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Junk & Reich Architekten

Augustinerkloster, Erfurt

Ort
Erfurt
Gebäudekategorie
Bibliotheken
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2010
Material Fassade
Glas
Architektenpreis
1. Preis Realisierungswettbewerb 2004
Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau 2010
BDA-Preis 2011- Anerkennung
Heinze Architekten AWARD 2011
Trophée Archizinc 2012
Wiederaufbau der historischen Bibliothek und der Waidhäuser und Denkmalpflegerische Maßnahmen zum Substanzerhalt

Standort: Erfurt, Augustinerstraße 10
Bauherr: Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt
Planung: Junk & Reich Architekten BDA Planungsgesellschaft mbH
Leistungsumfang: 1 - 9
BGF: 2.975 m2
Bauzeit: Waidhäuser    02/2006 - 10/2008
Bibliothek 02/2008 - 08/2010
Kosten:    6,40 Mio. Euro

Drei Entwurfsschwerpunkte prägen den Charakter der neuen Gebäude: die Fuge zwischen Alt und Neu, die daraus abgeleitete Lichtführung sowie im Bezug auf die Anordnung von Bauhülle und Ausbau das Thema Haus im Haus.

Der Neubau für den Veranstaltungs- und Repräsentationsbereich folgt im Wesentlichen der ehemaligen Kubatur des historischen Bibliotheksgebäudes. Das Gebäude schwebt über dem historischen Kellergeschoss in dem die Gedenkstätte entsteht. Die Belichtung erfolgt über die gestalterische Fuge zwischen Alt und Neu und erzeugt eine kryptenartige Stimmung.
Auf der Nordseite befinden sich im freigestellten Erschließungsriegel Eingang, Treppen, Aufzug und Sanitärbereich. Die verglasten Längsseiten erlauben den Durchblick zu den historischen Gewänden und Mauerresten, die Transparenz erleichtert die Orientierung im Eingangsbereich. Der Veranstaltungsraum im Erdgeschoss erhält Seitenlicht über die konisch gefassten Fenstergewände sowie die verglaste Deckenrandfuge. Die Dimension der mächtigen Bestandsmauern ermöglicht die Gründung des Neubaus auf mittig gesetzten Mikrobohrpfählen sowie die darüber liegende Anordnung von freistehender Außenwand und Lichtfuge.
Die Decken der Obergeschosse werden über Konsolen auf das Tragwerk abgesetzt. Dreigelenkrahmen aus Leimholzbindern bilden das attraktive Dachgeschoss, in dem sich der Repräsentationsbereich mit Bibliothek befindet. Holzsichtige Bücherregalwände mit integrierten Kuben für Durchgänge und Belichtung bilden die Raumabgrenzung.
Der Besucher findet Zugang aus dem transparenten Foyer und Erschließungsriegel über kubisch ausgeformte Stege. Repräsentations- und Bürogeschoss können zusätzlich über die gläserne Brücke vom Hauptgebäude erreicht werden. Die Architektur des Neubaus ist zeitgemäß. Es werden historische Materialien verwendet, als Fassadenmaterial Muschelkalkstein, als Dacheindeckung Kupfer naturbelassen sowie Stahl-Glas Fenster-Konstruktionen. Der Erschließungsriegel wird von einem Sichtbetonrahmen umschlossen, die Längsseiten füllen selbsttragende Stahlpfosten-Glasfassaden.

Der gesamte Ausbau erfolgte im Kontrast holzsichtig. Im Bereich der ehemaligen Waidhäuser entstand ein 3-geschossiges Apartmenthaus mit Dachausbau in deutlich reduzierter Kubatur im Vergleich zum Ursprungsgebäude. Die Erschließung erfolgt laubengangartig innerhalb der Fuge zwischen historischem Außenmauerverlauf und Neubau. Auch hier schaffen Licht und Schatten interessante Aufenthaltsbereiche.
Alle Wohnräume orientieren sich mit ihren Studierfenstern zum neuen Bibliotheksgebäude. Beide Neubauten sind korrespondierend zueinander ausgerichtet und bilden mit dem dazwischenliegenden Freiraum eine gestalterische Einheit. Die gewählten Materialien passen sich gestalterisch dem Bibliotheksgebäude an, ohne es zu übertrumpfen. So werden die Außenwände mit einer Putzoberfläche versehen, die farblich mit den Natursteinfassaden der Bibliothek und den Bestandsgebäuden korrespondiert. Die Ausbaumaterialien wurden entsprechend dem Gestaltungskonzept der Bibliothek gewählt. Das Apartmenthaus wurde oberhalb der Grundmauern der Waidhäuser in Querwandbauweise errichtet. Die tragenden Wände wurden in Mauerwerk errichtet, die Geschossdecken als monolithische Stahlbetondecken und Filigrandecken.
Mit dem Energiekonzept: Fernwärmeanschluss BHKW + RLT-Anlage mit Wärmerückgewinnung und Teilklimatisierung der großen Konferenzräume, sowie Fußbodenheizung & außenliegendem Sonnenschutz konnte die 2006 gültige ENEV trotz Integration bestehenden Mauerwerks und der wertvollen gotischen Steinrahmenfenster unterschritten werden. dimmbare LED-Beleuchtung und Lichtsteuerung tragen weiter zur Energieeffizienz und Nachhaltigkeit bei.