Zurück zur Startseite
DFZ ARCHITEKTEN

Neubau des Opernfundus der Hamburger Staatsoper

Meike Hansen, Archimage
Meike Hansen, Archimage
Ort
Hamburg
Gebäudekategorie
Produktion, Lager
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2019
Eröffnung der Dekorationswerkstätten, Masken-, Kostüm- und Kulissenfundi

Bauherr: Sprinkenhof GmbH, Burchardstraße 8, 20095 Hamburg

Nach knapp zweieinhalb Jahren Bauzeit wurden die neuen Räumlichkeiten der Hamburger Staatsoper im November vom Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher und Kultursenator Carsten Brosda feierlich eröffnet.
Durch den Neubau von DFZ Architekten werden die bisher auf drei Standorte verteilten Fundi und Werkstätten der Staatsoper auf dem Gelände des Neuen Huckepackbahnhofes im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort zusammengeführt. Auf einer Fläche von knapp 20.000 Quadratmetern werden hier künftig Kulissen, Requisiten und Kostüme produziert und gelagert.

Vorausgegangen ist dem Bauvorhaben ein nichtoffener, hochbaulicher Wettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren, an dem sich DFZ Architekten als Arbeitsgemeinschaft gemeinsam mit den Fachplanern Schlaich Bergermann und Partner und Drees und Sommer beteiligt haben. Die Wettbewerbsaufgabe sah vor, das vorhandene funktionale Konzept für die Zusammenlegung der verschiedenen Bereiche im städtebaulichen Kontext des Huckepackbahnhofes zu optimieren und umzusetzen. Der Entwurf von DFZ Architekten reagiert darauf mit einer klaren, selbstbewussten Architektursprache, die durch eine reduzierte Wahl von Farbe, Form und Struktur geprägt wird. Im Ergebnis erhielten DFZ Architekten den ersten Preis und anschliesssend den Zuschlag für die Planung und Ausführung des Neubaus. Die Herausarbeitung spezifischer und prägender Entwurfselemente erzeugt Plastizität und Schattenwurf. Eine differenziert gekantete Metallfassade stellt als abstrakte Interpretation eines Bühnenvorhanges Bezüge zur Staatsoper her. Den unterschiedlichen Nutzungsbereichen – Dekorationswerkstätten, Kulissenfundus und Kostüm- und Maskenfundus – wird durch feine Differenzierungen in Farbe und Struktur eine jeweils eigene hochbauliche Identität verliehen. Gleichzeitig wird durch das gestalterische Grundkonzept eine städtebaulich homogene Einheit mit einer gemeinsamen Adresse geschaffen.

Städtebau, Baukörper, Gebäudeform
Der Entwurf von DFZ Architekten ist im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens im nichtoffenen, hochbaulichen Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren und nachgeschaltetem Verhandlungsverfahren unter Preisgerichtsbeteiligung vom damaligen Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter und dem Bezirksamt Hamburg-Mitte mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden.
Das Gebäudeensemble, bestehend aus drei Baukörpern, folgt einem stringenten, linearen System, dass sich in das unregelmäßig zugeschnittene Grundstück einschmiegt. Die Anordnung der unterschiedlichen Funktionseinheiten – Kostüm- und Maskenfundus, Kulissenfundus und die Dekorationswerkstätten– gliedern das Baugrundstück und lassen im Norden einen großzügigen Werkhof entstehen. Die Arbeitsstätten werden hingegen an der prägnanten Kreuzung im Süden und Westen angeordnet. Die kompakte und dichte Bauweise ermöglicht eine optimale Flächennutzung. Verfeinerungen in Proportion und Gestalt verleihen dem  Ensemble die gewünschte gestalterische Kraft und einen hohen Wiedererkennungswert. Eine starke Akzentuierung erfährt die Fuge zwischen Kulissenfundus und Dekorationswerkstätten: Eine Verschiebung zwischen den beiden Bereichen betont die Eingangssituation deutlich und lässt eine überdachte Fläche und Terrasse entstehen. So wird wie selbstverständlich eine klare Adressbildung für die Haupteingangssituation gebildet. Der viergeschossige Kostüm-und Maskenfundus setzt durch seine Höhe im Nordwesten entlang der Eisenbahnlinie einen deutlichen städtebaulichen Akzent.

