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holger meyer architektur

Am Seestern 24, Düsseldorf

Ort
Düsseldorf
Gebäudekategorie
Büro und Verwaltung
Bauvorhaben
Umbau/Sanierung
Jahr der Fertigstellung
2006
Revitalisierung eines Bürogebäudes

Das Bürogebäude steht als Solitär am Quartierseingang und bildet den markanten städtebaulichen Auftakt. Mit seinem negativ besetzten 70er-Jahre-Duktus, bestehend aus vorgehängten schweren Betonbalkonen und orangefarbenen Sonnenschutzrollos war der Bau stadtbekannt.
Die Revitalisierung beinhaltete zum einen eine neue innere Struktur, zum anderen eine Modernisierung der Außenhaut auf der Basis aktueller Energiesparkonzepte. Einerseits sollte genügend Licht in das Gebäude gelangen, gleichzeitig vor Sonneneinstrahlung und Wärme geschützt werden.
Aus Gründen der Flexibilität und der Wirtschaftlichkeit genügt es, jeden zweiten Fensterflügel zur Belüftung zu öffnen. Dies bestimmte die Struktur der Fassade: zwei Elemente, eines mit Festverglasung und eines mit einem Öffnungsflügel, wechseln sich ab. Dieses Thema wird durch den Hell-Dunkel-Kontrast verstärkt. Die weiße Alucobondfassade steht als tektonisches Gerüst optisch vor der homogen, dunklen Fläche der Verglasung. Tagsüber erscheint das leicht grau getönte Sonnenschutzglas weitgehend dunkel. Zusammen mit den schwarzgrauen Blendrahmen wird das Glas als eine Einheit wahr genommen. Auch der Sonnenschutz ist in der gleiche Farbe gewählt.
Beide Fassadenelemente haben ein identisches Achsmass von 1,30m und die gleiche Grundkonstruktion:
Eines ist das Element mit der ganzflächigen Festverglasung, das andere ist das mit dem zu öffnenden Fensterflügel in einem geschlossenen Rahmen.
Die Unterkonstruktion dieser Module besteht aus Konsolen, die an den Decken angebracht werden. In diese werden die vorgefertigten Fassadenelemente eingehängt. Im nächsten Schritt wird die Alucobondverkleidung, sowohl die der Decken als auch die des Fensterelementes, von außen befestigt.
Im Innenraum ist die Fassade  durch eine Metallverkleidung sehr homogen, ein bündig integrierter Sockelkanal nimmt die Datenverkabelung und die Elektroversorgung der Büros auf.
Die besondere Qualität der Fassade besteht darin, dass sie vollständig aus Standardprodukten erstellt ist und doch eine extreme Konturierung und Plastizität besitzt. Sie ist sehr wirtschaftlich und sehr schnell zu konstruieren.
Um die weiße Fassade lange attraktiv zu halten, war es notwendig, sie optimal zu entwässern, um Ablaufnasen zu verhindern. Die Fassadenentwässerung  wird deshalb im Hohlraum zwischen der thermischen Isolierung und der Alucobond-Außenhaut gewährleistet.
Auch das Gebäudeinnere wurde neu strukturiert:
Der Kern war ursprünglich nur 4m breit und ging durch das komplette 50 x 22 m große Gebäude durch. Er wurde in der Mitte auf 8 m erweitert und an den Stirnseiten stark gestutzt.
Dies ermöglichte das Einrichten von Zugangsschleusen, die bei einem Sicherheitstreppenhaus vorgeschrieben sind. Diese Schleusen waren nötig geworden, da im Zuge der Revitalisierung ein aussenliegendes Fluchttreppenhaus entfernt wurde.
Ausserdem verringerte sich durch diese Veränderung die Bürotiefe von 8m auf marktübliche 6m plus einer Gangbreite.
Ohnehin schlecht belichtete Bereiche wurden dem Kern zugeschlagen, während qualitätvolle Flächen an der Fassade für Büroflächen hinzu gewonnen wurden.
Im Rahmen einer Projektstudie konnte nachgewiesen werden, dass die Arbeitsplatzeffizienz im Gebäude durch das Verkleinern des Ausbaurasters von 1,80m auf 1,30m und die Optimierung der Grundrissgestaltung um 30% gesteigert werden konnte.
Somit ist das Gebäude nach der Revitalisierung von einem Neubau kaum mehr zu unterscheiden, es war innerhalb kurzer Zeit voll vermieten. Ein perfektes Beispiel für eine erfolgreiche Revitalisierung.


Bauherr White Hall Fund

BGF 10.000 m²

Planungszeitraum 2005-2006