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IFUB*

Baugruppe D2

Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses für eine Baugruppe
Rendering: Loomilux
Rendering: Loomilux
Ort
Berlin-Neukölln
Gebäudekategorie
Wohnen
Bauvorhaben
Neubau
Material Fassade
Holz
Wohnen in Berlin. Irgendwo zwischen dem täglichen Wahnsinn von Immobilienhaien, Großinvestoren und Gentrifizierung hat sich dort in den letzten Jahrzehnten ein populäres Alternativmodell - die Baugruppe - entwickelt. Die Baugruppe D2 bestehend aus 15 Familien hatte das Glück eine der letzten Baulücken in zentraler Lage in Neukölln zu ergattern. Ein gut in die Stadt eingefügtes, ökologisches aber dennoch modernes und freundliches Haus mit viel Grün und Gemeinschaftsflächen im Hof und auf dem Dach war die Bauaufgabe für das IFUB*...

Jahr: 2018 - im Bau
Team IFUB*: Johannes Krohne, Miguel Lopez, Mikus Druviņš, Bernhard Kurz

Zusammen mit:
Winfried Härtel / Projektentwicklung

Bauherr: Baugruppe D2

Baugruppen sind in Berlin eine sehr populäre Form wenn es um die Schaffung von neuem Wohnraum geht. Mehrere Parteien schließen sich zusammen, bündeln ihre gemeinsamen Interessen und Finanzen und bauen gemeinsam ein oder mehrere Häuser.
Die Baulücke in der Donaustraße 2 war nie voll bebaut worden und wurde nach der Geschäftsaufgabe einer dort ansässigen Werkstatt- und Garagenvermietung an eine Baugruppe bestehend aus mehreren jungen Familien verkauft. Die Planungsaufgabe war dabei nicht wenig komplex. Das sehr langgezogene Grundstück hatte lediglich ein kurzes Stück zu bebauende Fläche im Norden zur Straße, aber einen großen, schmalen Innenhofbereich, der ebenso bebaut werden musste. Aufgrund des hohen Grundstückspreises und der angespannten Wohnungslage in Berlin war auch die maximale Ausnutzung des Grundstücks gesetzt. Das Schöne an Baugruppen - nicht nur das IFUB* sondern auch die zukünftigen Eigentümer*innen waren am Prozess von Anfang an beteiligt und konnten auch bei Konzeption und Gestaltung Einfluss nehmen.

Der baurechtlich vorgegebene Lückenschluss des Blockrands liegt direkt am südlichen Ende der sehr langen Pannierstraße an einer kleinen Kreuzung. Als Reaktion hierauf wurde das Vorderhaus mit einem Hochpunkt gestaltet, der auch die straßenständigen Giebel der Nachbargebäude optisch aufgreift und die unterschiedlichen Traufhöhen der rechts und links anschließenden Nachbargebäude moderiert. Das Gebäude wurde somit harmonisch in den Stadtraum eingefügt wozu auch die städtische Lochfassade mit dem abgesetzten Sockelgeschoss beiträgt. Eine Besonderheit ist sicher das Fassadenmaterial Lärchenholz, welches fugenlos verlegt zwar die Flächigkeit der angrenzenden Putzfassaden wiederspiegelt, aber auf die für das Viertel eher ungewöhnliche Fassadenkonstruktion in Holzsandwichbauweise hinweist. Mit Fernwärme und Wärmepumpe mit Wärmerückgewinnung aus der Abluft ausgestattet erreicht das Gebäude den KfW 55 Standard. Das abgesetzte Sockelgeschoss beherbergt zwei Gewerbeeinheiten zur Belebung des Stadtviertels, wobei die farbenfroh glasierten Klinkerriemchen bereits optisch auf das Gebäude im Hinterhof hinweisen.

Das Gartenhaus im Hinterhof wird an die dort vorhandene Brandwand angebaut und zur Einhaltung der Abstandsflächen in der Höhe gestaffelt. Die nach Süd und Ost orientierten Rücksprünge wurden als Terrassen gestaltet und sorgen so für maximale Aufenthaltsqualität im Freien. Die Gärten im Hof sind zum Teil den davor liegenden Wohnungen zugeordnet, der zentrale Bereich zwischen Garten- und Hinterhaus ist jedoch von der Hausgemeinschaft nutzbar und erhält zusätzlich einen Gemeinschaftsraum. Durch den Hof kommt man auch mit dem Fahrrad barrierefrei von der Straße aus bis ins Souterrain vom Gartenhaus gerollt.

Der Blick vom Vorderhaus aufs Gartenhaus zeigt - auch brandlastfreie Wände müssen nicht unansehnlich sein! Das an der Stirnseite des Gartenhauses gelegene, offene Sicherheitstreppenhaus muss aus Brandschutzgründen von nichtbrennbaren Baumaterialien umgeben sein. Mit diesem Kniff konnten Aufstellflächen für die Feuerwehr komplett vermieden und der Hof als Garten gestaltet werden. Auch Fahrräder und Müll wurden im Souterrain untergebracht und der Hof so komplett freigehalten.
Die nicht brennbaren farbigen Klinkerriemchen entwickeln sich deshalb aus dem Sockelgeschoss des Vorderhauses über die gesamte Fassade im wahrsten Sinne des Wortes gen Himmel. Ein fröhliches Haus für fröhliche Bewohner*innen.