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Schulz und Schulz

Nordkopf Tower Wolfsburg

Gustav Willeit
Gustav Willeit
Ort
Wolfsburg
Gebäudekategorie
Bürohochhäuser
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2017
Material Fassade
Metall
Ein wichtiger Baustein für das städtebauliche Entwicklungsgebiet am Wolfsburger Nordkopf ist fertig und vervollständigt in städtebaulich exponierter Lage der Innenstadt das sensible Spannungsfeld zwischen dem Hauptbahnhof, dem Wissenschaftscenter phaeno von Zaha Hadid und der auf die Stadtgründung von 1938 zurückgehenden Koller-Achse. Das neue Kunden- und Verwaltungszentrum der Unternehmensgruppen Stadtwerke Wolfsburg AG und LSW ist der so genannte Nordkopf und bildet entlang der wichtigsten Stadtachse den Gegenpol zum kulturellen Zentrum im Süden und leitet in die VW-Autostadt nördlich des Mittellandkanals über.

Um der herausragenden städtebaulichen Bedeutung gerecht
zu werden, lobten die Stadtwerke im Jahr 2014 einen Architektenwettbewerb aus. Im Ergebnis wurde die Arbeit von Schulz und Schulz mit dem 1. Preis prämiert. Die Architekten setzen mit dem Neubau einen wichtigen Hochpunkt, der die stadträumliche Bedeutung des Nordkopfes betont. Die Wahrnehmung des Nordkopf Towers als übergeordneter Orientierungspunkt wird dabei durch die Prägnanz der eloxierten Metallfassade weiter verstärkt. Die hohe Nachhaltigkeitsqualität des Neubaus wird durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) mit dem Label „Gold“ zertifiziert.

Das städtebauliche Entwicklungsgebiet Nordkopf geht auf die Gründung der Stadt Wolfsburg als „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ im Jahr 1938 zurück. Die Erweiterung des Unternehmenssitzes der Stadtwerke Wolfsburg AG und LSW schließt eine aktuelle Stadtentwicklungsmaßnahme ab und erzeugt als Hochpunkt eine kraftvolle Ergänzung zum angrenzenden phaeno von Zaha Hadid.

Das neue Kunden- und Verwaltungszentrum der Stadtwerke Wolfsburg AG und LSW erweitert den bestehenden, sanierungsbedürftigen Firmensitz aus dem Jahr 1961 in westlicher Richtung und rückt das Gebäude aus leicht zurückversetzter Position in die Straßenraumfluchten von Koller-Achse (Porschestraße) und nördlicher Ost-West-Hauptverkehrsachse (Heßlinger Straße). Der vorgelagerte Neubau schließt über einen gemeinsam genutzten, begrünten Innenhof zum Bestand an. Rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben zukünftig in der neuen Konzernzentrale ihre Arbeitsplätze. Die offen und hell gestalteten Büros und die öffentlichen Bereiche des Kundenservices spiegeln die an den Bedürfnissen von Kunden und Mitarbeitern ausgerichtete Entwicklung der Stadtwerke Wolfsburg AG zu einem modernen Arbeitgeber und Dienstleister wider. Die viergeschossige Basis nimmt die Traufhöhen des Quartiersblocks entlang der Heßlinger Straße und der Porschestraße auf und überführt diese in einen 36 Meter hohen, über die Ecke des Blocks und den Verkehrsraum der Heßlinger Straße auskragenden Turm. Im zweigeschossigen Sockel des Turms ist das Kundencenter untergebracht, dessen großzügige Offenheit vielschichtige Verflechtungen mit dem Stadtraum eingeht. Pendant zum offenen Erdgeschoss ist die große „Dachloggia“ im neunten Obergeschoss des Turms, die den Blick über den Stadtgrundriss von Peter Koller und das untrennbar mit der Stadt Wolfsburg verbundene Volkswagenwerk öffnet.
Die markante Höhenentwicklung und die Definition eines städtebaulichen Orientierungspunktes ist für die Stärkung des Nordkopfes von großer Bedeutung. Es entsteht ein ausgewogenes Zusammenspiel mit dem Europahochhaus und den Türmen des Kraftwerks auf dem Gelände des Volkswagenwerkes. Die Bestandsgebäude in zweiter Reihe bleiben erhalten und werden in einem zweiten Bauabschnitt nach Fertigstellung des Neubaus umfassend saniert. Erdgeschoss und erstes Obergeschoss bieten nach der Sanierung weitere Flächen für das Kundenzentrum sowie ein Betriebsrestaurant der Unternehmensgruppen. Die anschließenden Obergeschosse werden einer Fremdnutzung zugeführt. Die Sanierung erfolgt im Innen- und Außenbereich und führt die Alt- und Neubaufassaden durch eine übergreifende Gestaltung zu einem Gebäudekomplex zusammen.

Das Haus ist selbstverständlicher Teil des urbanen Lebens – es wandelt sich mit der Intensität des Lichts und erzeugt je nach Tageszeit und Wetter ganz unterschiedliche Wahrnehmungen. Es sieht immer wieder anders aus, spiegelt den Tag und erzählt Geschichten. Von der gleißenden, metallischen Homogenität in der Mittagssonne bis hin zur weichen Rasterung der rötlichen Abendsonne. Ausgangsmaterial für das einheitliche Fassadenkleid von Alt- und Neubaufassaden sind die quadratischen, präzise auf das Gebäuderaster abgestimmten, titansilbernen Aluminiumblechschindeln (circa 32 mal 32 Zentimeter), die in einer thüringischen Behindertenwerkstatt mit eigens entwickelten Falz- und Abkantwerkzeugen handgefertigt wurden. Lediglich fünf unterschiedliche Schindeltypen (Starter, Standard, Attika, Fensteranschluss und geschlossene Eckschindel) wurden verbaut und zu einer über 4.100 Quadratmeter großen, homogenen Schindelfassade gefügt. Um eine geschlossene Ausführung der Außen- und Innenecken zu erreichen, wurden aufgrund der schuppenartigen Überlappungen der Schindeln und spitzwinkeligen Gebäudeecken spezielle Eckschindeln entwickelt und verbaut.