Fassadenkonzept
Der Entwicklung der Fassade liegt ein Gestaltungsprinzip zugrunde, das sowohl aus der Ferne als auch aus der Nähe eine ansprechende Wirkung auf den Passanten und Bahnreisenden erzeugt. Als Fassadenmaterial wird in Metalloptik beschichtetes Aluminiumblech gewählt. Die differenziert gekantete Metallfassade stellt als abstrakte Interpretation eines Bühnenvorhanges Bezüge zur Staatsoper her. Dieses an den Nord- und Südfassaden angewendete Grundthema verleiht der Fassade einen übergeordneten Zusammenhang. Gleichzeitig werden durch das Gestaltungsprinzip der Inversion zweier Farbtöne rotbraun und bronze die unterschiedlichen Hauptfunktionsbereiche differenziert. Das Erscheinungsbild der plastisch ausgebildeten Metallpaneele verändert sich im Laufe des Tages durch den unterschiedlichen Schattenwurf der sanft geknickten Flächen. Ein zweites Fassadenthema wird durch die „Schnittkanten“ an den westlichen und östlichen Stirnseiten und jene Flächen gebildet, die durch „Einschneiden“ und „Auseinanderziehen“ des Baukörpers entstehen. Hier kommen glatte,einfarbige Metallbleche zur Anwendung. Langgestreckte und geschützt hinter der „Vorhangfassade“ liegende Lochfensterbänder ermöglichen Einblicke in die dahinter liegenden Funktionen und vermitteln zugleich eine schützende Geborgenheit. Großzügige Industrieglasflächen im Erdgeschoss auf der Nord- und Westseite derDekorationswerkstätten bilden die inneren Funktionen diffus ab, so dass eine visuelle und räumliche Verknüpfung zum Stadtraum stattfindet und die ausreichend Belichtung der Werkstattbereiche sichergestellt wird.
Verglasungsanteile mit Dreh-Kipp Fenster auf der Südseite garantieren die natürliche Be- und Entlüftung der dahinterliegenden Büro- und Werkstattbereiche. Großzügige, festverglaste Fensterflächen auf der Ostseite des Kulissenfundus und der Ostseite des Kostüm- und Maskenfundus bilden interessante Blickfänge insbesondere für Bahnreisende und bilden zudem die jeweiligen Funktionen der Funktionsbereiche ab. Zusätzlich zu den vertikalen Fensterflächen wird innerhalb der Werkstattbereiche eine zusätzlich Belichtung über Oberlichtbänder angeboten.

Erschließung
Die fußläufige Anbindung des Gebietes sowie die Erreichbarkeit des Areals für Fahrradfahrer und Fußgänger ist entlang der Hauptverkehrsachsen gewährleistet. Das Areal liegt an der Strecke der S-Bahnlinien S2 (Altona-Bergedorf) und S21 (Elbgaustraße- Aumühle). Die entsprechende Haltestelle Rothenburgsort ist vom Plangebiet fußläufig circa 500 Meter entfernt. Für Mitarbeiter befindet sich auf dem Areal im nördlichen Bereich hinter dem Kulissenfundus ein Fahrradstellplatz innerhalb des umzäunten Geländes. Die getrennte Zu- und Abfahrt vom Gelände für den Wirtschaftsverkehr erfolgt über die zentrale Zufahrt zwischen Dekorationswerkstätten und Kulissenfundus. Die vielfältigen Anlieferungsmöglichkeiten der einzelnen Gebäudeteile befinden sich größtenteils direkt angegliedert an den großzügigen Werkhof im überdachten Bereich entlang der Nordfassade von Kulissenfundus und Dekorationswerkstätten. Ein Scherenhubpodest im überdachten Bereich vor dem Kulissenfundus gewährleistet die niveaugleiche Anlieferung. Stapler holen die Ware über diesen überdachten Außenbereich ab.

Funktionales Konzept
Der Verwaltungsbereich und die Sozialräume der Werkstätten und des Kulissenfundus sind im lärmabgewandten Bereich im Süden des Baufeldes im 1. OG bzw. im 2. OG angeordnet. Aufgrund der intensiven Beziehung der Dekorationswerkstätten und dem Kulissenfundus bietet das Raumkonzept vielfältige funktionale Verbindungsmöglichkeiten. Zugleich kann im Hinblick einer wirtschaftlichen Realisierung aufgrund der optimalen funktionalen Zuordnung auf Flure verzichtet werden. So wird z.B. die notwendige Verbindung der Montagehalle und des Kulissenfundus durch den Malersaal und über den überdachten Außenbereich des Werkhofes realisiert. Da zum Kostüm- und Maskenfundus keine unmittelbaren funktionalen Beziehungen bestehen wird dieser Gebäudeteil als eigenständiger Baukörper im Norden des Grundstückes positioniert. Dessen Sozialräume und gestapelte Arbeitsbereiche befinden sich geschossweise im Kopfbereich an der Ostseite. Sämtliche Zugänge und Flure in allen Geschossen ermöglichen einen barrierefreien Zugang zu den Behinderten- WCs, sowie zu den Sozial und Pausenräumen. Damit ist sicher gestellt, dass das geplante Gebäude in Zukunft auch Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen als sichere und gut benutzbare Arbeitsstelle dienen kann. Alle Bereiche verfügen über Aufzüge und in den Gangbereichen sind die Übergänge zwischen den einzelnen Oberflächen schwellenlos ausgeführt.

Fotos: Hagen Stier, Hamburg
Fotos Winteraufnahmen: Meike Hansen, Archimage