Ausgangspunkt ist das Bild der Zelle: Fünf Waben übersetzen das Raumprogramm in eigenständige Körper. Foyer mit Shop und Garderobe, Verwaltung mit Servicetheke und aufgesetztem Technikgeschoss sowie drei Ausstellungsräume 'Mission', 'Globus' und 'Spiele' bilden eine klare programmatische Reihung. Jede Wabe besitzt ihre eigene Raumhöhe, Ausrichtung und Lichtführung. Das Durchschreiten wird zur Abfolge unterschiedlicher räumlicher Eindrücke. Eine vorgelagerte Bodenplatte bleibt als Terrasse zunächst Außenraum und hält die spätere Erweiterung um ein Kompetenzzentrum baulich offen.
Die Räume sind seriell entwickelt und zugleich präzise auf ihre Aufgabe abgestimmt. Das überhöhte Foyer empfängt in hellem Holz, der niedrigste Körper, Raum 1 'Mission', öffnet sich über raumhohe Verglasungen nach Nord und Süd und zieht die Landschaft als lichtdurchfluteten Innenraum ins Gebäude. Die wabenartige Decke wirkt wie ein Blätterwerk über den Besuchenden. Die Räume 'Globus' und 'Spiele' nehmen sich dagegen bewusst zurück schwarze Oberflächen, akustisch aktivierte Wände und stellen die Projektionen im immersiven Ausstellungsbereich in den Vordergrund. Ein durchgehender Hohlraumboden ermöglicht es, die Ausstellung sortenrein umzubauen, ohne in die Konstruktion einzugreifen. Alle Bereiche sind nach den Kriterien 'Reisen für Alle' barrierefrei erschlossen.
Konstruktiv folgt das Gebäude einem konsequenten Low-Tech-Prinzip: massiver Sockel, leichter Aufbau. Streifenfundamente und Bodenplatte sind in Recyclingbeton ausgeführt, die erdberührenden Flächen mit Schaumglasschotter und Schaumglasplatten aus Altglas gedämmt. Darüber steht ein Holzrahmenbau, dessen Außenwände mit Zellulose aus Altpapier verfüllt und mit einer äußeren Holzfaserdämmung ergänzt sind. Die Dächer sind als Holzbalkendecken konstruiert. Über Raum 1 spannt eine Stahl-Holz-Verbunddecke in wabenartiger Geometrie. Im Inneren ersetzen Strohbauplatten die üblichen Gipskartonbekleidungen, Sanitärwände sind in rezyklierbaren Altglaskeramikplatten ausgeführt. Der reduzierte Materialkanon ist nicht nur ökologische Setzung, sondern atmosphärische Grundlage: roh, ruhig, lesbar.
Prägend ist die Fassade aus Weißtanne, deren Bretter nach der traditionellen japanischen Yakisugi-Methode oberflächlich verkohlt werden und so ohne chemische Beschichtung dauerhaft witterungsbeständig bleiben. Im Eingangsbereich zieht sich diese Schalung in unbehandelter Form bis in den Windfang, sodass Außen und Innen ineinanderübergehen. Schräge Traufkanten folgen den Entwässerungsrichtungen, unterschiedliche Begrünungen extensiv und intensiv setzen die topografische Bewegung des Grundstücks auf den Dächern fort. So wird die Gebäudehülle zum Manifest des Programms: das Bauwerk zeigt, woraus es besteht.
Die Energieversorgung kombiniert eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, Fernwärme aus dem Holz-Heizkraftwerk Oerlinghausen und eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher auf dem Dach. Geheizt und gekühlt wird über eine Fußbodenheizung im Hohlraumboden, eine mechanische Lufttechnik ergänzt die natürliche Belüftung der Büroräume. Eine Zisterne sammelt Regenwasser für Bewässerung und Toilettenspülung. Hitzeresistente Bepflanzung, Sandmagerrasen und Wildblumenwiesen bilden den Freiraum aus und verbessern das Mikroklima. Was im Inneren ausgestellt wird Anpassung an den Klimawandel ist am Gebäude selbst ablesbar.
Entstanden ist die Klimaerlebniswelt im Auftrag des Kreises Lippe als bundesweit erste Einrichtung, die sich der Klimafolgeanpassung widmet, und als Teil des Regionale-2022-Projekts 'UrLand'. Auf einer Bruttogrundfläche von rund 700 Quadratmetern verzahnen sich auf eingeschossigem Niveau Bildungsort, Schlechtwetterangebot und Landschaftsstation zu einem einzigen Gebäude. Die Klimaerlebniswelt zeigt, wie sich aus konsequent gewählten Materialien, einer präzisen räumlichen Setzung und einem klaren technischen Konzept ein Bau ergeben kann, der seinen Inhalt nicht illustriert, sondern verkörpert ein Lehrstück im Maßstab des Hauses.









