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Osterwold°Schmidt

Wettbewerb Gefahrenabwehrzentrum Giessen entschieden

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17.05.2016
Städtebauliches und architektonisches Konzept

Das neue Gefahrenabwehrzentrum erscheint in seiner städtebaulichen Einordnung und Baumassenwirkung als Carré, das sich in Klarheit und Prägnanz darstellt.
Die prinzipielle Zweigeschossigkeit schafft dabei Maßstäblichkeit trotz der Ausdehnung über das Grundstück.
Näher betrachtet fügt sich das Carré aus zwei Gebäudewinkeln zusammen, die in ihren jeweiligen Flügeln die baulichen Einheiten von Hauptfeuerwache Berufsfeuerwehr (BF), Fachdienst Gefahrenabwehr (FD) mit Leitstelle und Feuerwehrtechnischem Zentrum (FTZ) in funktionalem Bezug beinhalten. Neben den jeweils intern bereichsoptimierten Einheiten werden schnelle Diagonal- und Querbeziehungen von Einheit zu Einheit für funktionale Betriebsabläufe gewährleistet.
Die Gebäudeform umschreibt einen geschützten Hof und schirmt so sicherheitsrelevante Bereiche, interne Nutzungen allein durch die Figuration ab und leistet gleichzeitig lärmschützende Wirkung zu künftigen umgebenden Bebauung (Wohnnutzung).
Der südöstliche Winkel schafft in seiner Position Raum für einen repräsentativen Vorplatz mit allen Parkgelegenheiten im Süden und im Osten für einen klimatisch wirksamen Grünzug.
Die funktionsbedingte Tiefe des Erdgeschosses eröffnet im 1. Obergeschoss eine Gebäudestaffelung zum Hof, die zusätzliche Freiraumangebote als Dachterrasse bzw. begrünte Dachfläche ermöglicht.
Diese Dachebene schafft einen Brückenschlag zur funktionalen Verbindung trotz Durchfahrbarkeit zum nordwestlichen Winkel. Dessen Westflügel mündet im 27m hohen Turm, der das Gebäude akzentuiert und zeichenhaft die einzige Carréöffnung beschließt.

Hier befindet sich die zweite Zu- und Ausfahrt/Alarmausfahrt. Die Fahrzeughallen im Ostflügel öffnen sich beidseitig, so dass flexible Fahrzeugbewegungen möglich sind und die Hauptausfahrtsrichtung über Ost zur Alarmausfahrt in der Achse der Straße von der Rödgener Straße an der südlichen Grundstücksgrenze gewährleistet ist.

In unmittelbarer Nähe zu den Parkplätzen erreicht man also direkt vom Vorplatz den Haupteingang an der Südseite. Zentral werden hier Mitarbeiter, Kunden und Besucher vom Wachhabenden in Empfang genommen und geleitet. Ein großzügiges Foyer schafft multifunktionalen Raum für Wartende, größere Gruppen, Ausstellungen etc.. Durchgesteckt zum Hof verschafft es zudem Zugang zum Hofbereich, so dass die Lenkung zu den weiteren Bereichen unmittelbar geschaffen wird.
Generell ermöglicht der großzügige Hofbereich die direkte Zuordnung der erforderlichen Freibereiche zu den jeweiligen Nutzungsbereichen - ohne Überlagerungen und unter Gewährleistung der Wegebeziehungen und Fahrbereiche.
Vorgeschlagen wird, drei Segmente der Stahlskeletthalle zu erhalten, die vielfältige Nutzungmöglichkeiten anbieten z.B. zusätzlichen überdachten wettergeschützten Freibereich (Unterstellhalle) oder auch die Qualifizierung und Nutzung als Übungshaus.

Konstruktion und Rasteraufbau des Gebäudekomplexes erlauben Flexibilität in der inneren Raumteilung und -belegung sowie ausgewiesene Erweiterungsbereiche.

Das äußere Erscheinungsbild des neuen Gefahrenabwehrzentrums stellt sich als Klinkerbau dar. Die Wasserstrichbacksteine verkleiden die Fassade in einem Farbverlauf von gedämpften Rot-Rosé-Tönen zu fast Weiß. Neben den klassisch erkennbaren Toren der Fahrzeughallen prägen Fensterbänder die Fassade. Versprünge weisen zusätzlich auf Zugänge hin oder nehmen Bezug auf innere Nutzungen (große Öffnungen für große Räume wie Schulungsbereiche, höhere Brüstungen für Sanitärräume u.ä.).
Textile Verschattungselemente sorgen für den erforderlichen sommerlichen Wärmeschutz, Sicht- und Blendschutz oder auch Verdunklung.

Die Baustoffe sind hinsichtlich ihrer Langlebigkeit, Recyclefähigkeit, ihrem dauerhaften Erscheinungsbild und ihrer nachwachsenden Eigenschaft unter ökologischer Betrachtung gewählt worden.
Den funktionalen Zusammenhängen und der räumlich optimalen Organisation wird Priorität eingeräumt. Der hohe Dämmstandard des Gesamtgebäudes gewährleistet unter Betrachtung des Wärmeversorgungskonzeptes und Niedertemperaturheizung eine hervorragende Energieeffizienz inkl. der Live Cycle Cost Betrachtung mit ökonomischer und ökologischer Relevanz.

