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Haltung

Die europäische Stadt als Lebensmodell

Ausgangspunkt unserer Arbeit ist die europäische Stadt als über Jahrhunderte gewachsenes räumliches und gesellschaftliches Gefüge. Ihre Qualität liegt für uns nicht in einem bestimmten historischen Erscheinungsbild, sondern in der Überlagerung unterschiedlicher Lebensbereiche: Wohnen und Arbeiten, Öffentlichkeit und Rückzug, Gemeinschaft und Individualität, Stadt und Landschaft.

Viele dieser Qualitäten sind in der modernen Stadtplanung verloren gegangen. Funktionstrennung, monofunktionale Quartiere und die Auflösung gewachsener räumlicher Beziehungen haben Formen des Zusammenlebens hervorgebracht, die der Dichte und Komplexität der historischen Stadt gegenüberstehen. Unsere Arbeit setzt sich deshalb immer wieder mit der Frage auseinander, wie Nähe, Mischung, Aneignung, Identität, Dichte und gemeinschaftlicher Raum unter heutigen Bedingungen neu entstehen können.

Salzburg ist dabei nicht nur Standort des Büros, sondern unmittelbarer Erfahrungsraum. Wohnen und Arbeiten in der historischen Altstadt prägen den Blick auf die Stadt und ihre Typologien. Besonders der über Jahrhunderte entwickelte Typus des mittelalterlichen Stadthauses zeigt, wie unterschiedliche Nutzungen auf engem Raum miteinander verbunden werden können: horizontal und vertikal geschichtet, veränderbar, mit fließenden Übergängen zwischen privaten, gemeinschaftlichen und öffentlichen Bereichen.

Diese Qualitäten verstehen wir nicht als historisches Vorbild, das formal reproduziert werden soll. Entscheidend sind die dahinterliegenden räumlichen Prinzipien. Ein Gebäude kann unterschiedliche Nutzungen aufnehmen und sich über seine Lebensdauer verändern. Dichte kann Nähe erzeugen, ohne Privatheit aufzugeben. Schwellen, Höfe, Gärten, Terrassen und gemeinschaftliche Bereiche können zwischen individuellem Rückzug und öffentlichem Leben vermitteln.

Weiterbauen statt Ersetzen

Aus dieser Haltung entsteht ein besonderes Interesse am Bestand. Bestehende Gebäude und Stadtstrukturen werden nicht als abgeschlossene Zustände verstanden, sondern als Ausgangspunkt weiterer Entwicklung. Weiterbauen bedeutet, vorhandene räumliche, materielle und soziale Qualitäten zu erkennen und mit neuen Anforderungen zu verbinden.

Dabei geht es weder um formale Anpassung noch um demonstrativen Kontrast. Jeder Eingriff entsteht aus dem konkreten Ort und seiner Geschichte. Transformation, Umnutzung und Nachverdichtung werden so zu Möglichkeiten, die bestehende Stadt weiterzuschreiben, ohne ihre Vielschichtigkeit zu verlieren.

Vom Gegenstand bis zum Territorium

Diese Fragen beschränken sich für uns nicht auf einen bestimmten Maßstab. Sie reichen vom Gegenstand bis zum Territorium: vom Möbel, das Nutzung und Raum organisiert, über Innenräume und Häuser bis zu Gebäuden, Quartieren, Stadträumen und landschaftlichen Zusammenhängen.

Die Maßstäbe wechseln, die Fragen bleiben ähnlich:
Wie entsteht Nähe? Wie können unterschiedliche Nutzungen miteinander verbunden werden? Wo entstehen Räume zur Aneignung? Wie verhalten sich individuelle Freiheit und Gemeinschaft zueinander? Und wie kann Bestehendes so verändert werden, dass daraus neue Möglichkeiten entstehen?

Nicht eine einheitliche formale Sprache verbindet deshalb die Arbeiten von Lechner & Lechner, sondern diese wiederkehrende Auseinandersetzung mit Dichte, Mischung, Aneignung und dem Weiterbauen an bestehenden räumlichen Strukturen.