DBCO
Museum Abtei Liesborn
Dave Pauls
Die Neugestaltung des Museums Abtei Liesborn steht exemplarisch für einen zeitgemäßen, denkmalgerechten und inklusiven Umgang mit einem gewachsenen Kulturort im ländlichen Raum. Ziel der Gesamtmaßnahme war es, das baukulturelle Erbe zu bewahren, den historischen Bestand zu pflegen und weiterzuentwickeln und den Standort als kulturellen und sozialen Mittelpunkt zu stärken. Vermittlung regionaler Identität, Stärkung des Ortskerns und eine konsequent inklusive Gestaltung nach dem Prinzip »Gleiche Wege für Alle« bilden dabei die programmatische Klammer: Das Museum ist als Ausstellungsort ebenso wie als Verweil- und Begegnungsort konzipiert.
Städtebaulich reagiert die Maßnahme auf eine bauliche Trias aus spätmittelalterlicher Abteikirche, Abteiresidenz aus dem 18. Jahrhundert und Erweiterung von 2004 (Prof. Dieter Georg Baumewerd ). Der neu gestaltete Vorplatz öffnet den Blick auf dieses Ensemble bereits bei der Ankunft und schlägt eine räumliche und optische Brücke zwischen mittelalterlicher Klosteranlage, barocker Residenz und modernem Museumsbau. Als verbindendes Element führt er die drei Zeitschichten zusammen und macht den Bezug von Geschichte und Gegenwart sichtbar.
Für den barrierefreien Zugang wurde der Eingang neu gefasst. In enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde wurden die alte Sandsteintreppe und das Portal im Erdgeschoss entfernt. An gleicher Stelle greift ein neuer Eingang Proportionen und Gestalt des historischen Sandsteingewands auf und verlängert das Portal in das darunterliegende Gartengeschoss. Durch die sorgfältige Gliederung der Fassade fügt sich der Zugang harmonisch in den denkmalgeschützten Bestand ein. Ein leichtes farbliches Absetzen lässt aus der Nähe erkennbar, dass sich der ursprüngliche Eingang im Hochparterre befand. Alle Etagen sind über einen neuen rollstuhlgängigen Fahrstuhl erreichbar. Zugleich trennt der Umbau die Funktionen des Hauses: Das Museum wird über den neuen inklusiven Eingang im Seitenflügel erschlossen, die Trauungen erfolgen über das Hauptportal.
Im Inneren erschließt eine neue Dauerausstellung die bewegte Geschichte des Ortes von der Klostergründung bis zur Gegenwart. Sie ist als abgestufte Abfolge räumlicher Situationen entwickelt, die den Bestand nicht überformen, sondern lesbar halten: Historische Räume, Vitrinenstrecken und eigens gefasste Szenografieräume greifen ineinander. Ein taktiles Modell des Buchdeckels des Evangeliars ermöglicht auch Menschen mit Sehbehinderung ein Ertasten der zentralen Handschrift. Inhaltlicher und räumlicher Höhepunkt des Rundgangs ist der Evangeliarraum.
Für das mittelalterliche Liesborner Evangeliar nach 200-jähriger Odyssee vom Kreis Warendorf in seine westfälische Heimat zurückgeholt wurde im Nordflügel, dem jüngsten Bauteil des Museums von 1953, die Geschossdecke entfernt, um einen großzügigen, zweigeschossigen Raum zu schaffen. Seine Raummaße sind den Proportionen des Evangeliars nachempfunden. Acht Meter hohe, nur acht Millimeter starke Stahltafeln bilden die Innenschale und hängen ohne zusätzliche Unterkonstruktion an einem neu erstellten Tragwerk. Zentrale Bibelstellen und Buchschmuck aus der Handschrift wurden als Scans in Laserpfade übersetzt und millimetergenau in den Stahl geschnitten; die Teilwände von je rund einer halben Tonne wurden per Kran durchs Fenster in den Raum gehoben und vor Ort verschweißt.
Materialität und Atmosphäre sind vom Einband des Evangeliars abgeleitet, Raum und Exponat verschmelzen. Tageslicht fällt durch die gelaserten Schriftzeichen ins Innere und verändert die Lichtstimmung im Verlauf des Tages; leise erklingen gregorianische Gesänge des mönchischen Stundengebets, harte hallende Oberflächen verleihen dem Raum eine akustisch »sakrale« Wirkung. Drei hölzerne Stelen deuten eine Kreuzigungsgruppe an, in ihrer Mitte ist die Vitrine des Evangeliars eingelassen und von beiden Seiten zugänglich; eine Bodenprojektion übersetzt das Pater-Noster-Diagramm aus der Handschrift in den Raum. Klimatisierung und Sicherheitstechnik bleiben unsichtbar: Im Havariefall fährt die gesamte Vitrine per Aufzug in einen geschützten »Klimatresor« im Untergeschoss.
