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Kern Architekten

Platz Jesuitenkirche

Nicolas Felder, Wiggensbach
Nicolas Felder, Wiggensbach
Ort
Mindelheim
Gebäudekategorie
Plätze, Spielplätze
Bauvorhaben
Umbau
Jahr der Fertigstellung
2019
Material Fassade
Werkstein
Treffpunkt mit Aufenthaltsqualitäten

In der Altstadt von Mindelheim sind zwischen der spätbarocken Jesuitenkirche Mariä Verkündigung und dem Bachlauf der Mindel mit der Neugestaltung des Platzes vielfältige Treffpunkte mit besonderen Aufenthaltsqualitäten entstanden. Nach der Gestaltung des Marienplatzes haben wir mit dem Platz Jesuitenkirche den letzten von vier Bauabschnitten in der zehnjährigen Umgestaltung der Mindelheimer Innenstadt realisiert. Die sich wiederholende Materialwahl fügt alle vier Bauteile zu einem großen Ganzen zusammen.

Verweilen, Bewegen und Begegnen

Auch im kleineren Maßstab des Platzes selbst war es uns ein Anliegen, die verschieden vorhandenen Stadträume mit der Neugestaltung zu vereinen. Aus dieser Bauaufgabe heraus ist ein qualitativ hochwertiger öffentlicher Platz entstanden, der zum Verweilen, Bewegen und Begegnen einlädt und von den Mindelheimer Bürgerinnen und Bürgern gut angenommen wird.

Barrierefreiheit

Eine fußgängerfreundliche Gestaltung und das Schaffen von Barrierefreiheit sind zentrale Elemente des Entwurfes. Auf hohe Bordsteinkanten wurde beispielsweise bewusst verzichtet. Auch wenn der Autoverkehr weiterhin möglich ist, können sich auf dem neuen Platz alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt begegnen – Fußgänger wie Radfahrer. Für Märkte und Stadtfeste kann der Platz außerdem flexibel genutzt werden. Notwendige technische Anschlüsse sind im Pflaster so integriert, dass diese nicht direkt wahrgenommen werden und dennoch unterschiedliche Situationen ermöglichen.

Wasser in der Stadt

Neben der Barrierefreiheit spielt die Erfahrbarkeit des Wassers eine wichtige Rolle bei der Neugestaltung. Treppen und Sitzstufen machen den Bachlauf der Mindel zugänglich und lassen so das Wasser in der Stadt stärker spürbar werden. An der Stelle der Sakristei, wo sich unterirdisch ein historisches Gewölbe als Teil der Jesuitenkirche befindet, verläuft der Bach nicht sichtbar. Ein neu geschaffener Brunnen sowie dazugehörige Flachwasserzonen geben an dieser Stelle das Element des Wassers wieder. Der Brunnen selbst zeigt vier verfremdete Türme und bespielt eines von vier Feldern, die symbolisch für die vier historischen Stadtteile Mindelheims stehen. Neben dem Brunnen sind die drei anderen Flächen, angepasst an die Nutzung der ehemaligen Viertel, unterschiedlich bepflanzt. Gespeist werden der Wasserlauf und der Brunnen durch natürliches Wasser, das der Mindel entnommen wird.

Regionaltypische Materialien

Die reduzierte Gestaltung erhält ihre Wertigkeit durch den Einsatz von regionaltypischen Materialien. Gekennzeichnet durch mineralische Einschlüsse ist besonders der Nagelfluhstein hervorzuheben. Die Kombination aus Natursteinen und rauen, gestockten Betonoberflächen lässt ein vielfältiges Mosaik entstehen. Unterstützt wird dies durch ein lebendiges Verlegemuster aus verschiedenen Formaten, die zum einen Zonierungen vorgeben und zum anderen ein ansprechendes Stadtbild formen.

Bepflanzung und Beleuchtung

Eine durchgängige Bepflanzung mit heimischen Gewächsen wie dem Apfeldorn sorgt für eine zusätzliche Aufenthaltsqualität. Ein ausgefeiltes Beleuchtungskonzept schafft durch indirekte Beleuchtungen auch in der Nacht einen angenehmen Stadtraum.