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kellner schleich wunderling

eine hohe halle unter dem markt

s-bahnstation "markt" in leipzig
Marcus Bredt
Marcus Bredt
Ort
Leipzig
Gebäudekategorie
Öffentliche Bauten, Regierungsgebäude, Behörden
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2013
Material Fassade
Keramik
„das alte leipziger rathaus mit dem steilen dach und seiner niedrigen traufe wirkt im vergleich zu dem, was nun vor seiner hauptfassade im untergrund vor sich geht, fast schon klobig und gedrungen. die von kellner schleich wunderling geplante station „markt“ besteht aus einer hohen halle, die vergessen machen möchte, dass man sich unter der erde befindet. schlanke 16 meter hohe edelstahlstützen, die auch lautsprecher und beleuchtungselemente aufneh­men, tragen eine betonbalkendecke. terrakotta-paneele an den wänden betonen die längs­richtung des raums.“

johannes lemke in bauwelt ausgabe 6.2014

mit dem bau der s - bahn station wird unter dem markt, am schnittpunkt eines den historischen stadtgrundriß maßgeblich prägenden straßenkreuzes, die voraussetzung geschaffen, zur ausgestaltung eines korrespondierenden bedeutungsraumes.­
 
die halle, ein prototyp der passage, wird als transito­rischer raum unter tage und adäquate ergän­zung in das traditionelle, seit fast 500 jahren in leipzig verbürgte passagensystem eingebunden. signifikanz erhält der raum durch seinen bogenförmigen verlauf. proportion und maßstab werden in der dramaturgie noch gesteigert durch das charakteristische relief der balkendecke und die lochfassaden, sowie die schar äußerst schlanker stahlrohre. sie formulieren einen binnenraum und markieren die wartezone gleichsam wie unter einem bahnsteigdach.
 
die herstellung des raumprofiles orientiert sich nicht zuletzt an der erstellung des bauwerkes in offener bauweise: der bodenaushub wird, vor ort nicht lagerbar, abtransportiert, die halle mit einer balkendecke geschlos­sen. die raumchoreographie wird zudem geprägt durch die balkone, die brücken, den treppen und den aufzugsturm. galerien in den fassaden evozieren einblicke zwischen „innen und außen“.
 
oberirdisch erfolgt der zugang zur markthalle auf kurzem wege über den vertrauten eingang der untergrund­messehalle oder gegenüber direkt auf den nordbalkon bzw. mit dem gläsernen aufzug zur bahnsteigebene. die einprägsame und übersichtliche wegeführung lässt eine gute orientierung zu.
 
die identität des ortes wird zudem erhellt durch die künstliche lichtführung: indirekt - komponenten für die wände und decken sorgen für eine tageslichtähnliche ausleuchtung der halle, direkt - kompo­nenten für den bahnsteig und die zugänge stellen die erforderliche lichtstärke sicher. die materialisierung der markthalle - dem ort, der im 13.jahrhundert als lehmgrube diente - wird vorwiegend geprägt durch großformatige terrakotta tafeln und weißen sichtbeton.