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GRUBER + POPP ARCHITEKTEN

Haus Jauch, München

Fotograf: Hanns Joosten
Fotograf: Hanns Joosten
Ort
Germering
Gebäudekategorie
Einfamilien-, Reihen-, Wochenendhäuser
Bauvorhaben
Umbau/Sanierung
Jahr der Fertigstellung
2006
Material Fassade
Metall
Architektenpreis
Häuser-Award 2007
Deutscher Metallfassadenpreis 2006
LPH 1 - 9
2005 - 2006

HÄUSER AWARD 2007 – Umbau statt Neubau, 2. Preis
Architekturpreis „Metalldächer und -fassaden“, 2. Preis

Als „Kaffeemühlenhaus“ beschreibt man in München einen eigenwilligen, aber sehr liebevoll geplanten Haustyp aus den 30er Jahren mit quadratischem Grundriss und einer Kantenlänge von ca. 10m. Dabei ist nicht ganz klar, ob sich diese Bezeichnung aus der schlanken Proportion des Baukörpers mit Zeltdach, oder aber aus der sehr kleinteiligen Grundrissorganisation, bei der sich die Räume wie in einer Kaffeemühle um einen zentralen Flur drehen, ableitet.

Das bestehende Haus wurde durch den Umbau und die Erweiterung den Bedürfnissen und Wünschen der Familie angepasst. Der Bestand mit seinen vielen kleinen Räumen konnte optimal durch das Raumgefüge des Anbaus ergänzt werden. Vor allem der Bezug zum Garten und der Umgebung mit altem Baumbestand blieb im neuen Heim bis tief ins das Gebäudeinnere spürbar.

Als erstes wurde das Gebäude von Außen von den bestehenden Anbauten „befreit“ und auf die ursprüngliche Kubatur reduziert. In einem sehr intensiven Entwurfsprozess in enger Zusammenarbeit mit den Bauherren, entstand ein selbstbewusstes Gleichgewicht zwischen und Altbau. Die Fuge verbindet die beiden Gebäudeteile, der Eingang verzahnt das Ensemble.
Der Knick im Grundriss im Bereich des Wohnzimmers entspricht der konsequenten Orientierung zur Grünachse in Richtung Südwesten. Im Inneren folgten mehrere Eingriffe: Die ursprüngliche „Minimaltreppe“ wurde entfernt. Die neue Treppe nimmt nun ein Fünftel der Fläche des Bestandes ein. Sie entspricht in ihrer Dimension und Offenheit dem Charakter des neuen Hauses.

Zentraler Ort und Drehscheibe des Haus bildet räumlich und funktional die Küche.
Die Gestaltung der Küche spiegelt das Familienleben wieder. Dort treffen sich die 3 Söhne mit einer Vielzahl von Freunden, dort präsentiert sich die Gastfreundschaft der Eltern und der Wunsch nach einem „open house“. Räumlich wird durch die Öffnung der Küche die Verbindung vom Altbau und Neubau geschaffen. Eine durchgehende Längsachse vom Eingang zum Neubau unterstützt die Verzahnung von Alt und Neu. Das Innere korrespondiert an jeder Stelle des Hauses mit dem Äußeren.
Der Bezug zum alten Obstgarten spiegelt sich in der Wahl des Fassadenmaterials wider. Die Fassade aus dunkelrot eloxierten Aluminiumtafeln wird durch die Eloxaloberfläche zur Bühne für die Spiele von Licht, Farbe und Schatten der umgebenden Vegetation. Die sich aus der Lichtreflexion ergebende Farbskala der Fassade reicht von erdigem Rotbraun an nebligen Herbsttagen, bis zu leuchtend Zinnoberrot bei Sonne mit blauem Himmel. Durch die optische Lebendigkeit dieser Fassade wird der Neubau geradezu zu einem Teil der Natur.

Architektonisch unterstreicht die klare Geometrie und feine Linienführung des Fugenbildes die gewollte Eigenständigkeit des Neubaus, ohne dem Altbau die Verneigung vor der ihm eigenen gestalterischen Qualität zu verwehren.