Freiraumkonzept

Ziel des Entwurfs ist es, die Neubauten durch ein freundliches und zugleich funktionales Gesamtbild zu ergänzen. Im Fokus des Entwurfes steht die konsequente Weiterführung der geometrischen Formensprache von Architektur und Gelände sowie die strenge Ordnung der Raumfunktionen. Die Freianlagen gliedern sich der jeweiligen Funktion entsprechend an die angeschlossenen Innenräume und unterteilen sich in repräsentativem Vorplatz mit Ein- und Ausfahrten, großzügigen Innenhof, Dachflächengestaltung sowie Grünen Rahmen.

Vorplatz

Den Empfang bildet ein repräsentativer Vorplatz aus hochwertigem Pflasterbelag verschiedener Formaten und hohem Grünfugenanteil. Farbige Belagsintarsien leiten zum Haupteingang. Die Stellplatzanlage bietet ausreichend Kapazität für alle Fachdienste und Besucher. Kleinkronige, linear eingeordnete, hochstämmige Bäume spenden Schatten und erlauben gleichzeitig den Ausblick auf ein- und ausfahrende Fahrzeuge. Gegenüber des Haupteinganges sind Radstellplätze vorgesehen. Westlich des Vorplatzes befindet sich die Alarmausfahrt auf die Rödgener Straße, im Osten liegt die Einfahrt zum Gelände. An dieser sind fünf LKW-Stellplätze sowie der Tankstellenbereich eingeordnet.

Innenhof

Der zentrale Innenhof bietet ausreichend Raum für alle funktionalen Anforderungen. Durch die ebene Ausbildung als eine durchgehende Fläche ist der Innenhof multifunktional nutz- und befahrbar. Im Anschluss an die Fahrzeughallen befinden sich Aufstellflächen für die Einsatzfahrzeuge, welche großzügigen Bewegungsraum bieten. Östlich des Neubaus FD wird ein großflächiger Übungshof eingeordnet. Neben der in Teilen z.B. als Übungshaus erhaltenen Kalthalle befinden sich hier alle notwendigen Infrastrukturen wie offenes Löschwasserbecken, unterirdische Zisterne, Saugstellen, Anleiterstellen u.dgl.
Die Verkehrswege sind aufgrund der weiträumigen Dimensionierung zügig und flexibel befahrbar. Sie stellen keine räumliche Barriere dar und integrieren sich unauffällig in das Gesamtbild des Innenhofs. Neben den technischen Voraussetzungen bietet der Übungshof auch Aufenthaltsqualität im Bereich des zentralen Solitärbaumes. Im nordwestlichen Gebäudewinkel befindet sich ein zentraler Aufenthalts- und Sportbereich mit einem Kleinfeld, Sportgeräten sowie Sitzbereichen.
Alle Hofflächen und Fahrbahnen werden aus funktionalen Gründen in Asphalt ausgeführt. Durch die Gestaltung mit Markierungen verschiedener Farben und Formen wird nicht nur ein ästhetisch ansprechendes Bild erzeugt, sondern funktionale Zusammenhänge, hier sei beispielsweise auf die Wegeführung für Fußgänger verwiesen, hergestellt.

Dachflächengestaltung

Die Dachflächen sämtlicher Neubauten werden zugunsten der klimatischen Wirkung begrünt. Die Dachfläche im ersten Obergeschoss, welche von den Aufenthalts- und Gemeinschaftsräumen aus direkt begehbar ist, wird als Dachgarten gestaltet. Dieser bietet sowohl Gemeinschaftsbereiche in Form von Dachterrassen als auch Ruhebereiche mit Wiesen, Sträuchern und mehrstämmigen Gehölzen. Vom Dachgarten aus ist auch das Geschehen im Innenhof gut zu beobachten. Die Dachflächen der obersten Geschosse werden mit extensiver Dachbegrünung ausgestattet. Zwei Photovoltaikanlagen versorgen die beiden Gebäudeteile zusätzlich mit regenerativer Energie.

Grüner Rahmen

Die Gebäude und angrenzende Freiräume werden von extensiven Wiesenflächen mit Hecken- und Strauchpflanzungen gerahmt, welche sich an den übergeordneten Grünzug anfügen.  Die bestehenden Solitärbäume werden als strukturierende Elemente erhalten und durch Neupflanzungen ergänzt. Unter dem Baumhain wird ein Aufenthaltsbereich im Grünen eingeordnet. Weitere Baumreihen bilden die vertikale Begleitung von Grünachse und Neubauten.
Neben der klimatischen Ausgleichswirkung der Grünflächen nehmen die Wiesen anfallendes Niederschlagswasser der befestigten Flächen, insbesondere aus dem Bereich der westlichen Aufstell- und Fahrbahnflächen, auf. Im Innenhof anfallendes Regenwasser wird in Punkteinläufen geleitet, zentral gesammelt und dient zur Speisung von Löschwasserbecken und Zisterne sowie der Bewässerung der begrünten Dachflächen.