Entstanden ist die Gesamtmaßnahme im Auftrag des Kreises Warendorf in einem offenen, mehrstufigen Beteiligungsverfahren mit der Gemeinde Wadersloh, entworfen von DBCO und BOK + Gärtner (Ausstellungsgestaltung) in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde und mit Höchstsatz-Förderung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe für Inklusion. Als einmaliges Ergebnis in Deutschland wurde die Gestaltung mit gleich drei internationalen Designpreisen ausgezeichnet: Red Dot »Best of the best«, Goldener Nagel des Art Directors Club und iF Design Award.
Städtebaulich reagiert die Maßnahme auf eine bauliche Trias aus spätmittelalterlicher Abteikirche, Abteiresidenz aus dem 18. Jahrhundert und Erweiterung von 2004 (Prof. Dieter Georg Baumewerd ). Der neu gestaltete Vorplatz öffnet den Blick auf dieses Ensemble bereits bei der Ankunft und schlägt eine räumliche und optische Brücke zwischen mittelalterlicher Klosteranlage, barocker Residenz und modernem Museumsbau. Als verbindendes Element führt er die drei Zeitschichten zusammen und macht den Bezug von Geschichte und Gegenwart sichtbar.
Für den barrierefreien Zugang wurde der Eingang neu gefasst. In enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde wurden die alte Sandsteintreppe und das Portal im Erdgeschoss entfernt. An gleicher Stelle greift ein neuer Eingang Proportionen und Gestalt des historischen Sandsteingewands auf und verlängert das Portal in das darunterliegende Gartengeschoss. Durch die sorgfältige Gliederung der Fassade fügt sich der Zugang harmonisch in den denkmalgeschützten Bestand ein. Ein leichtes farbliches Absetzen lässt aus der Nähe erkennbar, dass sich der ursprüngliche Eingang im Hochparterre befand. Alle Etagen sind über einen neuen rollstuhlgängigen Fahrstuhl erreichbar. Zugleich trennt der Umbau die Funktionen des Hauses: Das Museum wird über den neuen inklusiven Eingang im Seitenflügel erschlossen, die Trauungen erfolgen über das Hauptportal.
Im Inneren erschließt eine neue Dauerausstellung die bewegte Geschichte des Ortes von der Klostergründung bis zur Gegenwart. Sie ist als abgestufte Abfolge räumlicher Situationen entwickelt, die den Bestand nicht überformen, sondern lesbar halten: Historische Räume, Vitrinenstrecken und eigens gefasste Szenografieräume greifen ineinander. Ein taktiles Modell des Buchdeckels des Evangeliars ermöglicht auch Menschen mit Sehbehinderung ein Ertasten der zentralen Handschrift. Inhaltlicher und räumlicher Höhepunkt des Rundgangs ist der Evangeliarraum.
Für das mittelalterliche Liesborner Evangeliar nach 200-jähriger Odyssee vom Kreis Warendorf in seine westfälische Heimat zurückgeholt wurde im Nordflügel, dem jüngsten Bauteil des Museums von 1953, die Geschossdecke entfernt, um einen großzügigen, zweigeschossigen Raum zu schaffen. Seine Raummaße sind den Proportionen des Evangeliars nachempfunden. Acht Meter hohe, nur acht Millimeter starke Stahltafeln bilden die Innenschale und hängen ohne zusätzliche Unterkonstruktion an einem neu erstellten Tragwerk. Zentrale Bibelstellen und Buchschmuck aus der Handschrift wurden als Scans in Laserpfade übersetzt und millimetergenau in den Stahl geschnitten; die Teilwände von je rund einer halben Tonne wurden per Kran durchs Fenster in den Raum gehoben und vor Ort verschweißt.
Materialität und Atmosphäre sind vom Einband des Evangeliars abgeleitet, Raum und Exponat verschmelzen. Tageslicht fällt durch die gelaserten Schriftzeichen ins Innere und verändert die Lichtstimmung im Verlauf des Tages; leise erklingen gregorianische Gesänge des mönchischen Stundengebets, harte hallende Oberflächen verleihen dem Raum eine akustisch »sakrale« Wirkung. Drei hölzerne Stelen deuten eine Kreuzigungsgruppe an, in ihrer Mitte ist die Vitrine des Evangeliars eingelassen und von beiden Seiten zugänglich; eine Bodenprojektion übersetzt das Pater-Noster-Diagramm aus der Handschrift in den Raum. Klimatisierung und Sicherheitstechnik bleiben unsichtbar: Im Havariefall fährt die gesamte Vitrine per Aufzug in einen geschützten »Klimatresor« im Untergeschoss.
Entstanden ist die Gesamtmaßnahme im Auftrag des Kreises Warendorf in einem offenen, mehrstufigen Beteiligungsverfahren mit der Gemeinde Wadersloh, entworfen von DBCO und BOK + Gärtner (Ausstellungsgestaltung) in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde und mit Höchstsatz-Förderung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe für Inklusion. Als einmaliges Ergebnis in Deutschland wurde die Gestaltung mit gleich drei internationalen Designpreisen ausgezeichnet: Red Dot »Best of the best«, Goldener Nagel des Art Directors Club und iF Design Award.









