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WESTPHAL ARCHITEKTEN BDA

In den Sieben Stücken

Mehrfamilienhäuser in Hannover
Olaf Mahlstedt
Olaf Mahlstedt
Ort
Hannover
Gebäudekategorie
Geschosswohnungsbau
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2023
Material Fassade
Mauerwerk
Für die unterschiedlichen Baufelder des Quartiers "In den Sieben Stücken" hat die hanova Wohnen GmbH Architekturwettbewerbe ausgelobt. Den Realisierungswettbewerb für das Cluster B konnten wir für uns entscheiden.

Es sind drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 56 Wohneinheiten und einer gemeinsamen Tiefgarage entstanden. Diese zeichnen sich, obgleich der einfachen Kubatur, mit einer enormen Detailtiefe innerhalb eines lebendigen Fassadenspiels aus. Das Ensemble findet schon jetzt als positiv erlebbarer Wohnraum eine hohe Nutzer:innen-Akzeptanz und wirkt stark adress- und identifikationsstiftend.

Die Fassaden der drei Wohnhäuser prägt ein Klinker der Klinkermanufaktur Deppe Backstein aus der Grafschaft Bentheim, die den Ziegel exakt nach unserer Maßgabe produziert hat. Denn wir hatten genaue Vorstellungen von der farblichen Varianz, dem Hell-Dunkel-Bezugswert und dem Zusammenspiel mit der Fuge. Der rot-braun-bunte Klinker wurde in Wechselsortierung gemauert, so dass die Fassade je nach Lichteinfall ein neues Erscheinungsbild entwickelt. Eine zusätzliche Gliederung in der Horizontalen erfahren die Fassaden durch Sichtbetonbänder, welche die Brüstungshöhe der vorgelagerten Balkone aufnehmen. Es entsteht ein spannungsreiches Bild. Ein Eindruck, der durch die gebrochene Orthogonalität der Balkone noch verstärkt wird. Die Balkonfertigteilelemente sind leicht asymmetrisch geschwungen und geschossweise gespiegelt angeordnet, so dass es scheint, als würden die Fassadenbänder zu schwingen beginnen. Eine Bewegung, die auch in die Attika übertragen wurde und hier einen schmückenden Abschluss bildet. Die Hauseingänge nehmen den Schwung der Balkone außerdem auf. Fenster, Türen und Absturzsicherungen wurden in anthrazitem Ton gehalten, so dass die Farbigkeit der Häuser einzig und allein durch die verwendeten Materialen entsteht – zeitlos, hochwertig, dauerhaft. Alle drei Wohnhäuser zeugen von Wertigkeit, Dauerhaftigkeit und Qualität und wurden der Idee des städtebaulichen Auftritts gerecht.

Die Neubauten wurden gemäß B-Plan als viergeschossige Baukörper mit eindeutiger Kubatur ohne Staffelgeschoss sowie ohne Vor- und Rücksprünge geplant und weisen klar strukturierte Grundrisse mit zentral angelegten Funktionsbereichen auf. Die Grundrisse wurden in den Geschossen gestapelt, variieren jedoch in ihrer Größe und so ist es gelungen, eine geringe Grundfläche zu erzielen und ein günstiges Verhältnis von Außenhülle zum Volumen zu schaffen – sowohl konstruktiv als auch haustechnisch eine wirtschaftliche Bauweise zu ermöglichen. Die Wohnräume wurden mit samt ihren großzügigen Balkonen, die geschützten Raum im Außenbereich ermöglichen, nach Süden hin ausgerichtet, so dass lebenswerte Appartements für die Bewohner:innen entstanden sind. Die Häuser sind barrierefrei erschlossen, in den Erdgeschossen befinden sich rollstuhlgerechte Wohnungen mit Terrassenzugang.

Bei den frei finanzierten Häusern wie auch im sozial geförderten Wohnungsbau wurden tragende Wände und Sanitärzellen übereinander angeordnet, so dass auf aufwändige Abfangungen oder Verzug von Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärinstallationen verzichtet werden konnte. Auch die umschließende Wärmehülle verläuft geradlinig, die Balkone wurden mittels lsokörben vorgehängt, so dass Wärmebrücken effektiv vermieden werden. Nicht zuletzt erfolgte der Einsatz der Fensterflächen in allen Gebäuden entsprechend der Ausrichtung und maximaler Tageslichtausnutzung (kleine Fensterflächen nach Norden, große Fensterflächen gen Süden). Auf diese Weise werden die Anforderungen des Passivhausstandards erfüllt. Eine Nachtauskühlung erfolgt über Kippflügel bzw. Lüftungsklappen. Effiziente Lüftungssysteme entziehen der verbrauchten Luft den überwiegenden Wärmeanteil und verteilen zugfrei frische Luft in die Wohnräume. Alle Nutzer:innen haben dennoch die Möglichkeit, bei Bedarf eigenständig die Fenster zu öffnen.

Die Flachdächer aller drei Häuser werden für eine extensive Dachbegrünung genutzt und erhöhen auf diese Weise die Biodiversität und verbessern das Klima. Darüber hinaus dienen die Dächer als Stellfläche für die Warmwasserversorgung, die sich zu einem hohen Anteil aus Solarthermie speist. Ferner wird die Geothermie mittels Erdwärmesonden als regenerative Energie genutzt. Alle Gebäude wurden an das örtliche Fernwärmenetz angeschlossen, so dass durch die Kombination der ergriffenen Energiemaßnahmen die Einhaltung des geforderten Energiestandards erzielt wurde.