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Thomas Kröger Architekten

SCHÖNHAUSER ALLEE 8

Andrew Alberts
Andrew Alberts
Ort
Berlin
Gebäudekategorie
Büro und Verwaltung
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2023
Material Fassade
Metall
Das Bestandsgebäude ist ein beeindruckender, als Einzeldenkmal eingetragener Altbau, der 1911 als Wohn- und Geschäftshaus mit Fabrik, aus zwei Höfen bestehend, s-förmig errichtet wurde. Im Krieg wurde die rückwärtige Bebauung des zweiten Hofes zerstört und das Grundstück lag brach.
Ebenfalls durch Feuer zerstört bzw. beschädigt war das Dach und die rückwärtige Fassade des Quergebäudes. Der erste Hof war komplett mit Lagerflächen für eine ehemalige Seifenfabrik unterbaut. Die geringe Raumhöhe und fehlende Belichtung ließ die riesige Fläche jedoch kaum nutzbar machen. Der rückwärtige Grundstücksteil wurde in Teilen als Parkierung genutzt und ehemalige Keller waren mit Schutt verfüllt. Die Aufgabe bestand darin, den Altbau mit einem Neubau zu ergänzen. Die Startup-Branche war als zukünftiger Nutzer anvisiert und der Neubau sollte eine zukunftsweisende, unkonventionelle Raum- gestalt bieten. Neben neuen Büroflächen sollten ein Kino- und Vortragssaal und Veranstaltungsräume das Raumangebot ergänzen. Herausfordernd bei diesem Projekt war die komplexe Innenstadtlage. Eine Baustelleneinrichtungsfläche war praktisch nicht vorhanden. Die Kraneinrichtung musste auf den vor dem Baufeld liegenden U-Bahn-Tunnel abgestimmt werden. Für die neue Hofunterbauung wurde eine Unterfangung des Altbaus erstellt.

Das Konzept sieht einen unterirdischen Veranstaltungsraum im ersten Hof vor. Die natürliche Belichtung und Belüftung wird über einen ovalen Senkgarten hergestellt. Neben der Veranstaltungsfläche finden sich Besprechungskabinen unterschiedlicher Größe. Die Nebenflächen sind im Bereich des Quergebäudes organisiert. Der zweite Hof erhält ebenfalls einen ovalen Senkgarten. Hier befindet sich die Fahrradrampe für die Tiefgarage, die 100 Fahrräder aufnehmen kann.
Der Haupteingang zum Neubau befindet sich im Quergebäude. Das Foyer schließt an den zweiten Seitenflügel an. Hier befindet sich das großzügige Treppenhaus, der Lift und die sanitären Einrichtungen. Der gesamte Treppenraum ist eine monolithische Vorortbetonkonstruktion mit Sichtanforderung. Die Nebenräume und das zweite Fluchttreppenhaus sind so organisiert, dass sie beidseitig die Brandwände flankieren und einen stützenfreien 15 m breiten Raum freigeben. Dieser Raum nimmt im EG den Kino- und Vortragssaal mit einer vorgelagerten Bar zum Hof und darüberliegend die Büroflächen auf. Er ist parallel zu seinen Fassaden Höhen-gestaffelt. Die vordere Ebene übernimmt die Höhenvorgaben aus dem Quergebäude, die hintere Ebene übernimmt die Höhe der Fensterbrüstungen der vorderen Ebene. Damit sind die Fenster identisch zu beiden Ebenen. Mal bodentief, mal mit Brüstung. Die rückseitige Fassade ist entsprechend den Abstandflächen getreppt ausgeführt.
Die Versprünge geben Pflanzterrassen frei, sodass jede Etage einen Garten erhält.
Die große Spannweite der Deckenfelder wird mittels vorgespannter Stahlbetonbalken ermöglicht. Eine besondere Anforderung stellte die rampenartige Decke über dem 4./5. Obergeschoss dar, auf der sich die Außenbühne der Dachterrasse befindet. Im 5. Geschoss erstrecken sich bis über das Quergebäude Gesellschaftsräume, Küchen und Besprechungsräume. Das neue Dach über dem Quergebäude erhält eine zum ersten Hof passende geneigte
Dachkonstruktion mit großen trapezförmigen Dachfenstern. Zum zweiten Hof ist es als Staffelgeschoss ausgebildet und übernimmt die Sprache des Neubaus. Die Dachterrasse erstreckt sich über die gesamte Dachlandschaft und ist an
zwei Treppenräume angebunden. Die Fassade ist horizontal mit durchlaufenden, stumpf und sandig beschichteten Blechverkleidungen versehen. Die vertikale Gliederung ist in naturbelassenen Aluverkleidungen ausgeführt. Die Farbigkeit knüpft an den Altbau an, dreht aber dessen Webrichtung um 90°. Hier liegt die vertikale Gliederung der glasierten Vormauerziegel in der vorderen Ebene und die mit einem Feinputz versehenen Brüstungsbänder liegen zurück. Der Hof ist asphaltiert. Die Oberflächen der Innenräume bestehen komplett aus Sichtbeton mit geringen Anforderungen, rosépudrigen Kautschukbelägen, schwarzen Technik- und Tischleroberflächen und im EG einem Edelstahlbodenbelag. Polsterflächen, sowie das Kino in Gänze sind in Nachtblau ausgeführt.