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KNOWSPACE architecture + cities

Lernkiez im Quartier - Gymnasium Schulstrasse

2. Preis Realisierungswettbewerb
Kronaus Mitterer + Klammer*Zeleny + KNOWSPACE
Kronaus Mitterer + Klammer*Zeleny + KNOWSPACE
Ort
Berlin
Gebäudekategorie
Schulen
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2105
Material Fassade
Metall
Architektenpreis
2. Preis Realisierungswettbewerb
In Arbeitgemeinschaft mit Kronaus Mitterer + Klammer*Zeleny

Projektart: Realisierungswettbewerb, 2. Preis
Auftraggeber: Howoge
Landschaftsarchitekt: Korbwurf, Wien
Fläche: 16.900 m2 BGF

Die Leitidee des Lernkiez im Quartier reagiert auf den Wunsch nach einem lebendigen Schulhaus mit beispielhaften Compartments für das Gymnasium an der Schulstraße in Berlin-Wedding und bietet den PädagogInnen und Jugendlichen des Gymnasiums in der Schulstraße einen Ort des Lernens im Sinne der Wissensgesellschaft von morgen.

Der Schulbau versucht ein kohärentes, strukturelles Ganzes darzustellen, das zugleich differenziert und vielfältig ist, und dadurch weder Ehrfurcht einflößt noch Massivität kommuniziert. So entsteht durch Unverwechselbarkeit und besondere Maßstäblichkeit ein nahbares, identifikationsstiftendes Schulgebäude, an dem der eigene Lernkiez klar ablesbar ist und mit seinem Lernangebot wertgeschätzt wird.

Eine hohe bauliche Polyvalenz wird einer räumlich neutralen, gesichtslosen Flexibilität vorgezogen. Sie ermöglicht gleichermaßen vielfältige und unterscheidbare Lernsituationen und eine adaptive und flexible Nutzung der angebotenen räumlichen Situationen im Alltag. Trotz der differenzierten Raumkonfigurationen erlaubt eine modulare Anlage der Gebäudestruktur und eine Bandstruktur in der Fassadenkonzeption, dass zukünftigen räumlichen Anpassungen Rechnung getragen wird. Anpassungen an veränderte pädagogische Randbedingungen sind auch aufgrund der flexiblen Verschaltbarkeit der Teilungsräume gut möglich. Diese Polyvalenz bildet neben den ökologischen Aspekten einen wesentlichen Faktor für die Idee des nachhaltigen Bauens.

Die pädagogischen Räume des Compartments sind konzentrisch um das polygonale Forum herum angeordnet. Das sichert kurze Wege und klare räumliche Bezüge. Das Forum bildet in der einfach überschaubaren und klar verständlichen Struktur des Lernkiez immer die räumliche Mitte. Die konzentrische Form erlaubt gleichberechtigte Teilhabe aller Stammgruppen am Forum. Die Polygone bilden im Sinne des Lernhauskonzepts kleine Schulen in der großen Schule aus – wie Kieze in einer Stadt! Hier wird durch eine ausdrucksstarke und zugleich anpassungsfähige Architektur die Identifizierung mit dem eigenen Lernkiez gefördert. Die besondere Verdrehung der Stammgruppenräume ermöglicht jedem Unterrichtsraum eine mehrseitige Belichtung und Querlüftung und einen vielseitigen Ausblick bei zugleich kompakter Organisation. Die Compartments besitzen eine eindeutige, von der Treppe aus klar erfassbare, Zugangssituation mit einer direkten Anbindung an die WC-Bereiche und Schließfächer. Der nahegelegene Teambereich garantiert Einsehbarkeit und soziale Kontrolle. Er zeichnet sich außerdem durch seine Nähe zu den andienenden Räumen und dem Ruheraum aus.

Die allgemeinen tragenden Bauteile werden als Holzbauteile aus massivem Brettsperrholz mit innen sichtbarer Holzoberfläche und mit dem Feuerwiderstand „hochfeuerhemmend“ ausgeführt. Das Erdgeschoß und die Treppenhauskerne werden „nicht brennbar“ (aus Stahlbeton-Sichtbeton) ausgeführt. Dem Gebäude wurde außerdem ein Brandwand-Raster von 60 Metern zugrunde gelegt. Auch die Brandwände sind „nicht brennbar“ (Stahlbeton-Sichtbeton) ausgeführt und werden 30cm über die Dachhaut gezogen. In der Fassade kommen horizontale Brandsperren alle 2 Geschoße zur Verhinderung des vertikale Brandüberschlags zum Einsatz. Die Fassadenhaut ist als metallisches Erzeugnis nicht brennbar.

Trotz der organischen und differenzierten Form des Projektes ist die Grundstruktur des Gebäudes konstruktiv regelmäßig, und die Grundelemente rechtwinklig aufgebaut. Die Stammgruppenräume und ihre über die Compartments hinweg kongruente Konfiguration besitzen einen hohen Wiederholungsfaktor. Daher liegt eine modulare Bauweise mit räumlicher Wandelbarkeit unter Ausnutzung eines hohen Vorfertigungsgrades nahe.

Der Schulbau ist als Holz-Beton-Hybridbau konzipiert. Dabei wird das EG aufgrund teilweise höherer Spannweiten und zum Feuchteschutz der Holzkonstruktion in Stahlbeton realisiert. Oberhalb der Decke über EG, die als Abfangdecke aus Stahlbeton konzipiert wird, ist das Gebäude als Massiv-Holzbau ausgebildet, ergänzt durch zusätzlich aussteifende Fluchttreppenhäuser und Brandwände aus Stahlbeton.

In den Compartments werden sowohl Wände als auch Decken in Brettsperrholz (BSP bzw. CLT) ausgeführt. Um die Schwingungen zu reduzieren, werden 25cm Massiv-Holzdecken mit 8cm Aufbeton im Verbund versehen. Wo zur Öknomisierung der Holzspannweiten erforderlich, wird die Konstruktion durch einzelne Stahl-Beton-Verbundstützen und deckengleiche Stahlunterzüge reglementiert. Der Sporthallentrakt soll im Abschnitt über dem EG ebenfalls in Holzbauweise realisiert werden.