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Lederer Ragnarsdóttir Oei

Kunstmuseum Ravensburg

Foto: Roland Halbe
Foto: Roland Halbe
Die Erläuterung beschränkt sich auf die Frage des Umgangs mit der alten Stadt. Uns interessiert daran der Begriff der Kontinuität. Wir wollen ein Haus bauen, das sich der aktuellen Diskussion, ob ein Gebäude durch die Modernität einen Kontrast bildet, oder so tut, als wäre es über ein Jahrhundert alt, entzieht.

Gäbe es von der Situation ein Bild von Canaletto und fehlte an der Stelle, an der das Kunstmuseum entstehen soll, ein Stück der gemalten Stadt, so käme der Restaurator weder auf die Idee, „seine“ Kunst und Zeitgenossenschaft auf dem Fleck darstellen zu wollen, noch würde er die Stelle so übermalen, als hätte es den Schaden nie gegeben. Vielleicht würde er das fehlende Stück in der Art anlegen, dass die Sache auf den ersten Blick gar nicht ins Auge springt und erst auf den zweiten Blick, nämlich bei genauerem Hinsehen die Ergänzung zu lesen ist.

Neu und doch so, dass die Frage, in welcher Zeit das Haus entstanden sein mag, oder wer dessen Architekten waren, uninteressant ist.

Es gab schon immer Architekten, die sich mit diesem Problem auseinandergesetzt haben, oder besser gesagt, die Häuser für den zweiten Blick gebaut haben. Lewerentz oder Döllgast zum Beispiel. Bestechende handwerkliche Qualitäten, vertraute Materialien, schöne Fügungen, gut funktionierende Grundrisse.

Das einfache räumliche Konzept also, Eingangshof, rechteckige und neutrale Ausstellungsräume, die von den Erschließungselementen in die Mitte genommen sind, wird nach außen durch eine Schale aus Recyclingziegeln gemauert. Die Steine können von unterschiedlichen Abbruchhäusern stammen und grob verfugt sein. Das Dach ist aus Ziegelschalen gebildet, die innenseitig weiß geschlämmt sind und als Gewölbekonstruktion den Raum frei überspannen. Fenster so wenig wie möglich, lediglich an einer Stelle eine Verglasung wie ein Bild, das den Blick auf den Mehlsack frei gibt.